Frankreich neu entdecken? Ja, das geht! Hier stellen ich euch 30 tolle Ziele vor, die noch nicht überlaufen oder total vermarktet sind. Abseits bekannter Touristenpfade unterwegs zu sein, ist noch immer ein echtes Erlebnis und spannendes Abenteuer in Europas größtem Flächenstaat.

Frankreich neu entdecken: meine Tipps

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Frankreich ist fast anderthalbmal so groß wie Deutschland, sechsmal so groß wie Österreich und rund dreizehnmal so groß wie die Schweiz – und nur an den Küsten oft sehr dicht besiedelt. Besonders im Binnenland gibt es noch viele weite, kaum berührte Landschaft. Natur pur ohne ein Haus im Blick. Landschaften, die leise sind. Regionen, die nicht laut für sich trommeln, sondern lese erzählen. Wer bereit ist, die bekannten Wege zu verlassen, entdeckt ein anderes Frankreich – ursprünglich, authentisch, echt – und überraschend.

Weit entfernt von selfie hotspots und bucket lists liegt ein Frankreich, das sich Zeit nimmt. Es sind Landschaften, Orte und Viertel, die nicht auf den ersten Blick verführen, sondern mit Stille, Tiefe und Charakter. Sümpfe und Hochweiden, vergessene Täler, Inseln ohne Eile und Regionen, deren Identität über Jahrhunderte gewachsen ist. Und selbst an gut besuchten oder bekannten Zielen an der Küste verstecken sich Kleinode, die besonders sind. Voilà meine Lieblingsziele abseits allzu bekannte Pfade. Frankreich neu entdecken: Auf geht’s!

Frankreich neu entdecken in Hauts-de-France

Die Baie de Somme

Maritime Urlandschaft: die Bucht der Somme. Foto: Hilke Maunder

Maritime Urlandschaft: die Bucht der Somme. Foto: Hilke Maunder

Sie ist die schönste Bucht der Picardie: die Mündung der Somme. Flaches Land mit Salzmarschen, Schlickzonen, Watt und weitem Blick. Mit feinem Strand, mit tiefen Prielen und hohem Himmel, mit den Kringeln der Wattwürmer und den Watvögeln, die nach Würmern picken, wirkt die Mündungsbucht fast wie Norddeutschlands Wattenmeer.

Frankreich neu entdecken: Le Crotoy an der Somme-Mündung. Foto: Hilke Maunder

Frankreich neu entdecken: Le Crotoy an der Somme-Mündung. Foto: Hilke Maunder

Schafe ziehen in großen Herden über die Salzwiesen und Niederungen, durchqueren Gräben, weiden auf Wiesen, die das Wechselspiel der Tiden mit Salz würzte. Diese natürliche Salznote macht die Lämmer zu einer begehrten Spezialität der französischen Küche: Agneau pré-salé, Salzwiesenlamm – einfach köstlich!

Moules, Miesmuscheln, gibt es in vielen Variationen an der Alabasterküste - aber immer mit Pommes Frites. Foto: Hilke Maunder

Moules, Miesmuscheln, gibt es in vielen Variationen an der Alabasterküste – aber immer mit Pommes Frites. Foto: Hilke Maunder

Wie die moules frites, die in großen, schwarzen Emaille-Töpfen mittags auf den Tischen dampfen. Ob in Weißwein, mit Curry oder Kräutern: Miesmuscheln sind an der Somme-Bucht das Nationalgericht.

Frankreich neu entdecken in Grand Est

Die Thiérache

Aisne. Die Wehrkirche von La Bouteille. Foto: Hilke Maunder

Kulturschatz: Die Wehrkirche von La Bouteille. Foto: Hilke Maunder

Im äußersten Norden Frankreichs, wo die Champagne auf Belgien trifft, liegt die Thiérache, ein Land der sanften Hügel, saftigen Weiden und unglaublich eindrucksvollen Wehrkirchen. Die massiven Gotteshäuser aus roten Backsteinen sind zugleich Festungen: mit dicken Mauern, Ecktürmen und Schießscharten. Sie erinnern an die Jahrhunderte der Plünderungen und Kriege, die über diese Grenzregion hinwegfegten.

Miiaam... Maroilles! Foto: Hilke Maunder

Miiaam… Maroilles! Foto: Hilke Maunder

Zwischen den Dörfern weiden die berühmten Bleues de Thiérache und Bleues du Nord genannten blau-weiße Milchkühe, auf den endlosen grünen Wiesen. Hecken säumen die gewundenen Landstraßen, Obstbäume blühen im Frühling weiß und rosa. Die cidre de Thiérache und der kräftige Maroilles-Käse sind hier die Schätze der Gastronomie. Eine stille, friedliche Landschaft, zu erleben auf der Route des églises fortifiées de la Thiérache.

