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Eine US-Firma investiert zwischen Kraftwerk Westfalen und Autobahn 2 in ein hochmodernes Rechenzentrum. Die gesamte Region soll von dem Mega-Projekt profitieren.

Hamm / Lippetal – Der US-Konzern Blackstone will mitten in Westfalen ein Rechenzentrum bauen und dafür 4 Milliarden Euro investieren. Durch die Nutzer des so genannten „Daten-Campus“ könnte die Investitionssumme auf bis zu 12 Milliarden Euro steigen. Die Anlage soll nahe der Autobahn 2 entstehen, auf dem Gebiet der Gemeinde Lippetal im Kreis Soest an der Stadtgrenze zu Hamm. Erste Teile könnten ab 2030 in Betrieb gehen.

Hier soll gerechnet werden: Der rote Bereich markiert das Industriegebiet Westfalen. Links daneben befinden sich die Autobahn 2 und der Campingplatz, in der Bildmitte des ehemalige Kraftwerk Westfalen. Hier soll gerechnet werden: Der rote Bereich markiert das Industriegebiet. Links daneben befinden sich A2 und Campingplatz, in der Bildmitte das RWE-Kraftwerk. © hans blossey

Vertreter des Investors, der Stadt Hamm und der Gemeinde Lippetal stellten das Vorhaben am Donnerstag vor. Geplant ist ein so genanntes Hyperscale-Rechenzentrum, das genügend Raum, Leistung und Kühlung für verschiedene Anwendungsbereiche bietet, darunter Cloud Computing, Künstliche Intelligenz (KI) und industrielle Prozesse. An vergleichbaren Investitionen gibt es in Nordrhein-Westfalen nur ein Microsoft-Rechenzentrum, das für 3,2 Milliarden Euro in Bedburg und Bergheim im Rhein-Erft-Kreis entsteht.

Hyperscale-Rechenzentrum für KI-Prozesse

Gebaut werden soll im Industriegebiet Westfalen, einem Gemeinschaftsprojekt der Stadt Hamm und der Gemeinde Lippetal. Das Gelände liegt nördlich der Lippe an der Autobahn 2 und Bundesstraße 475; die Autobahn-Anschlussstelle Hamm-Uentrop und der Campingplatz Uentrop befinden sich direkt nebenan. Das frühere RWE-Kraftwerk Westfalen liegt rund 1,5 Kilometer Luftlinie entfernt südlich der Lippe. Was das Mega-Projekt im Einzelnen für die gesamte Region bedeutet, lesen Sie im großen Frage- und Antwort-Komplex.

Britta Harper (OTS), Lippetals Bürgermeister Tobias Nillies (Mitte) und Hamms OB Marc Herter präsentierten das Vorhaben für das interkommunale Industriegebiet Westfalen.Britta Harper (OTS), Lippetals Bürgermeister Tobias Nillies (Mitte) und Hamms OB Marc Herter präsentierten das Vorhaben für das interkommunale Industriegebiet Westfalen. © Peter Dahm

Ausschlaggebend für den Standort Hamm/Lippetal war den Investoren zufolge die Energieversorgung: Bereits jetzt stehe hier genügend Strom zur Verfügung, sagte Blackstone-Managerin Britta Harper. Und in absehbarer Zeit könne man dort auch auf grünen Strom zurückgreifen: Auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände soll eine Höchstspannungsleitung des Netzbetreibers Amprion enden, über die grüner Strom von der Nordsee nach Westfalen geleitet wird.

Die Verhandlungen sind nach Informationen unserer Zeitung zwei Jahre lang geführt worden. Die Verträge wurden demnach im Dezember unterzeichnet – vorbehaltlich eines „Ja“ im Lippetaler Rat. Die Bezirksregierung hat ihre Zustimmung signalisiert.

Zwei Jahre für das Planungsverfahren

Um die Pläne umsetzen zu können, müssen die Gemeinde Lippetal und der Kreis Soest noch Voraussetzungen schaffen. Für die politischen Beschlüsse, die Änderung von Flächennutzungs- und Bebauungsplan und die Bearbeitung des Bauantrags rechnen die Beteiligten mit rund zwei Jahren Dauer. Die Anwohner wurden noch am Donnerstag informiert. Für den Bau eines ersten Abschnitts rechnet Harper ebenfalls mit gut zwei Jahren. Wenn alles glatt läuft, könnte das Rechenzentrum die Arbeit also 2030 aufnehmen.

Blackstone ist eine Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in New York, die rund 1 Billion Dollar Kapital verwaltet. Tätig werden soll in Lippetal die Tochtergesellschaft Quality Data Services (QTS). Die betreibt bisher Rechenzentren in den USA und den Niederlanden, ein weiteres in Großbritannien ist in Bau.

QTS-Rechenzentren sind eine Art Dienstleister für andere Firmen. Kunden können QTS-Server nutzen, aber auch ganze Bereiche anmieten und dort eigene Technik installieren. Die Mieter investieren Harper zufolge in der Regel das Zwei- bis Dreifache der QTS-Summe. Damit wäre man bei bis zu 12 Milliarden Euro.

Zu potenziellen Nutzern wollte Harper sich noch nicht äußern. Grundsätzliches Interesse gebe es, konkret werde es in der Branche aber erst zwei Jahre vor einer zu erwartenden Fertigstellung. Blackstone hat allerdings eine gewisse Nähe zu einigen wirtschaftlichen Schwergewichten.

Die Amerikaner sind an der Allianz und der Deutschen Telekom beteiligt. Bei Energie- und KI-Projekten arbeitet man mit Google zusammen. Nicht zu verwechseln ist Blackstone mit Blackrock, dem Finanzunternehmen, für das Bundeskanzler Friedrich Merz einst tätig war. Beide Unternehmen haben gemeinsame Wurzeln, sind heute aber getrennt.

Hoffnung auf weitere Ansiedlungen

In Hamm und Lippetal hat man die Hoffnung, dass der Blackstone-Investition weitere folgen werden. Interessant wäre ein Standort nah am Rechenzentrum nämlich für Firmen, die auf eine geringe Latenz angewiesen sind, also auf eine nur minimale Verzögerung zwischen Ereignis und Wirkung. Die Zahl der zu erwartenden Arbeitsplätze im Rechenzentrum selbst gibt Blackstone-Managerin Harper mit rund 100 an; mit der sechsfachen Zahl an neuen Jobs im Umfeld sei zu rechnen.

Die Pläne der US-Firma und ihre Folgen für Hamm und die Region: WA-Reporter Jörn Funke hat den gesamten Komplex in einem Kommentar betrachtet.