
Alles sah nach einem Heimsieg mit besonderer Geschichte für den FC Augsburg aus – doch dann bescherte sich Union Berlin in Unterzahl einen versöhnlichen Abschluss der Hinrunde in der Fußball-Bundesliga.
Marin Ljubicic sorgte in der zweiten Minute der Nachspielzeit für einen verdienten Punktgewinn der Berliner, die durch einen Kunstschuss von Alexis Claude-Maurice in der sechsten Minute der Nachspielzeit der ersten Halbzeit in Rückstand geraten waren. Kurios war zum Einen, dass der Ausgleich kurz nach einer Roten Karte für Derrick Köhn (89.) fiel, aber Augsburg auch erst durch einen Fan-Protest ins Spiel gekommen war.
Spielunterbrechung bringt Union aus dem Takt
Denn die FCA-Anhänger zeigten ganz offen, was sie davon hielten, dass ihre Mannschaft die Hinrunde erst am Donnerstag abschließen musste und die Englische Woche nicht wie sonst üblich am Dienstag und Mittwoch durchgezogen wurde. Die Fans schmissen nach etwa 30 Minuten Flummis auf den Rasen und zeigten ein Plakat mit der Aufschrift „Ihr zerstückelt unsere Spieltage? Wir zerstückeln eure Spielzeit“ – und damit halfen sie ihrer Mannschaft sogar enorm.
Die Augsburger Fans halten ein Protestbanner gegen die Spieltagszeiten hoch
Die daraus folgende Spielunterbrechung von über fünf Minuten brachte nämlich Union vollkommen aus dem Rhythmus. Die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart, der am Tag vor der Partie seinen Vertrag verlängert hatte, war zuvor klar spielbestimmend, doch vergab gute Chancen durch Andras Schäfer (19.), Woo-yeong Jeong (22.) und Oliver Burke (29.). Dann flogen die Bälle aus dem Augsburg-Block und die Berliner aus der Kurve.
Claude-Maurice trifft äußerst sehenswert
Es folgte eine längere Phase ohne Höhepunkte, dann aber die Jubelexplosion der zuvor protestierenden FCA-Anhänger. Claude-Maurice erzielte mit einem großartigen Schuss aus 28 Metern aus dem Stand sein erstes Saisontor und einen erlösenden Treffer für die Augsburger zum 1:0 (45.+6). Mit einem 0:4 bei Borussia Mönchengladbach war die Mannschaft von Trainer Manuel Baum ins neue Jahr gestartet und auf Platz 15 abgerutscht – solche Momente sind im Abstiegskampf Gold wert.
Augsburgs Alexis Claude-Maurice bejubelt seinen Treffer
Beinahe hätte Claude-Maurice so einen Moment nochmal gehabt, sein Freistoß in der 58. Minute ging aber nur an den Pfosten. Es fehlten also Zentimeter, um den ersten Sieg nach nur einem Punkt aus den vergangenen drei Partien deutlich wahrscheinlicher zu machen, doch die Chance wuchs ohnehin minütlich, weil Union weiterhin nicht zurück zur Stärke von vor dem Fan-Protest fand.
Ljubicic beschert Union einen Zähler
Ärgerlich war es dennoch, dass Anton Kade aus kurzer Distanz die bis dahin größte Möglichkeit zum 2:0 liegenließ (62.). Trotzdem sah alles nach einem Heimsieg aus, weil von Union nichts kam und dann auch noch Köhn nach einem Tritt ins Gesicht von Samuel Essende vom Platz flog (89.). Doch dann schlug Ljubicic kurz vor Schluss noch zu, behielt in einer unübersichtlichen Situation die Übersicht und traf aus kurzer Distanz (90.+2).
Union Berlins Derrick Köhn trifft den Augsburger Samuel Essende mit dem Fuß im Gesicht
So verschenkte Augsburg zwei Punkte und bleibt auf Rang 15 kleben. „Man kann sich da echt in den Allerwertesten beißen. Wir waren in dem Moment ein Mann mehr, haben einen Freistoß an der Mittellinie und schenken den ab. Wir haben da drei-, vier-, fünfmal keine gute Entscheidungen getroffen, das ist unfassbar ärgerlich“, sagte Baum im Sportschau-Interview. Am Sonntag will sein Team den Erfolg gegen den SC Freiburg (17.30 Uhr) nachholen, um sich Luft im Abstiegskampf zu verschaffen.
Derweil bleibt Union Neunter der Tabelle und konnte wie schon beim 2:2 nach 0:2-Rückstand gegen Mainz 05 den nächsten Charakter-Punkt in diesem Jahr holen. „Die Jungs haben es genauso gelöst wie in letzter Zeit. Das zeigt die Stärke des Kollektivs, mittlerweile glauben sie bis zur letzten Sekunde dran“, sagte Baumgart im Sportschau-Interview. Der nächste Gegner ist der formstarke VfB Stuttgart (2026 zwei Siege) am Sonntag um 15.30 Uhr.