Die markierte Route der Wehrkirchen in der Thiérache: Auch in den Ardennen wie hier bei Jandun könnt ihr ihren Spuren folgen. Foto: Hilke Maunder

Die markierte Route der Wehrkirchen in der Thiérache: Auch in den Ardennen wie hier bei Jandun könnt ihr ihren Spuren folgen. Foto: Hilke Maunder

Frankreich neu entdecken in der Normandie

Das Pays de Bray

Im Nordosten der Normandie senkt sich das Land zu einer sanften Mulde: das Pays de Bray, das „Knopfloch der Normandie“. Grüne Weiden ziehen sich durch das gewellte Hügelland, durchzogen von Hecken und Obstbaumreihen. Rotbraune Kühe grasen auf den saftigen Wiesen, deren Milch die Grundlage für den berühmten Neufchâtel bildet – einen der ältesten Käse der Normandie, geformt wie ein Herz.

Typisch für die vache normande, die Milchkuh der Normandie, sind die rotbraunen Augenringe. Foto: Hilke Maunder

Typisch für die vache normande, die Milchkuh der Normandie, sind die rotbraunen Augenringe. Foto: Hilke Maunder

Die Dörfer mit ihren Fachwerkhäusern und Backsteinkirchen liegen versteckt in den Tälern. Hier fließen kleine Flüsse wie die Béthune und die Andelle durch eine friedliche Landschaft, die von der Landwirtschaft geprägt ist. Im Herbst leuchten die Apfelbäume golden, und in den Cidre-Brennereien duftet es nach frisch gepresstem Saft. Eine stille Normandie, fernab der Küste und der Schlachtfelder, ursprünglich und bäuerlich.

Der Neufchâtel-Käse zeigt Herz. Foto: Hilke Maunder

Frankreich neu entdecken geht auch kulinarisch: Der Neufchâtel-Käse zeigt Herz. Foto: Hilke Maunder

Die Suisse Normande

In der Normannischen Schweiz haben die Orne und die die Vire tiefe Schluchten in das uralte armorikanische Massiv gefräst. Dichte Wälder bedecken die Hänge, unterbrochen von blühenden Heidehügeln. Kajaks gleiten durch die Stromschnellen der Orne, an den Granitfelsen von Clécy wird gebouldert, und bei Mortain rauschen die höchsten Wasserfälle Westfrankreichs über dunklen Fels. La Suisse Normande: ein Wanderland voller Wunder!

Erfrischend: ein Bad in der großen Kaskade von Mortain. Foto: Hilke Maunder

Erfrischend: ein Bad in der großen Kaskade von Mortain. Foto: Hilke Maunder

Der Marais du Cotentin et du Bessin

Zwischen Land und Meer erstreckt sich im Norden der Normandie eine Welt aus Wasser und Weite: die Sümpfe des Cotentin und Bessin. Mehr als 30.000 Hektar Feuchtgebiete, durchzogen von unzähligen Kanälen, Gräben und trägen Flüsschen. Im Winter stehen die Wiesen unter Wasser, im Sommer grasen Kühe und Pferde auf den saftig grünen Weiden.

Pappeln und Weiden säumen die Wasserwege, Reiher und Löffler staksen durch die Flachwasserzonen. Die wenigen Gehöfte liegen auf kleinen Erhebungen, zu den Dörfern führen schmale Dämme. Hier wird seit Jahrhunderten Torf gestochen und Vieh gezüchtet. Die Landschaft wirkt endlos und still, nur unterbrochen vom Ruf der Watvögel und dem Plätschern des Wassers.

Frankreich neu entdecken in der Bretagne

Die Monts d’Arrée

Ein enclos paroissial der Berge: der umfriedete Pfarrhof von Polounéor-Ménez in den Monts d'Arée. Foto: Hilke Maunder

Ein enclos paroissial der Berge: der umfriedete Pfarrhof von Polounéor-Ménez in den Monts d’Arée. Foto: Hilke Maunder

Im Herzen der Bretagne erheben sich die Monts d’Arrée, die höchsten „Berge“ der Region – obwohl ihre Gipfel kaum 400 Meter erreichen. Doch die Landschaft wirkt rau und herb: Heidebedeckte Kuppen, von denen der Blick über endlose Moore und Sümpfe schweift. Granitfelsen ragen wie versteinerte Riesen aus der Erde, umweht von Nebelschwaden und Legenden.

Hier, so erzählt man sich, liegt das Yeun Elez, der Eingang zur Unterwelt. Die Torfmoore glitzern schwarz unter dem grauen Himmel, Ginster und Heidekraut färben die Hügel gelb und violett. Vereinzelte Gehöfte aus dunklem Granit klammern sich an die Hänge, Kapellen mit schiefergedeckten Türmen trotzen dem Wind, und Mythen aus uralten Zeiten sind hier noch quicklebendig.

Der Léon

Der enclos parroissialvon Guimilau gilt als der vollkommenste der 23 umfriedeten Pfarrhöfe. Foto: Hilke Maunder

Der enclos parroissialvon Guimilau gilt als der vollkommenste der 23 umfriedeten Pfarrhöfe. Foto: Hilke Maunder

Im Léon hat die tiefe Inbrunst und Frömmigkeit der Bretonen eine in Europa einzigartige Sakralkunst geschaffen: prunkvolle umfriedete Pfarrhöfe mit imposanten Kalvarienbergen – die enclos paroissiaux. 200 Jahre lang lagen Saint-Thégonnec und Guimiliau mit ihren Prestigebauten im Wettstreit und gestalteten ihre umfriedeten Pfarrhöfe immer glanzvoller.

