Das Entscheidende dabei: Die Form dieser Spektrallinie verrät viel über die Umgebung, aus der sie stammt. So ähnelt diese Hα-Linie einer glockenförmige Gaussverteilung, wenn die Strahlung ungehindert entweichen kann. Ist diese Spektrallinie aber zugespitzt wie ein Zelt – Astronomen sprechen von exponentiell -, deutet dies auf intensive Streuung an ionisiertem dichtem Gas hin. Rusakov und sein Team haben daher untersucht, wie die Hα-Linie bei den Little Red Dots aussieht und was sie über ihre Urheber verrät.
Beispiel für das Hα-Spektrum eines Little Red Dots und seine zeltartige Form. © Rusakov et al./ Nature, CC-by 4.0
Dichte Gaskokons mit gefräßigem Kern
Das Ergebnis: Die Wasserstoffspektren der roten Lichtpunkte ähneln eher einem Zelt als einer Glockenkurve. „Die Linien dieser Objekte sind durch Elektronenstreuung verbreitert und haben einen schmalen intrinsischen Kern“, berichten Rusakov und sein Team. Dies spreche für eine hohe Dichte von ionisierten, sich schnell bewegenden Gasen am Ursprungsort der Strahlung. Dazu kommen eine enorm hohe Leuchtkraft und ein geringer Durchmesser dieser Strukturen von nur wenigen Lichttagen.
Was aber verrät dies über die Red Dots? Nach Angaben der Astronomen kommt dafür nur eine Erklärung in Frage: „Die kleinen roten Lichtpunkte sind junge Schwarze Löcher, umgeben von einem dichten Kokon aus Gas, den sie aufzehren“, sagt Koautor Darach Watsonvom Cosmic Dawn Center in Kopenhagen. „Wir haben hier frühe Schwarze Löcher, die mitten in einem Wachstumsschub stecken. Der Gaskokon liefert ihnen das Futter, das sie für ihr schnelles Wachstum benötigen.“
Erklärung für Helligkeit trotz geringer Größe
Anders als zuvor angenommen, sind diese frühen Schwarzen Löcher zwar schon supermassereich, aber noch keine Schwerkraftgiganten wie die späteren Galaxienkerne. „Die schmalen intrinsischen Linienzentren deuten auf Massen dieser Schwarzen Löcher von 10.000 bis 10 Millionen Sonnenmassen hin – das ist zwei Größenordnungen niedriger als zuvor geschätzt“, schreibt das Team. Das erklärt, warum die Red Dots so kompakt sind – sie sind kleiner als alle zuvor beobachteten Schwarzen Löcher dieser Ära.
Der dichte Gaskokon erklärt auch, warum diese frühen Schwarzen Löcher zwar im Infrarot außergewöhnlich hell leuchten, aber kaum Röntgen- oder Radiostrahlung freisetzen. „Die hohe Akkretionsrate dieser Schwarzen Löcher erzeugt starke UV-Strahlung, die ihren Gaskokon ionisiert“, erklären die Astronomen. Die hohe Dichte des ionisierten Gases unterdrückt wiederum die Röntgen- und Radiostrahlung des aktiven Schwarzen Lochs.
„Dieser Prozess erzeugt zudem eine enorme Hitze, die den Kokon hell leuchten lässt“, erklärt Watson. Den Daten zufolge haben die hellsten dieser Objekte die Leuchtkraft von 250 Milliarden Sonnen. Dieses Licht wird durch die weite Entfernung ins Infrarote gedehnt und lässt die verhüllten Schwarzen Löcher im Infrarot hell erstrahlen. „Diese Strahlung ist es, die den Little Red Dots ihre einzigartig rote Färbung verleiht.“
„Universum hat einen Sinn für Humor“
Damit könnten Rusakov und sein Team die lange gesuchte Erklärung für die Little Red Dots gefunden haben. Ihre Resultate liefern zudem wertvolle Informationen darüber, wie die massereichsten und größten Objekte unseres Universum einst begannen – die supermassereichen Schwarzen Löcher. „Wenn Rusakov und seine Kollegen Recht behalten, dann sind diese kleinen roten Lichtpunkte Quasare im Jugendstadium“, schreibt der Astronom Rodrigo Nemmen von der Universität São Paulo.
„Es scheint zudem, dass das Universum einen Sinn für Humor hat: In der Astronomie ist Jugend gewöhnlich mit der Farbe blau verknüpft, weil junge Sterne heiß und bläulich leuchten“, so Nemmen weiter. „Aber hier sind die jüngsten Schwarzen Löcher rot.“ (Nature, 2026; doi: 10.1038/s41586-025-09900-4)
Quelle: University of Copenhagen
16. Januar 2026
– Nadja Podbregar