Interview
Standdatum: 15. Januar 2026.
Autorinnen und Autoren:
Lea Reinhard
Seit 100 Tagen ist Mark Rackles Bildungssenator. Bald will er ein Strategiepapier vorstellen. Im Gespräch mit buten un binnen umreißt er die Punkte, an denen er ansetzen wird.
Marode Schulen, überfüllte Klassen und letzter Platz im Ländervergleich: Bildungssenator Rackles hat vor knapp 100 Tagen kein leichtes Amt übernommen. Dementsprechend hoch waren und sind die Erwartungen bei Schülern, Eltern und Lehrern. Von Anfang an hatte Rackles um Zeit gebeten. Schon bald will er ein Strategiepapier vorstellen.
Herr Rackles, das Strategiepapier ist immer noch nicht veröffentlicht. Kann es sein, dass Sie in den vergangenen Monaten doch mehr Baustellen im Bremer Bildungswesen festgestellt haben als zunächst gedacht?
Ich habe angekündigt, dass ich mich bis Weihnachten mit dem System vertraut mache und danach ein Papier anlege. Nach Weihnachten ist für mich Januar und im Januar kommt auch ein Papier, da brauchen Sie keine Angst haben und die Stadt auch nicht. Es wird erst ein Papier zur Qualität geben. Das ist die Reaktion auf den sogenannten IQB-Bildungstrend, wo Bremen ja erneut auf dem 16. Platz ist. Da bin ich nicht bereit einfach weiterzumachen. Das ist auch nicht trivial, das sind große Herausforderungen, und die bedürfen ein bisschen Zeit. Also ich bin für mich im Plan und ich glaube, neue Ideen werden bald auf dem Tisch liegen.
Welche Prioritäten haben Sie denn in diesem Papier gesetzt?
Die Hauptpriorität ist Qualität. Wir müssen besser werden. Das heißt besserer Unterricht und mehr Lernzeit. Was nicht zwingend eine zusätzliche Stunde heißen muss. Stattdessen kann es weniger Unterrichtsausfall und mehr Präsenz heißen, daran werden wir aktiv arbeiten. Personalversammlungen am frühen Morgen versuchen wir zu vermeiden, solche kleinen Punkte sind es. Aber tatsächlich geht es auch darum, die Ausfallzeiten bei Krankheiten zu minimieren.
Zwei Milliarden Euro Bau- und Sanierungsstaus gibt es – 35 Millionen Euro haben Sie vom Bund zur Beseitigung bekommen. Wo soll der Rest herkommen?
Also erstens sind die zwei Milliarden Euro ein bisschen aus der Luft gegriffen. Keiner weiß genau, was es kostet. Ein Bildungssystem ist dauerhaft in der Sanierung. Es wäre schön, wenn in den letzten Jahrzehnten mehr investiert worden wäre, damit es nicht so marode ist. Die 35 Millionen Euro sind Bundesmittel, die wir jetzt auch konkret in Schulen verbauen, zum Beispiel für Toilettensanierungen und Sporthallen. Jenseits davon läuft noch ganz viel Neubau von Schulen und Sanierungen des Bestands. Wir haben dreistellige Millionenbeträge jährlich im System.
Trotzdem haben Eltern Angst davor, dass das Kind keinen Platz in einer Schule bekommt. Weil die Schulen jetzt schon so überquellen, müssen Sie auf Abstellkammern ausweichen.
Abstellkammern sind es nicht, es sind ehemalige Fachräume. Wir haben einen hohen Druck und viele Kinder im System. Das ist an sich für eine Stadt wie Bremen und Bremerhaven schön. Und wir bauen praktisch hinter den Kindern her. Wir haben diesen Druck weniger im Grundschul- und Kitabereich, sondern im Sekundarbereich I. Wir haben genug Plätze für alle Schülerinnen und Schüler, aber nicht immer genau an dem Ort, an dem sie sein wollen. Deswegen wird es wahrscheinlich wie letztes Jahr auch den Bedarf geben, dass längere Wege in Anspruch genommen werden müssen.
Thema Unterrichtsqualität: Beim IQB-Bildungstrend ist Bremen bundesweit wieder auf dem letzten Platz. Wann wird sich das ändern?
Ich weiß nicht, wann sich das ändert. Die Wirtschaft hat gesagt in sechs oder vier Jahren müssen wir mindestens auf Platz 10 kommen. Ich fände es einfach gut, wenn wir uns verbessern würden. Hamburg hat dafür 15 Jahre gebraucht, das ändern sie nicht mit einem Switch. Es ist ein bisschen die Haltungsfrage, und dass die richtigen Stellschrauben gedreht werden. Das wiederum hängt mit dem Qualitätskonzept insgesamt zusammen. Das heißt: Mehr Sprachbildung und mehr Konzentration auf die Grundbildung, also Rechnen, Schreiben und Lesen. Das sind die Punkte, auf die wir uns konzentrieren wollen.
(Das Interview führte Lea Reinhard. Aufgeschrieben, gekürzt und redigiert hat es Jonathan Garbers.)
Quelle:
buten un binnen.
Dieses Thema im Programm:
buten un binnen, 15. Januar 2026, 19:30 Uhr