Heute verbindet eine Themenroute ihre Pfarrhöfe – und führt im Nordwesten der Bretagne zwischen Morlaix und Landerneau zu weiteren prunkvollen Anlagen. Stets ausgestattet mit Kalvarienberg, Beinhaus und Triumphtor, hoffen sie jetzt auf Anerkennung als Welterbe.

Der höchstgelegene der 23 enclos paroissiaux birgt in seiner Umfriedung bis heute den Dorffriedhof. Foto: Hilke Maunder

Der höchstgelegene der 23 enclos paroissiaux birgt in seiner Umfriedung bis heute den Dorffriedhof. Foto: Hilke Maunder

Frankreich neu entdecken in der Île de France

Die Haute Vallée de Chevreuse

Kaum 30 Kilometer südwestlich von Paris beginnt eine andere Welt: das Tal der Chevreuse, ein regionaler Naturpark mit sanften Hügeln, Buchenwäldern und vergessenen Abteien. Die Yvette schlängelt sich durch saftige Wiesen, vorbei an Steinmühlen und mittelalterlichen Dörfern mit Fachwerkhäusern.

Hier thronen majestätische Burgen wie die von Chevreuse und La Madeleine über dem Tal. Die Zisterzienserabtei Port-Royal-des-Champs, einst Zentrum des Jansenismus, verbirgt sich still zwischen Bäumen. An Wochenenden flanieren Pariser auf den Wanderwegen durch die Wälder von Rambouillet, sammeln Pilze im Herbst oder picknicken am Ufer des Flusses. Eine grüne Oase, fast vergessen in der Nähe der Millionenmetropole.

Frankreich neu entdecken in den Pays de la Loire

Île d'Yeu: Hummerkörbe im Hafen von Port-Joinville. Foto: Hilke Maunder

Île d’Yeu: Hummerkörbe im Hafen von Port-Joinville. Foto: Hilke Maunder

Die Île d’Yeu

Zehn Kilometer lang und maximal 3,7 Kilometer breit versteckt sich die Île d’Yeu, gut 18 Kilometer vor der Küste der Vendée. Im Südwesten schlagen wilde Brecher an die Klippen der Côte Sauvage mit ihren versteckten Sandbuchten. Im Nordosten rollen die Wellen sanft auf weiten Sand. Heide und Kiefern ducken sich unter dem hohen Himmel. Radwege führen zu versprengten Weilern, Festungen und dem weißen Leuchtturm mit seiner roten Kappe.

Île d'Yeu: Saint-Sauveur. Foto: Hilke Maunder

Weiß getünchte Häuser, farbige Haustüren: Saint-Sauveur. Foto: Hilke Maunder

Typisch die weiß gestrichenen Häuser mit bunten, meist blauen Fensterläden und rot gedeckten, niedrigen Dächern, deren Ziegel mit Zement befestigt sind, um den winterlichen Stürmen zu trotzen. Doch im Sommer streichelt nur eine sanfte Brise das Eiland. Ein nahezu autofreies Inselparadies – und das Exil von Pétain.

Île d'Yeu: Beim Vieux Château mit Blick auf die Plage des Sabias. Foto: Hilke Maunder

Beim Vieux Château der Île d’Yeu mit Blick auf die Plage des Sabias. Foto: Hilke Maunder

Die Brière

Nördlich der Loire-Mündung erstreckt sich die Brière, ein Labyrinth aus Kanälen, Torfmooren und Schilfinseln. Das zweitgrößte Feuchtgebiet Frankreichs wirkt wie eine vergessene Welt: Flache Kähne gleiten lautlos durch die Wasserwege, gestakt von Fischern in traditionellen schwarzen Hüten. Reetgedeckte Häuser ducken sich auf kleinen Inseln, umgeben von Weiden und Gärten.

Kerhinet in der Grande Brière. Das ganze Dorf ist restauriert und heute Freilichtmuseum. Foto: Hilke Maunder

Kerhinet in der Grande Brière. Das ganze Dorf ist restauriert und heute Freilichtmuseum. Foto: Hilke Maunder

Die Brière ist ein Reich der Vögel: Reiher, Störche und Enten bevölkern die Sümpfe. Im Herbst ziehen Nebel über die Moore, verwandeln die Landschaft in ein Gemälde aus Grau und Grün. Die Menschen hier leben seit Jahrhunderten vom Torf, von der Fischerei und vom Schilf. Heute ist die Brière ein regionaler Naturpark, durchzogen von Wanderwegen und Bootsrouten.

Der Anleger der Île de Fédrun in der Grande Brière. Foto: Hilke Maunder

Der Anleger der Île de Fédrun in der Grande Brière. Foto: Hilke Maunder

Frankreich neu entdecken in Centre-Val de Loire

Die Sologne

Zwischen Loire und Cher erstreckt sich die Sologne, eine geheimnisvolle Landschaft aus endlosen Wäldern, stillen Weihern und morastigen Heiden. Nebelschwaden ziehen im Herbst über die mehr als 3000 Teiche, in denen seit Jahrhunderten Karpfen gezüchtet werden. Rote Backsteinhäuser mit weißen Ziegeln ducken sich unter alten Eichen.

