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Trumps Grönland-Ansprüche alarmieren Europa. Deutschland und Frankreich entsenden Soldaten. Die US-Reaktion könnte für die NATO erhebliche Folgen haben. Eine Analyse.

Jede Aktion ruft eine Reaktion hervor. Das gilt als Gesetz in der Physik ebenso wie im zwischenmenschlichen Miteinander – und in der ganz großen Politik. Donald Trump sorgt aktuell für Reaktionen, die man historisch nennen kann. Der US-Präsident hatte jüngst erneut seinen Anspruch auf Grönland betont, die USA wollen die arktische Insel, die zu Dänemark gehört, unbedingt in Besitz nehmen. Notfalls auch mit Gewalt – zumindest hat Trump das nicht ausgeschlossen.

Die Montage zeigt Trump, Grönland und einen BundeswehrsoldatenDonald Trump bekräftigt seinen Anspruch auf Grönland. Jetzt haben mehrere Länder, darunter Deutschland, Soldaten zu einer Erkundungsmission entsandt. © Alex Brandon, Evgeniy Maloletka, Armin Weigel/dpa (Fotomontage)

Jetzt reagiert Europa. Deutschland entsendet 13 Soldaten nach Grönland – sie sollen ab Donnerstag vor Ort „Rahmenbedingungen für mögliche militärische Beiträge zur Unterstützung Dänemarks bei der Gewährleistung der Sicherheit in der Region“ erkunden. So die Formulierung der Bundeswehr. Auch französische Soldaten, sowie Einsatzkräfte unter anderem aus Norwegen und Schweden sind auf Grönland eingetroffen, um Dänemark bei der kurzfristig anberaumten Mission „Arctic Endurance“ (zu dt.: Arktisches Durchhaltevermögen) zur Seite zu stehen. Eine Entsendung europäischer Soldaten angesichts einer amerikanischen Bedrohung sei „beispiellos“, sagte der französische Botschafter für den Nord- und Südpol, Olivier Poivre d‘Arvor.

Trump will Grönland – Europa schickt Soldaten: ein Drohszenario?

Ist das eine klare Drohung gegen Trump? „Muss man es zumindest als Signal an Trump verstehen“, sagt Tobias Etzold. Der Politologe ist ausgewiesener Nordeuropa- und Arktiskenner und forscht seit Jahren unter anderem zu internationaler Verteidigungspolitik. „Welchen Zweck die Mission hat, lässt sich noch nicht ganz absehen“, erklärt Etzold im Gespräch mit dem Münchner Merkur von Ippen.Media.  

Im ersten Schritt werde es wohl darum gehen, Trump zu zeigen, dass Europa mehr Verantwortung in der NATO übernehme. „Damit will man wohl einen dauerhaften Vorwurf Trumps entkräften“, so der Experte. Tatsächlich stärken vor allem die Dänen ihr Engagement in Grönland deutlich. Dänemark will zwölf Milliarden Euro in die Sicherheit vor Ort investieren und etwa Aufklärungsflugzeuge kaufen. „Die Mission soll klären: Wie muss eine größere Militärpräsenz auf Grönland konkret aussehen? Was muss vorbereitet werden?“, erklärt Etzold.

Trump greift nach Grönland: Der Streit um die Arktisinsel in BildernVance in GrönlandFotostrecke ansehen

Aber: „Dieser Schritt ist heikel für die Europäer. Denn Trump könnte das in den falschen Hals bekommen, die Mission könnte auch als Provokation gedeutet werden.“ Falls Trump dann tatsächlich militärische Maßnahmen ergreift, wäre die NATO am Ende. Derweil schwankt die Rhetorik in Europa zwischen vorsichtiger Diplomatie und Selbstbewusstsein. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) etwa sagte, man müsse Trump klarmachen, dass es Folgen für die USA auch in Deutschland hätte, sollte er ernsthaft die territoriale Integrität Dänemarks und Grönlands angreifen.

Trump begründet seinen Vorstoß vor allem damit, dass Grönland strategisch wichtig für die Sicherheit auch der USA sei – und nur die Vereinigten Staaten in der Lage seien, diese Sicherheit aufrechtzuerhalten. Experten gehen allerdings davon aus, dass es den USA auch um die Kontrolle über wichtige Rohstoffe wie Gold, Öl und Seltene Erden geht, die es in großen Mengen auf Grönland gibt. Seit Jahren schon wächst das Interesse vieler Länder an der Arktis, auch China und Russland sind in der Polarregion aktiv.

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„Russland hat bereits 2010 angefangen, seine Militärbasen an der russischen Arktisküste wieder auszubauen und wiederzubeleben“, sagt Tobias Etzold. Aufgrund des Klimawandels werden Eisflächen dünner – das gilt auch für Grönland. Dort könnten in den nächsten Jahren neue eisfreie Schifffahrtsrouten entstehen. „Manche erhoffen sich zudem, wegen des Eisrückgangs leichter an Rohstoffe zu gelangen“, erklärt Etzold. Aber: „Weniger Eis heißt nicht automatisch, dass es einfacher wird, dort zu agieren.“ Teilweise sei sogar das Gegenteil der Fall, weil die Wetterverhältnisse immer unberechenbarer würden. 

Grönlands Rohstoffe: „Trump scheint Realitäten nicht zu sehen“

„Wegen der nach wie vor schwierigen Umstände kann ein Land allein es gar nicht schaffen, an die Rohstoffe zu kommen. Das muss ein internationales Projekt sein“, so Etzold. „Aber Trump scheint diese Realitäten nicht zu sehen. US-Unternehmen hätten längst die Möglichkeit, sich auf der Insel zu engagieren. Das Interesse ist aber nicht groß.“ (Quellen: Expertengespräch, eigene Recherchen, dpa)