Im Dezember war die Freude im Tiergarten Nürnberg groß: Die Asiatische Löwin Aarany hatte am zweiten Weihnachtsfeiertag sechs Jungtiere zur Welt gebracht. Eines davon ist kurz nach der Geburt gestorben. Um die weiteren fünf habe sich Aarany vorbildlich gekümmert. Weil sich Tierpflegerinnen und Tierpfleger der Raubtierfamilie nicht nähern sollen, um die Tiere nicht zu stören, werden die Löwenmutter und ihr Nachwuchs mit einer Webcam beobachtet. Seit gut einer Woche sind nur noch vier der fünf Jungtiere auf den Aufnahmen zu sehen, gab der Tiergarten auf seinen Social-Media-Kanälen bekannt.

Was ist mit dem Löwenbaby passiert?

Was mit dem fünften Jungtier passiert ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, da sich kein Mensch der Löwenfamilie nähern darf. Aber der Tiergarten vermutet, dass die Löwin ein verstorbenes Tier aufgefressen hat. Das sei natürliches Verhalten, das auch bei Hauskatzen zu beobachten sei. In der Natur werden so Krankheiten verhindert, die vom Kadaver ausgehen könnten, heißt es. Auch würden in der Wildbahn keine Aasfresser angelockt. Zudem nutze „die Energie des toten Jungtieres der Mutter wieder zur Versorgung der vitalen Welpen“. Aarany kümmert sich demnach liebevoll um die vier verbliebenen Tiere.

Tiere sollen weiter ungestört bleiben

Die Löwenmutter soll sich die nächsten Wochen weiterhin von Menschen ungestört um ihren Nachwuchs kümmern. Bis dahin bleibt die Raubtierfamilie im Aufzuchtbereich. Löwin Aarany wurde nach Angaben des Tiergartens 2016 im Zoo Aalborg in Dänemark geboren und kam 2018 in den Tiergarten Nürnberg. Sie hatte 2023 bereits zwei Jungtiere erfolgreich großgezogen, die mittlerweile in andere Zoos abgegeben wurden. Normalerweise kommen bei Asiatischen Löwen pro Wurf zwei bis fünf Jungtiere auf die Welt. Dass sechs Junge geboren werden, ist eher die Ausnahme.

Asiatische Löwen stark gefährdet

Asiatische Löwen gelten als stark gefährdete Art. Ende des 19. Jahrhunderts ging der Bestand der Asiatischen Löwen auf lediglich 18 Tiere im Gir-Reservat in Nordwestindien zurück. Durch gezielten Schutz und Umsiedlung der letzten Löwen aus anderen Gebieten, konnte der Bestand wieder anwachsen. Inzwischen leben im Gir­-Nationalpark in Indien und den angrenzenden Gebieten mehrere Hundert Tiere. Zoos in Europa und weltweit züchten Asiatische Löwen. In Europa wird das auf wissenschaftlicher Basis mit einem Erhaltungszuchtprogramm koordiniert. Momentan leben rund 130 Asiatische Löwen in insgesamt 41 Zoos des Europäischen Zooverbands EAZA (European Association of Zoos and Aquaria).