Krieg in der Ukraine

Trump beschuldigt Selenskyj – Kreml reagiert

Aktualisiert am 16.01.2026 – 04:43 UhrLesedauer: 3 Min.

US-Präsident Trump empfängt Präsident Selenskyj in FloridaVergrößern des Bildes

Trump und Selenskyj: Die beiden Staatschefs signalisierten bei ihrem letzten Treffen im Dezember noch Zuversicht. (Quelle: Alex Brandon/AP/dpa/dpa-bilder)

Derzeit finden keine direkten Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine statt. Der US-Präsident sieht die Schuld dafür nur auf einer Seite.

US-Präsident Donald Trump hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vorgeworfen, ein mögliches Friedensabkommen mit Russland zu verhindern. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters machte Trump Selenskyj direkt für den Stillstand der Verhandlungen verantwortlich. In dem rund 30 Minuten langen Gespräch im Oval Office erklärte der US-Präsident am Mittwoch, der russische Präsident Wladimir Putin sei bereit, seine seit fast vier Jahren andauernde Invasion zu beenden, während die Ukraine weniger kompromissbereit sei.

„Ich glaube, er ist bereit, ein Abkommen zu schließen“, sagte Trump mit Blick auf Putin. „Ich glaube, die Ukraine ist weniger bereit, ein Abkommen zu schließen.“ Auf die Frage, warum die von den USA geführten Gespräche bislang keinen Durchbruch gebracht hätten, antwortete Trump knapp: „Selenskyj.“

Der Kreml reagierte darauf und erklärte, Russland stimme zu. Sprecher Dmitri Peskow sagte: „Hier können wir zustimmen, das ist wirklich der Fall. Präsident Putin und die russische Seite bleiben offen.“ Peskow sagte auch, Moskau würde die Sondergesandten des Weißen Hauses, Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, willkommen heißen, sobald ein Termin für einen Besuch vereinbart sei.

Trumps Aussagen stehen im Widerspruch zur Haltung vieler europäischer Regierungen, die Russland seit Langem vorwerfen, kein ernsthaftes Interesse an einem Kriegsende zu haben. Auch US-Geheimdienstberichte hatten davor gewarnt, dass Putin seine Kriegsziele nicht aufgegeben habe. Ein formelles Angebot Russlands, über einen Waffenstillstand zu verhandeln, liegt nicht vor.

In den vergangenen Wochen drehten sich die Gespräche vor allem um Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach einem möglichen Waffenstillstand. Daran beteiligt waren vor allem die USA und europäische Staaten. Ziel ist es, Mechanismen zu schaffen, die einen erneuten russischen Angriff verhindern sollen. In Paris verständigte sich die sogenannte „Koalition der Willigen“ darauf, nach einem Waffenstillstand der Ukraine militärisch beizustehen. Bundeskanzler Friedrich Merz stellte dabei auch eine deutsche Beteiligung in Aussicht. Russland lehnt eine Präsenz ausländischer Truppen in der Ukraine strikt ab und bezeichnete entsprechende Pläne als Provokation. Moskau beteiligt sich demnach auch nicht an diesen Gesprächen.

Nach Medienberichten haben die amerikanischen Unterhändler Witkoff und Kushner Kiew zuletzt gedrängt, im Rahmen eines Abkommens die gesamte ostukrainische Region Donbass aufzugeben. Selenskyj hat solche territorialen Zugeständnisse bislang abgelehnt und sich dabei auf die ukrainische Verfassung berufen.