Die Sologne war einst Jagdrevier der Könige, und bis heute prägen herrschaftliche Schlösser und umzäunte Wildgehege das Bild. Doch abseits der großen Loireschlösser wie Chambord findet ihr hier eine stille, melancholische Schönheit. Wildenten steigen aus den Schilfgürteln auf, Reiher waten durch seichte Gewässer. Im Winter dampfen die traditionellen matelotes, würzige Fischeintöpfe, in den Gasthäusern. Doch viel berühmter wurde ein Kuchen, der hier daheim ist – und das wohl köstlichste Malheur, das französischen Köchen je passiert ist: die Tarte Tatin.

Das Hotel der Schwestern Tatin empfängt euch heute als stilvolles Hôtel-Restaurant & Spa Maison Tatin. Foto: Hilke Maunder

Das Hotel der Schwestern Tatin empfängt euch heute als stilvolles Hôtel-Restaurant & Spa Maison Tatin. Foto: Hilke Maunder

Die Brenne

Im Herzen Frankreichs erstreckt sich südlich der Loire die Brenne, das „Land der tausend Teiche“. Mehr als 2000 Gewässer glitzern zwischen Heideflächen, Eichenwäldern und Feuchtwiesen. Geschaffen im Mittelalter für die Fischzucht, sind sie heute ein Paradies für Zugvögel: Kraniche, Störche, Fischadler und unzählige Entenarten rasten hier auf ihrer Reise zwischen Nord und Süd.

Die Landschaft ist flach und weitläufig, durchzogen von schmalen Dämmen zwischen den Teichen. Weiße Charolais-Rinder grasen auf den Wiesen, in den Dörfern stehen Häuser aus rötlichem Bruchstein. Im Herbst werden die Teiche abgelassen, und die Fischer holen mit großen Netzen Karpfen, Hechte und Schleien aus dem schlammigen Wasser. Ein vergessenes Stück Berry, ursprünglich und still.

Frankreich neu entdecken in Bourgogne-Franche-Comté

Der Morvan

Landschaft bei Roussillon-en-Morvan. Foto: Hilke Maunder

Landschaft bei Roussillon-en-Morvan. Foto: Hilke Maunder

Im Herzen Burgunds erhebt sich der Morvan, ein urwüchsiges Granitmassiv, das wie eine grüne Insel aus den berühmten Weinbergen ragt. Dichte Buchenwälder bedecken die sanften Hügel, durchzogen von wilden Flüssen und kristallklaren Seen. Hier grasen die weißen Charolais-Rinder auf saftigen Wiesen, während in den tiefen Wäldern Wildschweine und Hirsche ihr Reich haben.

Der regionale Naturpark Morvan ist dünn besiedelt, mit verstreuten Steingehöften und verschlafenen Dörfern. Die Landschaft erzählt von einer rauen Vergangenheit: Hier versteckten sich während des Zweiten Weltkriegs die Widerstandskämpfer der Résistance. Heute lockt der Morvan mit Wanderwegen durch unberührte Natur, mit traditionellen Bauernmärkten und slow-food-Spezialitäten wie dem berühmten jambon du Morvan, dem luftgetrockneten Schinken der Region.

Das Brionnais

Im Süden Burgunds, wo die sanften Hügel zur Saône-Ebene abfallen, liegt das Brionnais. Mehr als ein Dutzend romanischer Kirchen prägen die Landschaft – schlichte, kraftvolle Bauwerke aus ockerfarbenem Sandstein, mit kunstvoll behauenen Portalen und gedrungenen Glockentürmen.

Fleischrinder auf der Weide bei Saint-Christophe-en-Brionnais. Foto: Hilke Maunder

Fleischrinder auf der Weide bei Saint-Christophe-en-Brionnais. Foto: Hilke Maunder

Zwischen den Dörfern grasen Charolais-Rinder auf sattgrünen Weiden. Ihre weiße Farbe leuchtet in der Abendsonne, während im Hintergrund die Hügel sanft in den Himmel übergehen. Das Brionnais ist seit Jahrhunderten Viehzuchtgebiet, jeden Donnerstag findet in Saint-Christophe-en-Brionnais der größte Viehmarkt Frankreichs statt. Le Brionnais: Burgund ohne Weinberge, dafür mit Kirchen, Kühen und tiefer Ruhe.

Ein Wintertag an der Loire in Iguerande (Brionnais). Foto: Hilke Maunder

Ein Wintertag an der Loire in Iguerande im Brionnais. Foto: Hilke Maunder

Frankreich neu entdecken in Auvergne-Rhône-Alpes

Die Montagne Bourbonnaise

Am östlichen Rand der Auvergne erheben sich die sanften Gipfel der Montagne Bourbonnaise, ein Mittelgebirge, das nur wenige kennen. Dichte Wälder aus Buchen und Tannen bedecken die Hänge, unterbrochen von Lichtungen mit Ginster und Farn. Die Gipfel erreichen kaum 1200 Meter, doch die Aussicht reicht weit über die Ebene des Bourbonnais bis zu den Vulkanen der Auvergne.

