Das neue EU-Mercosur-Abkommen verspricht wirtschaftliche Impulse, löst bei Kärntens Bäurinnen und Bauern jedoch Empörung und Zukunftsängste aus.

KÄRNTEN. Seit den 1990er-Jahren verhandelt die Europäische Union mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay über eine engere Partnerschaft. Anfang Jänner 2026 hat der EU-Rat dem Abkommen mehrheitlich zugestimmt, die Unterzeichnung ist für den 17. Jänner in Paraguay angekündigt. Damit rückt eines der größten Freihandelsprojekte der Welt in greifbare Nähe.

Wirtschaftliche Erwartungen der EU

Die EU sieht im Abkommen große Chancen. Eine Freihandelszone mit über 700 Millionen Menschen soll neue Exportmärkte öffnen, Arbeitsplätze schaffen und Europas Unternehmen wettbewerbsfähiger machen. Besonders Industrie, Dienstleistungen sowie der Agrar- und Lebensmittelbereich sollen profitieren. Auch der Schutz europäischer Herkunftsbezeichnungen ist Teil des Pakets.

Zwei Abkommen, ein Ziel

Kern des Projekts sind ein Interims-Handelsabkommen, das rasch angewendet werden kann, sowie ein umfassendes Partnerschaftsabkommen, das zusätzlich politische und gesellschaftliche Kooperation regelt. Während der Handelsteil nur auf EU-Ebene beschlossen wird, müssen die nationalen Parlamente dem Gesamtpaket noch zustimmen.

Erleichterungen im Handel

Zölle auf viele europäische Produkte sollen deutlich sinken, ebenso bürokratische Hürden. Öffentliche Ausschreibungen in Südamerika werden für europäische Firmen zugänglich, Rohstoffe leichter verfügbar. Für die EU ist das Abkommen damit ein strategischer Schritt in einem zunehmend unsicheren globalen Umfeld.

Kärntner Landwirtschaft in Sorge

In Kärnten wird das Abkommen jedoch mit großer Skepsis betrachtet. Die Landwirtschaftskammer sieht vor allem die kleinstrukturierten Betriebe massiv unter Druck. LK-Präsident Siegfried Huber spricht von einem Deal auf Kosten der bäuerlichen Familienbetriebe und warnt vor unfairer Konkurrenz durch Produktionsbedingungen, die in der EU längst verboten sind.

Deutliche Worte aus der Kammer

„Mit dem Abschluss dieses Handelsabkommens bekommt unsere kleinstrukturierte Landwirtschaft direkte Konkurrenz von einer Agrarindustrie, welche in der EU längst nicht mehr zugelassene Pflanzenschutzmittel und auch Wachstumshormone in der Rindermast einsetzt. Faire Wettbewerbsbedingungen werden durch den Abschluss des Mercosur-Deals mit Füßen getreten, denn von gleichwertigen Standards kann hier keine Rede sein“, kritisiert Huber. Er fordert ein Importverbot für Produkte, die nicht den heimischen Standards entsprechen, und warnt: „Ohne weitere, umfassende Schutzmaßnahmen für die heimische Landwirtschaft wird die Versorgungssicherheit in Europa kurzfristigen Interessen der Industrie geopfert.“