Eine aktuelle geologische Studie zur sogenannten Feldbiss-Störung zeigt, dass es im Grenzbereich zwischen Aachen und Stolberg in der Vergangenheit mehrfach zu starken Erdbeben gekommen ist. Wie das Fachportal Erdbebennews unter Berufung auf die neue Veröffentlichung berichtet, lassen sich seit der letzten Eiszeit mindestens vier große Erdbebenereignisse entlang dieses Störungsabschnitts nachweisen.

Die Feldbiss-Störung – also ein Riss in der Erdkruste – verläuft direkt entlang der Stadtgrenze zwischen Aachen und Stolberg und gehört zu den bedeutenden geologischen Bruchzonen der Niederrheinischen Bucht, die im Süden von der Eifel und im Osten vom Bergischen Land eingefasst wird.

Ein Erdbeben an dieser Stelle, also an der Feldbiss-Störung, würde dicht besiedeltes Gebiet betreffen. Zwar ist die grundsätzliche Erdbebengefährdung der Region seit Langem bekannt, konkrete geologische Belege für Häufigkeit und Stärke früherer Erdbeben fehlten jedoch bislang – insbesondere für Zeiträume vor dem Beginn verlässlicher schriftlicher Überlieferungen, wie das Fachportal erläutert.

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Die neue Studie schließt nun genau diese Lücke. Forschende der RWTH Aachen untersuchten den Boden mithilfe hochauflösender Geländemodelle, geophysikalischer Messungen, Bohrungen und zweier Grabungen an der Sebastianusstraße im Stolberger Stadtteil Atsch. Dabei wurden verschobene Bodenschichten freigelegt, die direkte Spuren früherer Erdbeben enthalten.

„Solche sogenannten paläoseismologischen Grabungen erlauben es, frühere Erdbeben selbst dann zu erkennen, wenn sie zehntausende Jahre zurückliegen – ganz unabhängig davon, ob Menschen sie damals dokumentiert haben“, sagt Erdbebenauswerter Jens Skapski und zugleich Betreiber von Erdbebennews.

Die Wissenschaftler identifizierten in ihrer Studie vier einzelne Erdbeben, bei denen sich die Störung bis an die Erdoberfläche fortsetzte. So kommt die Studie zu dem Schluss, dass es ein sehr frühes Erdbeben vor ungefähr 35.000 Jahren, zwei weitere starke Erdbeben vor rund 26.800 bis 24.900 Jahren sowie ein Ereignis ungefähr in der Zeit zwischen 1728 und 1785 gegeben haben muss.

Aus den gemessenen Verschiebungen der Bodenschichten – teilweise zwischen etwa elf und 70 Zentimetern – lassen sich nach Angaben von Erdbebennews Magnituden im Bereich von etwa 5,9 bis 6,6 ableiten. Das entspreche der Größenordnung der stärksten historisch bekannten Erdbeben am Niederrhein, darunter auch das Dürener Erdbeben von 1755/56.

Neu an der Studie sei jedoch weniger die Stärke der Erdbeben, sondern der eindeutige Nachweis, dass solche Ereignisse genau an diesem südlichen Abschnitt der Feldbiss-Störung aufgetreten sind – unmittelbar im heutigen Stadtgebiet, wie Erdbebennews betont. Dass die Störung im Gelände trotz seltener Aktivität gut erkennbar ist, führen die Forschenden auf günstige Erhaltungsbedingungen zurück: geringe Erosion seit der Erdzeitepoche Pleistozän und schützende Lössablagerungen aus den Eiszeiten.

Eine akute Warnung für die Region leiten die Forscher aus den Ergebnissen nicht ab. Dennoch liefern die neuen Daten laut Erdbebennews eine wichtige Grundlage für die Bewertung der Erdbebengefährdung in der Niederrheinischen Bucht. Besonders relevant sei das, weil die Feldbiss-Störung in unmittelbarer Nähe zentraler Verkehrsinfrastrukturen wie der Bahnstrecke Brüssel-Aachen-Köln und der Autobahn A4 verläuft. Aussagen darüber, wann ein nächstes starkes Erdbeben auftreten könnte, sind auf Basis der Studie jedoch nicht möglich, sagt Skapski.

Aufzeichnungen des Geologischen Diensts NRW zeigen, dass es in diesem Jahr in Stolberg bereits ein Erdbeben mit der Stärke 1,7 gegeben hat – am 1. Januar. Außerdem hat es am 13. Januar zwei Erdbeben im Eschweiler Stadtteil Weisweiler gegeben – mit einer Stärke von 0,7 und 0,3.

Im vergangenen Jahr hat es in Stolberg mehrere Erdbeben gegeben, wie die Daten zeigen. So hat es in Eschweiler ein Beben mit der Stärke 0,6 am 29. August 2025 gegeben. Ein weiteres Beben hat sich auch am 18. März in Eschweiler (0,4) ereignet. Zwei aufeinanderfolgende Erdbeben hat es am 27. Januar 2025 (0,8) und am 28. Januar 2025 (0,5) in Zweifall gegeben.

2024 haben sich in Eschweiler drei aufgezeichnete Erdbeben ereignet und in Stolberg zwei Beben.