Kiel. Wie formen Stadt, Landschaft und Imagination unsere Vorstellung von Wirklichkeit? Diesen Gedanken haben Studierende der Muthesius Kunsthochschule Kiel aufgegriffen und hinterfragen die Stadt jenseits ihrer gewohnten Ordnung mit ihrer Ausstellung „Public Realities – Urban Fictions“, aktuell zu sehen im CAP-Einkaufszentrum am Hauptbahnhof Kiel.
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Ausgangspunkt für die Gedankenexperimente war eine Forschungsreise der Studierenden nach Las Vegas. Dort untersuchten sie urbane Phänomene: Spektakel, Simulation und das Sein zwischen Konsum und Leere, Realität und Fiktion. Das Ergebnis: Ein Erlebnis zwischen Reizüberflutung und Ekel vor dem kapitalistischen System.
Gruselfaktor: Ein kaputter silberner Schuh mit Sohle aus Zahnfleisch
Der Ausstellungsraum ist ein stillgelegter Spielsalon. Direkt ins Auge fällt der absurd geschmückte Tresen der Spielhalle, ein Raum, der einst der Unterhaltung und dem Konsum diente. Verschrumpelte Masken hängen an einer bunten Kristallkette, abgetrennte Finger, ein Gebiss im verdreckten Glas mit rotem Papierstrohhalm, daneben ein Haufen bunter Seifenklötze mit Bissspuren.
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Die Ausstellung richtet den Blick auf das Unsichtbare im Sichtbaren.
Axel Loytved
Professor für Künstlerische Grundlehre im Studiengang Freie Kunst
In Lara Meises Installation „Funnyland – Best of Magie“ begegnen sich Ironie und Überinszenierung. Humorvolle Brechungen verwirren und stimmen nachdenklich. „Ich möchte mit meiner Arbeit das Erwachsenwerden als Konsument und Konsumgut zeigen“, erklärt die 23-Jährige.
Schmatzen für Trump: Ausstellung „Public Realities“ in Kiel stimmt nachdenklich
Ein laut schmatzendes Geräusch lenkt die Aufmerksamkeit nach rechts. Kayla Lockwood greift mit einem Video die rassistische Aussage von US-Präsident Donald Trump gegenüber asiatischen Menschen auf: „They’re eating the dogs.“ Gierig beißt sie in ein Hotdog – ein Genuss, als hätte sie drei Tage nichts gegessen. Ketchup und Senf im ganzen Gesicht verschmiert, drückt sie es sich fast schon gewaltvoll in den Mund und schluckt laut hörbar.
Kapitalismus, Fiktion und Spektakel: Kunststudierende stellen aus
„Die Ausstellung richtet den Blick auf das Unsichtbare im Sichtbaren“, erklärt Axel Loytved, Professor für Freie Kunst. Er kuriert die Ausstellung und versteht sie als „Einladung, die Stadt nicht nur als funktionalen Raum, sondern als ein offenes Gefüge von Beziehungen und Bedeutungen zu begreifen“.
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Immer wieder hängt sich der Blick auf. Mülltütenketten, die im Wind wehen, symbolisieren und kritisieren wohl am besten die hungrige Konsumgesellschaft, wirken fast schon beruhigend und erschreckend vertraut. Eingerahmte Geldscheine und Postkarten für einen Schnapper von nur 9281 Lindendollar ergänzen das kapitalistische Bild.
„Public Realities – Urban Fictions“: Bis 7. Februar, geöffnet montags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr. Eintritt frei.
KN