Infografik

Standdatum: 15. Januar 2026.

Autorinnen und Autoren:
Verena Patel

Licht brennt in einzelnen Wohnungen eines mehrstöckigen Mehrfamilienhauses

Bremen ist das Bundesland mit der höchsten Armutsgefährdungsquote.

Bild: dpa Bildfunk | Julian Stratenschulte

Im Land Bremen sind fast 20 Prozent der Einwohner armutsgefährdet, heißt es in der Studie des Pestel-Instituts. Doch schon jetzt gibt es einen Wohnungsmangel.

Eine neue Studie des Pestel-Instituts im Auftrag des Verbändebündnis Soziales Wohnen, eines Bündnisses aus Gewerkschaft, Sozialverbänden und Bauwirtschaft, ‍sieht im Land Bremen einen großen Bedarf an Sozialwohnungen in den kommenden Jahren. In ganz Deutschland gebe es ein großes Defizit, weshalb das Bündnis fordert, den Bestand an Sozialwohnungen mindestens zu verdoppeln. Gerade junge Menschen, ältere Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen hätten es auf dem Wohnungsmarkt schwer.

Das Pestel-Institut ist ein Forschungsinstitut, das im Auftrag von Kommunen, Unternehmen und Verbänden Studien erstellt. Es gibt jährlich den „sozialen Wohnmonitor“ heraus, der unter anderem den Ist- und Soll-Bestand von Sozialwohnungen ermittelt. Für die Studie stützen sich die Autoren auf Ergebnisse des Mikrozensus 2022 aus den Kreisen und kreisfreien Städten und auf eigene Berechnungen.

Das Bündnis übt außerdem Kritik an der Finanzierung: Die Bundesmittel für den sozialen Wohnungsbau werden derzeit gestaffelt nach Jahren ausgezahlt. Besser sei es, wenn das Geld im Jahr der Zusage fließen würde. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie für Bremen:

1 Bundesland mit höchster Armutsgefährdungsquote

Das Land Bremen weist demnach im Ländervergleich die höchste Armutsgefährdungsquote (19,7 Prozent) auf, gefolgt von Hamburg (19,5 Prozent) und Berlin (19,1 Prozent). Betroffen sind im Bundesland 139.000 Bremerinnen und Bremer oder 70.000 Haushalte. Dem steht ein Bestand von 6.239 Sozialwohnungen (Stand: Ende 2024) gegenüber.

2 Sozialbindung endet bei Hunderten Wohnungen pro Jahr

Seit 2018 fallen jedes Jahr durchschnittlich 642 Wohnungen aus der sogenannten Sozialbindung heraus, heißt es in der Studie. Das heißt: Die Mietpreisbindung, die beim Bau für einen bestimmten Zeitraum festgelegt wurde, endet, und die Wohnungen können dann zu Marktpreisen vermietet werden.

3 Zahl der Sozialwohnungen soll sich verdreifachen

Zielmarke der Studie: Bis 2035 soll der Bestand in Bremen auf 19.600 Sozialwohnungen anwachsen. Die Zahl der günstigen Wohnungen soll sich also mehr als verdreifachen.

Zum Vergleich: Im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW sind Stand 2024 bereits mehr als 409.000 Sozialwohnungen ausgewiesen. Hier soll der Bestand laut Studie lediglich auf rund 454.900 Sozialwohnungen anwachsen.

Ist- und Soll-Bestand an Sozialwohnungen

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4 Wohnungen fehlen bereits jetzt

Im Land Bremen fehlten laut der Studie Ende 2024 allgemein 13.000 Wohnungen. Die Studienautoren gehen davon aus, dass es in den nächsten vier Jahren (bis 2030) 11.000 Haushalte mehr im Land geben wird und der Wohnungsbedarf bis dahin um 18.000 Wohnungen steigt. Demnach müsste Bremen pro Jahr 3.000 neue Wohnungen bauen.

5 Bremer geben ein Drittel des Einkommens für Wohnkosten aus

Mehr als 30 Prozent des Einkommens (30,4 Prozent) der Bremerinnen und Bremer gehen für die Kaltmiete der Wohnung drauf, wie die Autoren darlegen. Betrachtet man alle Wohnkosten inklusive Nebenkosten, sind es sogar mehr als ein Drittel des Verdienstes (34,6 Prozent).

An der Spitze liegt Bremen damit jedoch nicht: In mehreren anderen Bundesländern muss man zwar anteilig weniger vom Einkommen für Kaltmiete und Betriebskosten ausgeben, allerdings ist die Belastung mit den Gesamtwohnkosten durchaus manchmal höher. Zum Beispiel auch in Niedersachsen (35 Prozent), Sachsen-Anhalt (35,1 Prozent), Sachsen (35,5 Prozent) oder dem Saarland (36,2 Prozent).

Quelle:
buten un binnen.

Dieses Thema im Programm:
 butenunbinnen.de, „Studie: Bremen braucht 2035 dreimal so viele Sozialwohnungen“, 15. Januar 2026, 17:11 Uhr