Charolais-Rinder auf der Weide. Foto: Hilke Maunder

Charolais-Rinder auf der Weide. Foto: Hilke Maunder

Hier oben weiden in den Sommermonaten rotbraune Charolais-Rinder auf den Bergwiesen. Steinerne Bauernhöfe aus dunklem Granit klammern sich an die Hänge, manche verlassen, manche liebevoll restauriert. Die Region lebte einst von der Forstwirtschaft und der Viehzucht. Heute durchziehen Wanderwege die stillen Wälder, führen zu vergessenen Kapellen und klaren Gebirgsbächen. Eine Auvergne im Verborgenen, herb und authentisch.

Die Monts du Forez

Im Haut-Forez des Livradois-Forez-Naturparks. Foto: Hilke Maunder

Im Haut-Forez des Livradois-Forez-Naturparks. Foto: Hilke Maunder

Östlich von Clermont-Ferrand erheben sich die Monts du Forez, ein vergessenes Mittelgebirge zwischen Auvergne und Lyonnais. Die Gipfel erreichen knapp 1600 Meter, doch die Landschaft ist sanft: Weite Hochweiden wechseln sich ab mit dichten Tannenwäldern und Heidelandschaften. Im Sommer grasen Kühe auf den hautes chaumes, den Bergweiden, die mit Enzian und Arnika übersät sind.

Die Täler sind tief eingeschnitten, durchflossen von klaren Gebirgsbächen. Steinerne Gehöfte schmiegen sich an die Hänge, manche bewohnt, manche verlassen. Die Region lebte einst von der Viehzucht und der Seidenweberei. Heute durchziehen Wanderwege die einsamen Wälder, führen zu Bergseen und alten Kapellen. Eine Auvergne ohne Vulkane, dafür mit endloser Weite und stiller Schönheit.

Frankreich neu entdecken in Nouvelle-Aquitaine

Die Chalosse

Zwischen den Landes und dem Béarn im Südwesten Frankreichs erstreckt sich die Chalosse. Saftige Wiesen ziehen sich über die sanft gewellten Hügel, Maisfelder leuchten golden im Sommer. Hier wird der berühmte bœuf de Chalosse gezüchtet, ein Rindfleisch von außergewöhnlicher Qualität, das in ganz Frankreich geschätzt wird.

Die Dörfer mit ihren ockerfarbenen Steinhäusern und roten Ziegeldächern schmiegen sich in die Täler. Entenbauernhöfe produzieren foie gras und confit, die Grundlagen der gaskonischen Küche. Wein wächst an den sonnigen Hängen, in den Gärten reifen Pfirsiche und Kiwis. Die Chalosse ist ein Land der Genüsse, der Traditionen und der Landwirtschaft – ein authentisches Stück Aquitaine fernab der Küste, ursprünglich und erdverwurzelt.  

Das Périgord Blanc

Die Kathedrale spiegelt sich in den Fluten der Isle. Foto: Hilke Maunder

Die Kathedrale spiegelt sich in den Fluten der Isle in Périgueux. Foto: Hilke Maunder

Zwischen dem grünen Périgord im Norden und dem schwarzen Périgord im Süden erstreckt sich rund um Périgueux das Périgord Blanc, benannt nach den hellen Kalksteinfelsen, die aus den Hügeln ragen. Sanfte Täler durchziehen die Landschaft, die Isle und ihre Nebenflüsse schlängeln sich durch Wiesen und Wälder. Weiße Gehöfte mit Walmdächern ducken sich zwischen Nussbäumen und Weinreben.

Hier ist das Périgord beschaulich und bäuerlich, fernab der Touristenströme von Sarlat und den Höhlen von Lascaux. Die Dörfer sind klein, die Märkte authentisch. In den Mühlen entlang der Isle wird noch Walnussöl gepresst, dessen nussiger Duft die Luft erfüllt. Im Herbst leuchten die Nussbaumhaine golden, im Frühling blühen die Obstgärten weiß und rosa.

Frankreich neu entdecken in Occitanie

Die Margeride

Diagonale du Vide. Die Rinder der Margeride (Lozère). Foto: Hilke Maunder

Die Rinder der Margeride. Foto: Hilke Maunder

Im Herzen des Zentralmassivs erstreckt sich die Margeride, weit über die drei Départements Cantal, Haute-Loire und Lozère und die beiden Regionen Auvergne-Rhône-Alpes und Okzitanien. Dichte Wälder bedecken die 1000 bis 1500 Meter hohen Granitberge.

Rotbraune Rinder weiden auf Almen. Andere Hochflächen sind von Heide übersät, mit wuchtigen Granitfelsen. Rau ist die Landschaft, einsam und wild. Hier verbreitete die Bestie von Gévaudan vor mehr als 250 Jahren Angst und Schrecken. 240 Menschen griff die Bête du Gévaudan an, um die 100 starben in ihren Fängen. Größer als ein Wolf und schwer wie eine Kuh sei das Monster gewesen!

