Ende des Jahres sollte es losgehen mit den Bauarbeiten für das Bahnprojekt Wallauer Spange. Das Ziel: Wiesbaden und den Frankfurter Flughafen schneller miteinander zu verbinden. Doch jetzt fehlt dem Bund wohl vorerst das Geld. Wiesbaden reagiert wütend.

Über eine Brücke über der Autobahn sollte die künftige Verbindung führen.

Unter dem Namen „Hessen-Express“ sollten die Bahnen unter anderem von Wiesbaden nach Frankfurt fahren.
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Die vier Kilometer lange Wallauer Spange soll unter anderem Wiesbaden mit dem Frankfurter Flughafen schneller verbinden. Laut Bahn wird sich die Fahrzeit auf dieser Strecke dadurch von 33 auf 16 Minuten verkürzen. Die Planungen des Projektes sind seit Jahren abgeschlossen. Die Bauarbeiten sollten voraussichtlich in diesem Jahr starten. Doch nun gibt es Finanzierungsprobleme, wie das ARD-Hauptstadtstudio erfahren hat.

Der Bahnexperte der Grünen-Fraktion im Bundestag, Matthias Gastel, hat eine Kleine Anfrage beim Bundesverkehrsministerium gestellt. Er wollte wissen, ob es Bahnprojekte mit abgeschlossener Planung gibt, deren Bau wegen fehlender Gelder nicht beginnt.

Kippt der Hessen-Express?

Bei fünf Projekten sei das der Fall, antwortete Ulrich Lange (CSU), Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. Demnach fehlen bis 2029 zwei Milliarden Euro, um alle geplanten Vorhaben umzusetzen.

Eine der fünf betroffenen Bahnprojekte ist die Wallauer Spange. Unter dem Namen „Hessen-Express“ sollte es eigentlich zwei neue Linien geben: eine vom Wiesbadener Hauptbahnhof über den Frankfurter Flughafen zum Frankfurter Hauptbahnhof. Die zweite Verbindung vom Wiesbadener Hauptbahnhof über den Frankfurter Flughafen zum Darmstädter Hauptbahnhof.

Ein zusätzlicher geplanter Bahnhaltepunkt zwischen Delkenheim und Hofheim-Wallau sollte den Wiesbadener Osten besser an das regionale Schienennetz anbinden.

Oberbürgermeister fordert Umsetzung des Bahnprojekts

Scharfe Kritik an den Finanzierungsproblemen kommt aus Wiesbaden. „Diese Entwicklung wäre für dieses für das Rhein-Main-Gebiet so wichtige Bahnprojekt ein Schlag ins Gesicht tausender Pendlerinnen und Pendler, die auf einen verlässlichen Bahnverkehr angewiesen sind“, sagte Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD).

Nach jahrelanger Planung und wiederholten öffentlichen Zusagen der Bundesregierung käme eine solche Ankündigung einem Vertrauensbruch gleich. Die Stadt fordere den Bund auf, die Finanzierung wie versprochen sicherzustellen und die Realisierung des Projektes ohne weitere Verzögerungen voranzutreiben.

Verkehrsdezernent: „Fatales Signal an den Wirtschaftsstandort“

„Der Bau einer dritten, leistungsstarken Zugverbindung zwischen Wiesbaden und Frankfurt ist seit langem dringend erforderlich – für die Menschen und die Unternehmen in der Region“, unterstrich der Wiesbadener Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne): „Es wäre nicht nachvollziehbar, würde der Bund ausgerechnet diesem Projekt die Finanzierung streichen.“

Dies würde ein fatales Signal an den Wirtschaftsstandort Rhein-Main senden und dessen Attraktivität gefährden. „Wir erwarten, dass sich der Bund klar zu diesem Projekt bekennt und seine Zusagen einhält“, so Kowol. 

Sanierung hat Vorrang vor Neubauprojekten

Die Deutsche Bahn sagte dazu, aufgrund des enormen Sanierungsbedarfs des Schienennetzes habe die Sanierung aktuell Vorrang vor den fünf Neubauprojekten. Man arbeite aber mit allen Beteiligten daran, auch den notwendigen Neu- und Ausbau weiter voranzutreiben. Ob die Gelder zu einem späteren Zeitpunkt bereitgestellt werden, ist bislang nicht klar.

„Das Bundesverkehrsministerium hat großes Interesse daran, dass auch der Aus- und Neubau der Schienen-Infrastruktur in Deutschland deutlich vorankommt und baureife Projekte in den Bau gehen können, um die Schieneninfrastruktur weiter zu verbessern“, teilte ein Sprecher mit. Das Ministerium prüfe derzeit, wie dies im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel umgesetzt werden kann.

Redaktion:
Michelle Goddemeier

Sendung:
hr INFO,

15.01.26, 17:30 Uhr

Quelle: ARD-Hauptstadtstudio, hessenschau.de