Das Department für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der Universitätsmedizin Halle ist erneut als Wirbelsäulenspezialzentrum der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft (DWG) rezertifiziert worden. Damit bestätigt die Fachgesellschaft die etablierten interdisziplinären und multiprofessionellen Versorgungsstrukturen am Standort.
„Die regelmäßige Rezertifizierung unseres Wirbelsäulenspezialzentrums durch eine Fachgesellschaft ist für uns ein wichtiges Instrument der strukturierten Qualitätssicherung“, sagt Prof. Dr. Karl-Stefan Delank, Direktor des Departments für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie. „Sie bestätigt, dass unsere interdisziplinären Abläufe zwischen Orthopädie, Unfallchirurgie und Neurochirurgie verlässlich greifen und dass wir die Voraussetzungen schaffen, um die Qualität der medizinischen Versorgung systematisch zu messen und weiterzuentwickeln.“
Die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft für Erkrankungen der Wirbelsäule. Zur Rezertifizierung überprüft sie in einem festgelegten Turnus von vier Jahren, ob spezialisierte Zentren definierte fachliche, personelle und organisatorische Anforderungen erfüllen und damit die notwendigen Strukturen für eine qualitätsgesicherte Versorgung von Patient:innen mit Erkrankungen der Wirbelsäule vorhalten.
Vor dem Hintergrund der hohen Verbreitung von Rückenleiden kommt dieser strukturierten Versorgung eine besondere Bedeutung zu. Rücken- und andere Muskel-Skelett-Erkrankungen zählen deutschlandweit zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit. In Sachsen-Anhalt liegen die krankheitsbedingten Fehlzeiten seit Jahren über dem Bundesdurchschnitt, ein erheblicher Anteil davon entfällt auf Rückenbeschwerden. Die Universitätsmedizin Halle behandelt jährlich über 1500 Patient:innen mit Erkrankungen der Wirbelsäule – von degenerativen Veränderungen über entzündliche und metabolische Erkrankungen bis hin zu Tumoren und Verletzungen.
„Die Rezertifizierung bestätigt, dass wir Patient:innen mit Erkrankungen und Verletzungen der Wirbelsäule auf hohem fachlichen Niveau und nach klar definierten Behandlungsstandards versorgen. Gerade in der unfallchirurgischen Versorgung ist diese strukturelle Verlässlichkeit eine zentrale Voraussetzung für gute Behandlungsergebnisse“, sagt Prof. Dr. Philipp Kobbe, Chefarzt der Abteilung für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie.
„Gerade bei komplexen Erkrankungen der Wirbelsäule und des Rückenmarks ist die enge Abstimmung zwischen den beteiligten Fachdisziplinen entscheidend“, sagt Prof. Dr. Christian Strauss, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Neurochirurgie. „Die zertifizierten Strukturen schaffen dafür einen verlässlichen Rahmen und ermöglichen es uns, auch anspruchsvolle neurochirurgische Fragestellungen in ein gemeinsames Behandlungskonzept einzubetten.“
Ein zentrales Merkmal des zertifizierten Wirbelsäulenspezialzentrums ist der strukturierte Einsatz sowohl operativer als auch konservativer Therapien. Ziel ist es, für jede Erkrankung der Wirbelsäule das jeweils angemessene Behandlungskonzept festzulegen. Neben der chirurgischen Versorgung stehen daher auch umfassende nicht‑operative Therapieangebote zur Verfügung. Die fachliche Qualifikation im Zentrum wird zusätzlich durch persönliche Zertifizierungen der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft unterstrichen. Am Department sind insgesamt sieben Operateur:innen individuell durch die DWG zertifiziert. Diese personengebundene Qualifizierung ist ein wesentliches Element der Zentrenzertifizierung und stellt sicher, dass operative Eingriffe durch besonders erfahrene Spezialist:innen durchgeführt werden. „Entscheidend ist für uns nicht die Frage, ob operiert wird, sondern welche Therapie medizinisch sinnvoll ist“, so Prof. Delank. „Die zertifizierten Strukturen und die ausgewiesene Qualifikation im Team schaffen dafür eine verlässliche Grundlage.“
Die Universitätsmedizin Halle wurde erstmals im Jahr 2017 als Wirbelsäulenspezialzentrum der DWG zertifiziert und 2021 sowie erneut im aktuellen Verfahren rezertifiziert.