La Pointe Courte (Sète)

An der Pointe Courte von Sète. Foto: Hilke Maunder

An der Pointe Courte von Sète. Foto: Hilke Maunder

Am Rande von Sète, der Hafenstadt am Étang de Thau, versteckt sich La Pointe Courte, ein Fischerdorf wie aus der Zeit gefallen. Bunte Holzboote dümpeln in den schmalen Kanälen zwischen den einfachen Häusern. Netze trocknen in der Sonne, der Geruch von Fisch und Salzwasser liegt in der Luft. Die Fischer leben hier seit Generationen, arbeiten im Lagunensee und ziehen Austern und Muscheln aus dem brackigen Wasser.

Einfach und beliebt: Chez Néné an der Pointe Courtevon Sète. Foto: Hilke Maunder

Einfach und beliebt: Chez Néné an der Pointe Courtevon Sète. Foto: Hilke Maunder

Die Gassen sind eng, die Häuser schlicht: Putz blättert von den Fassaden, Fensterläden hängen schief in den Angeln, und allabendlich wird der Apéro an einfachen Tischen mit Freunden und Familie auf der Straße zelebriert. Doch genau diese Authentizität machte La Pointe Courte unsterblich.

An der Pointe Courte erinnert diese Gasse samt Wandbild an die berühmte Filmemacherin aus Sète. Foto: Hilke Maunder

An der Pointe Courte erinnert diese Gasse samt Wandbild an die berühmte Filmemacherin aus Sète. Foto: Hilke Maunder

1955 drehte die junge Agnès Varda hier ihren ersten Film, La Pointe Courte – ein Meisterwerk der Nouvelle Vague, bevor es die Nouvelle Vague gab. Sie fing das Leben der Fischer ein, ihre Mühen, ihre Träume, ihre stille Würde. Doch das Ende dieses quartier populaire scheint nah: Gentrifizierung und steigende Immobilienpreise bedrohen auch La Pointe Courte.

Le Fenouillèdes

Frankreich neu entdecken. Die Badegumpen der Gorges de Galamus. Foto: Hilke Maunder

Die Badegumpen der Gorges de Galamus. Foto: Hilke Maunder

Zwischen der Badeküste des Roussillon und den Pyrenäen versteckt sich im Tal des Agly-Flusses ein Fleckchen Erde, das selbst viele Franzosen kaum kennen: Le Fenouillèdes. Wilder Fenchel gab ihm seinen Namen, und seine jungen Triebe werden bis heute hier im Frühjahr gesammelt.

Bis zum Pyrenäenfrieden von 1659 war das Hochtal die Grenze zwischen den Königreichen von Frankreich und Aragon, und bis heute ist der Landstrich ein Puffer zwischen dem spanischen Katalonien und dem französischen Okzitanien. Die geschichtsträchtige Region bildet seit 2023 den regionalen Naturpark Corbières-Fenouillèdes – ein exzellentes Wanderland!

Im Fenouillèdes bei Maury. Foto: Hilke Maunder

Frankreich neu entdecken – warum nicht einmal im Fenouillèdes bei Maury? Foto: Hilke Maunder

Die Pyrénées Ariégeoises

Ein Hochgebirge wie aus dem Bilderbuch. Gluckernde Bäche, grasende Schafe, farnbedeckte Auen und Heide, so weit das Auge reicht. Der Naturpark Pyrénées Ariégeoises im Herzen der Pyrenäen wurde im Jahr 2009 gegründet und umfasst 250.000 Hektar mit Hochtälern und Berggipfeln an der Grenze von der Ariège und Andorra. Sie erreichen bis zu 3000 Meter Höhe, wie der Mont Valier und der Montcalm.

Vom Col de Paihères blickt ihr am frühen Abend auf solch ein Pyrenäen-Panorama! Foto: Hilke Maunder

Vom Col de Paihères blickt ihr am frühen Abend auf solch ein Pyrenäen-Panorama! Foto: Hilke Maunder

Einst eine arme, bäuerliche Gegend, eint heute ihre 141 Dörfer die gemeinsame Vision Une autre vie s’invente ici: eine neue Art zu leben, erfindet sich dort. Nachhaltig, sozial, lokal. Das Alte bewahren, Neues wagen: Nirgends zeigt es sich so gut wie auf der Burg von Foix, die perfekt restauriert wurde.

Die Vallée de la Têt

Die Orgeln von Ille sur Tet. Foto: Hilke Maunder

Die Orgeln von Ille-sur-Tet. Foto: Hilke Maunder

Zwischen den letzten Ausläufern der Pyrenäen und dem Mittelmeer schneidet sich die Têt durch eine bizarre Landschaft. Das Flusstal im katalanischen Roussillon ist geprägt von ockerfarbenen Felsen, kargen Hügeln und terrassierten Weinbergen. Die orgues d’Ille-sur-Têt, bizarre Felssäulen aus Lehm und Sand, ragen wie Orgelpfeifen in den Himmel – geformt von Wind und Regen über Jahrtausende.

