In dieser Woche endet eine Bewerbungsfrist, die für den Münchner Sport nicht ganz unwichtig ist. Sie ist zwar nicht so bedeutend wie jene Fristen, die es einzuhalten gilt, um den Zuschlag für die Ausrichtung von Olympischen Sommerspielen zu erhalten – dem über allem stehenden Ziel der Münchner Sportpolitik. Aber auch im kleineren Rahmen geht es um Geld, um erhoffte Zuschüsse für städtische Infrastruktur. In diesem speziellen Fall vor allem um die Erneuerung von Kunstrasenplätzen für Fußball.

Am Donnerstag war Bewerbungsschluss für die Teilhabe an dem von der Bundesregierung aufgelegten Programm „Sanierung kommunaler Sportstätten“. Dafür stellt der Bund zunächst 666 Millionen Euro zur Verfügung, mit dieser Summe will er sich an entsprechenden Projekten der Jahre 2025 und 2026 beteiligen. Maximal 45 Prozent der Sanierungskosten sollen übernommen werden, immerhin fast die Hälfte.

Die Zuschüsse kämen der klammen Landeshauptstadt gerade recht: Sie muss demnächst etliche Kunstrasenplätze auf städtischen Bezirkssportanlagen auf Vordermann bringen. Grund ist eine Vorgabe der Europäischen Union (EU), die zum Schutz der Umwelt die Verbreitung von Mikroplastik eindämmen will und ab Oktober 2031 die Verwendung von Kunststoffgranulat verbietet.

Bei diesem Granulat handelt es sich um körnige, kugelförmige Kunststoffpartikel. Sie wurden bislang als Füllstoff für Kunstrasenplätze eingesetzt, auf denen in aller Regel Fußball gespielt wird; auch Hockey-Felder werden damit bestückt. Der Vorteil von Kunstrasen im Vergleich zum Naturrasen: Er ist strapazierfähiger, kann häufiger und wetterunabhängig bespielt werden. Das Granulat-Verbot und die dadurch nötige Erneuerung der Plätze betrifft eine Menge Vereine, Mannschaften und Spieler – den Großteil der organisiert Sporttreibenden in München.

Im vorigen Herbst hat der Stadtrat beschlossen, das Granulat auf den kommunalen Kunstrasenplätzen zu ersetzen. „Die neuen Systeme setzen auf umweltfreundliche, zertifizierte Materialien wie Quarzsand oder Kork und Recyclingfähigkeit“, teilt das Referat für Bildung und Sport (RBS) mit. Betroffen sind 35 Plätze auf 22 städtischen Anlagen, bei denen der Untergrund in den nächsten Jahren schrittweise ausgetauscht werden muss.

Die Stadt will die Zuschüsse vom Bund für weitere Vereine anzapfen

Für den ersten Schritt in diesem Jahr hatte der Stadtrat knapp 4,5 Millionen Euro bewilligt; wenn sich der Bund wie erhofft mit 45 Prozent an dem Vorhaben beteiligt, würde das städtische Budget für 2026 um 2,013 Millionen Euro entlastet. Die eingesparte Summe könnte dann für die weiteren Schritte verwendet werden. Die ab 2027 vorgesehenen Maßnahmen stehen bislang unter dem Vorbehalt der städtischen Haushaltslage.

Die geplante Reihenfolge der Sanierungsmaßnahmen richtet sich nach der verbleibenden Lebenserwartung der Plätze. Im Durchschnitt beträgt die technische Nutzungsdauer eines Kunstrasenplatzes 14 Jahre. Das RBS hat im ersten Sanierungspaket fünf stark beanspruchte und deshalb abgenutzte Plätze an drei Standorten zusammengeschnürt, die in ein bis drei Jahren ohnehin am Ende ihrer Betriebslaufbahn angelangt sind. Dabei geht es um die Anlagen an der Bert-Brecht-Allee, in der Dietrichstraße sowie in der Lerchenauer Straße, wo die Vereine SV Neuperlach, SC Amicitia und SpVgg Feldmoching beheimatet sind.

Bei den Vorplanungen wollen Sport- und Baureferat auch prüfen, „ob bestehende Plätze weiterhin nutzbar sind, um den Trainings- und Spielbetrieb der vorhandenen Mannschaften möglichst wenig zu beeinträchtigen“. Erst, wenn der aktuelle Zustand der Anlagen festgestellt sei, seien „konkrete Aussagen zum Zeitplan und zum weiteren Vorgehen möglich“, teilt das RBS mit.

Die Stadt bewirbt sich aber nicht nur mit ihren Kunstrasenplätzen um Zuschüsse aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“. Wie der Sportausschuss des Stadtrats am Mittwoch beschloss, soll das RBS weitere Anträge einreichen, um zwei marode Bezirkssportanlagen instand zu setzen. In der Westpreußenstraße müssten Naturrasenplätze und eine 400-Meter-Laufbahn erneuert werden, um einen weiteren Sportbetrieb für die ansässigen Vereine zu gewährleisten.

Streit um Münchner Verkehrsachse

:Die Donnersbergerbrücke muss neu gebaut werden – doch wie soll sie aussehen?

Über das Bauwerk führt eine der meistbefahrenen Strecken Europas. Die Stadt will bei der Neuplanung aber nicht nur den Autoverkehr berücksichtigen, sondern auch andere Verbesserungen prüfen, zum Beispiel Grünzonen. Das stößt auf scharfe Kritik.

Für die Maßnahmen hat die Stadt Kosten von 10,8 Millionen Euro errechnet, knapp sechs Millionen könnte sie durch Umschichtungen selbst aufbringen. Für die Umsetzung bräuchte sie den Bundeszuschuss, in diesem Fall rund 4,9 Millionen Euro. Auch die mit zehn Millionen Euro veranschlagte Sanierung der städtischen Sportanlage in der Aubinger Straße steht auf der Antragsliste.

Zudem soll die Stadt stellvertretend für drei Vereine Projektmittel für deren Anlagen beantragen. „Das ist möglich, wenn die Sportplätze auch der Allgemeinheit offen stehen – so wie beim MTV München und beim DJK Fasangarten“, erklärte Kathrin Abele, die sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Stadtrat. Nicht zuletzt erhoffen sich Münchens Sportpolitiker einen Fortschritt, was die seit 2010 leer stehende Hockey- und Tennishalle des Münchner Sportclubs (MSC) in der Eberwurzstraße angeht.

Durch das Angebot des Bundes bestehe die Möglichkeit, die Planungen für Abriss und Neubau wieder aufzugreifen, warb die CSU-Stadtratsfraktion schon vor Weihnachten: „Diese Chance sollte ergriffen werden.“ SPD-Fachfrau Abele ließ am Mittwoch schon mal optimistisch wissen: „Ich freue mich sehr, wenn es für den MSC und seine einsturzgefährdete Halle ein Happy End gibt.“ Für die Finanzierung der Bauprojekte der drei Vereine sind insgesamt mehr als 18 Millionen Euro nötig.