Die EU senkt die Obergrenze für russisches Rohöl auf 44,10 Dollar und führt einen dynamischen Mechanismus ein, um die Kriegsfinanzierung Moskaus weiter zu beschneiden.

Die Europäische Kommission verschärft den wirtschaftlichen Druck auf Moskau und senkt die Obergrenze für russisches Rohöl auf 44,10 Dollar pro Barrel. Die ab 1. Februar geltende Maßnahme soll die Kriegskasse des Kreml weiter austrocknen.

Der neue, niedrigere Preisdeckel ist ein Kernstück des bereits im Juli 2025 vereinbarten 18. Sanktionspakets. Er zielt darauf ab, die Öleinnahmen Russlands wirksamer zu begrenzen, ohne dabei die globale Energieversorgung zu destabilisieren. Für einen geordneten Marktübergang gilt eine 90-tägige Übergangsfrist für Verträge, die noch unter der alten Preisregel abgeschlossen wurden.

Strategiewechsel: Vom starren zum dynamischen Deckel

Die jüngste Anpassung resultiert aus einem neuen, dynamischen Mechanismus. Dieser passt die Obergrenze automatisch an die Marktlage an – ein strategischer Abschied vom starren Deckel von 60 Dollar, der im Dezember 2022 eingeführt wurde. Der alte Deckel hatte an Wirkung verloren, da der Marktpreis für die russische Urals-Sorte häufig unter dieser Schwelle lag.

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Das neue System soll die Obergrenze konsequent unter dem Marktpreis für russisches Öl halten. So wird der Gewinnspielraum für den Kreml dauerhaft verkleinert. Indem der Deckel an einen Abschlag vom durchschnittlichen Marktpreis gekoppelt ist, wollen G7 und EU verhindern, dass Russland von möglichen Preissprüngen profitiert. Gleichzeitig soll das Öl weiter auf den Weltmarkt fließen, um Angebotsschocks zu vermeiden.

Durchsetzung und der Kampf gegen die Schattenflotte

Die Wirksamkeit der Maßnahme hängt von der Dominanz westlicher Unternehmen bei maritimen Dienstleistungen ab. Die Durchsetzungsmechanismen verbieten westlichen Firmen, Schifffahrt, Finanzierung und Versicherung für Tanker bereitzustellen, die russisches Öl über dem festgelegten Preis transportieren. Das schafft einen starken Anreiz für Einhaltung – auch bei Käufern in Ländern außerhalb der Allianz.

Ein zentraler Fokus liegt darauf, Russlands Umgehungsversuche zu bekämpfen. Der Kreml setzt zunehmend auf eine „Schattenflotte“ alter Tanker mit undurchsichtigen Eigentumsverhältnissen. Dutzende verdächtige Schiffe wurden bereits mit Einreiseverboten in EU-Häfen belegt. Die Kommission betont die fortlaufende Abstimmung mit Mitgliedstaaten und globalen Partnern, um die Maßnahmen robust umzusetzen.

Hintergrund: Geschlossene Lücken, anhaltender Druck

Die Senkung ist eine Reaktion auf die Anpassungsstrategien Moskaus. Der ursprüngliche 60-Dollar-Deckel war als doppeltes Instrument konzipiert: Er sollte Russlands Einnahmen schmälern, ohne einen globalen Ölpreisschock durch ein vollständiges Embargo auszulösen. Nach anfänglichem Erfolg baute Russland jedoch seine eigene Tankerflotte aus und fand neue Abnehmer in Asien – oft mit hohen Rabatten.

Die Analyse liegt nahe: Der Übergang zu einem niedrigeren, dynamischen Deckel ist die direkte Antwort auf diese Taktik. Durch den konstanten Druck auf den Preis für sein wichtigstes Exportgut soll die Fähigkeit Russlands, den Krieg zu finanzieren, systematisch ausgehöhlt werden. Die Maßnahme ist Teil einer umfassenden Wirtschaftsstrategie, die auch Sanktionen gegen raffinierte Erdölprodukte, Flüssigerdgas (LNG) und Hochtechnologie umfasst.

Ausblick: Anpassungsfähige Sanktionen als Langfristinstrument

Die Allianz wird die Marktreaktion auf den neuen Deckel genau beobachten. Der dynamische Mechanismus erlaubt weitere Anpassungen basierend auf Marktentwicklungen und der Bewertung der Auswirkungen auf Russlands Einnahmen. Die ultimative Wirksamkeit hängt von rigoroser Durchsetzung und der Bereitschaft großer Ölimporteure ab, den Deckel für Preisverhandlungen mit russischen Lieferanten zu nutzen.

Die anhaltende Konzentration auf den Energiesektor zeigt: Die G7 und ihre Verbündeten betrachten wirtschaftliche Sanktionen als kritische, langfristige Strategiekomponente. Künftige Schritte könnten weitere Bekämpfungen von Umgehungstaktiken, die Ausweitung von Sanktionen auf andere Wirtschaftssektoren und erhöhten Druck auf Drittländer umfassen, die die Umgehung ermöglichen. Das übergeordnete Ziel bleibt, durch wirtschaftlichen Druck Moskaus strategische Kalkulationen zu verändern.

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