Mit dem Einzug der Reiter und Reiterinnen beginnt in Millas die Feria. Foto: Hilke Maunder

Mit dem Einzug der Reiterinnen und Reiter beginnt in Millas die Feria. Foto: Hilke Maunder

Die Dörfer schmiegen sich an die Hänge: alte Steinhäuser mit Schieferdächern, enge Gassen, romanische Kirchen. In den Tälern blühen im Frühling die Pfirsich- und Aprikosenbäume, im Sommer duftet es nach Lavendel und wildem Thymian. Die vignerons keltern hier kraftvolle Rotweine, die bei der Feria in Strömen fließen. Ein katalanisches Tal, sonnenverwöhnt und stolz auf seine Traditionen.

Am Oberlauf der Têt bei Pla de Barrès. Foto: Hilke Maunder

Am Oberlauf der Têt bei Pla de Barrès. Foto: Hilke Maunder

Frankreich neu entdecken in Provence-Alpes-Côte-d‘Azur

Frankreich neu entdecken: Das gelingt auch in Regionen, die touristische Hochburgen sind. Im Hinterland der Côte d’Azur verstecken sich so viele tolle Ziele, dass sie ein ganzes Buch füllen könnten. Voilà 100 Prozent subjektiv meine Favoriten.

Die Baronnies Provençales

Im Norden der Provence, wo die Voralpen sanft in die Hügel des Midi übergehen, verstecken sich im Süden des Département die Baronnies Provençales. Eine wilde, zerklüftete Landschaft aus Kalksteinfelsen, tiefen Schluchten und duftenden Hochebenen. Lavendel und Thymian würzen die Luft, Olivenbäume klammern sich an die steinigen Hänge.

MARCO POLO Languedoc-Roussillon Cevennen. Im Mai blüht der wilde Thymian. Foto: Hilke Maunder

Im Mai blüht der wilde Thymian. Foto: Hilke Maunder

Die Dörfer thronen auf Felsspornen: enge Gassen, verfallene Festungen, romanische Kirchen. Seit 2015 ist die Region ein regionaler Naturpark, durchzogen von Wanderwegen und Bergstraßen. Hier werden Kräuter gesammelt, Honig geerntet, tilleul-Tee aus Lindenblüten getrocknet. Im Winter sind die Gipfel schneebedeckt, im Sommer glüht der Fels in der Hitze. Eine Provence ohne Lavendelfeld-Romantik, dafür herb, authentisch und einsam.

Das Pays de Forcalquier

Im Norden der Haute-Provence, wo die Voralpen in die Hochebenen übergehen, liegt das Pays de Forcalquier, ein Land der Klöster, Lavendelfelder und duftenden Kräuter. Sanfte Hügel wechseln sich ab mit weiten Plateaus, übersät mit Thymian, Rosmarin und wildem Lavendel. Die Luft ist erfüllt vom Summen der Bienen und dem Duft der herbes de Provence.

Im Zentrum thront Forcalquier, eine mittelalterliche Stadt mit enger Altstadt und einer Zitadelle auf dem Hügel. Ringsum liegen verstreute Dörfer und Gehöfte, romanische Kapellen und das berühmte Kloster von Ganagobie mit seinen mittelalterlichen Mosaiken. Jeden Montag lockt der Markt von Forcalquier mit regionalen Produkten: Ziegenkäse, Honig, Olivenöl. Eine Provence abseits der Côte d’Azur voller provenzalischer Lebensart.

La Crau

Die Crau-Ebene steht heute unter Naturschutz. Foto: Hilke Maunder

Die Crau-Ebene steht heute unter Naturschutz. Foto: Hilke Maunder

Ungeheuer faszinierend finde ich die Crau. Südöstlich von Arles erstreckt sich diese Steppenlandschaft fast ein wenig wie ein Fremdkörper in der sonst so grünen Provence. Endlose Geröllfelder, übersät mit faustgroßen Kieselsteinen, die von einem urzeitlichen Flussdelta der Durance stammen, bedecken die weite Ebene. Karge Gräser und Disteln wachsen zwischen den Steinen, nur hier und da unterbricht ein verkrüppelter Mandelbaum die Weite.

Diese steinige Wüste, heute in Teilen als Naturpark geschützt, ist die Heimat von Trappen, Brachvögeln und Blauracken, die hier in der Einsamkeit brüten. Seit Jahrhunderten ziehen im Winter hier Schafherden über die Steppe, im Sommer flüchten die Tiere vor der Hitze bei der Transhumanz auf die Almen der Alpen.

Ihre Wolle liefert das Material für die Bildteppiche von Aubusson. Im Frühjahr verwandeln Wildblumen die Crau für kurze Zeit in einen bunten Teppich, bevor die Sommerhitze alles verdorren lässt. Am Rand der Steinwüste liegen die Coussouls, bewässerte Heuwiesen, auf denen das Foin de Crau wächst – das einzige Heu Frankreichs mit geschützter Herkunftsbezeichnung.

Frankreich neu entdecken auf Korsika

Der Niolu

Im Herzen der Île de la Beauté versteckt sich hinter den höchsten Gipfeln der Insel ein Hochtal von rauer Schönheit: der Niolu. Der Monte Cinto ragt über 2700 Meter in den Himmel, während tief unten der türkisfarbene Stausee von Calacuccia glitzert. Buchenwälder bedecken die Hänge, Bergweiden erstrecken sich auf den Hochebenen.

Hier, im Niolu, schlägt das Herz der korsischen Traditionen. Jeden September versammeln sich Hirten, Sänger und Handwerker zur Fiera di u Niolu, dem berühmtesten Volksfest der Insel. Polyphoner Gesang erklingt, Schafskäse wird feilgeboten, alte Bruderschaften ziehen in Prozessionen durch die Dörfer. Der Niolu ist Korsika in seiner ursprünglichsten Form: wild, stolz und ungebeugt.

Die Castagniccia

Östlich von Bastia beginnt das Kastanien-Reich der Castagniccia. Dichte Kastanienwälder bedecken die Berghänge, ein grünes Meer aus uralten Bäumen, die seit Jahrhunderten die Grundlage des Lebens bildeten. Aus Kastanienmehl wurde Brot gebacken, aus den Früchten Bier gebraut, das Holz diente als Bauholz.

Die Dörfer liegen versteckt in den Tälern und an den Hängen: graue Steinhäuser mit Schieferdächern, oft halb verfallen, manchmal liebevoll restauriert. Barocke Kirchen mit kunstvollen Fassaden zeugen vom einstigen Reichtum der Region. Schmale Straßen winden sich durch die Berge, führen zu verlassenen Kapellen und rauschenden Bächen. Die Castagniccia ist das vergessene Korsika, eine Zeitreise zu den Wurzeln des „Brotbaums“ der Mittelmeerinsel.

Frankreich neu entdecken in Übersee-Frankreich

Guadeloupe: Îles des Saintes

Îles des Saintes: die weite Bucht von Terre-de-Haut. Foto: Hilke Maunder

Die weite Bucht von Terre-de-Haut des Îles des Saintes. Foto: Hilke Maunder

Südlich von Guadeloupe liegen die Îles des Saintes, eine Gruppe winziger Inseln vulkanischen Ursprungs. Während Terre-de-Haut von Tagestouristen besucht wird, bleibt Terre-de-Bas nahezu unberührt. Steile grüne Hügel fallen ab zu türkisfarbenen Buchten, Fischer ziehen ihre Netze am Strand, Ziegen grasen auf den kargen Weiden.

Îles des Saintes: Auf den kargen Weiden grasen Ziegen. Foto: Hilke Maunder

Auf den kargen Weiden der Îles des Saintes grasen Ziegen. Foto: Hilke Maunder

Die Bewohner, Nachfahren bretonischer und normannischer Siedler, haben ihre eigene Identität bewahrt. Rotblonde Haare und helle Haut zeugen von der Herkunft, während kreolische Traditionen den Alltag prägen. Die salako, traditionelle Strohhüte, werden noch von den Frauen getragen. Palmengesäumte Strände sind menschenleer, nur das Rauschen der Wellen durchbricht die Stille. Ein karibisches Frankreich, das die Zeit vergessen hat.

Îes des Saintes: Street Art mit Salako - auf einem Stromkasten der Terre-de-Haut. Foto: Hilke Maunder

Street Art mit Salako – auf einem Stromkasten der Terre-de-Haut. Foto: Hilke Maunder

Île de la Réunion: die Ostküste

Die Badestrände der Westküste und die Welterbe-Cirques im Inselinneren der französischen Tropeninsel im Indischen Ozean sind Touristenmagnete. Die Ostküste der Vanille-Insel ist jedoch noch ein echter Geheimtipp für La France méconnue. Zwischen Sainte-Rose und Sainte-Anne reichen riesige schwarze Lavafelder bis ans Meer, durchbrochen von üppigem Grün. Hier fließt die erkaltete Lava des Piton de la Fournaise direkt in den Ozean.

Die Dörfer sind klein und authentisch, kreolische Häuser mit bunten Veranden säumen die Küstenstraße. Vanilleplantagen verstecken sich in den Tälern, die kostbaren Orchideen ranken an Bäumen und Stützen. In Sainte-Rose trotzt die Kirche Notre-Dame-des-Laves einem Lavastrom, der 1977 um das Gotteshaus herumfloss – ein Wunder, sagen die Gläubigen.

Guyane: Die Vallée du Maroni

Tief im Dschungel Französisch-Guayanas schlängelt sich der Maroni, der Grenzfluss zu Suriname. Hier, fernab der Raumfahrtbasis Kourou, erstreckt sich eine Welt aus undurchdringlichem Regenwald, indigenen Dörfern und kreolischen Siedlungen. Pirogen, schmale Holzkanus, sind das einzige Transportmittel auf dem breiten Fluss.

An den Ufern leben die Bushinengué, Nachfahren entflohener Sklaven, die ihre afrikanischen Traditionen bewahrt haben. Bananenstauden und Maniokfelder umgeben ihre einfachen Holzhäuser. Am Oberlauf des Maroni leben indigene Völker wie die Wayana in kleinen Flussdörfern am Regenwald. Brüllaffen schreien in den Baumkronen, Aras flattern über den Fluss. Ein tropisches Frankreich am Äquator, ursprünglich und geheimnisvoll.

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