Chipkarte, Bohrer und grosse Taschen: So raubten die Panzer­knacker die Sparkasse aus

Abgeklebte Bewegungs­melder, manipulierte Türschlösser: Die Einbrecher von Gelsen­kirchen waren offenbar sehr gut auf ihre Tat vorbereitet. Eine Rekonstruktion.

Luzia Nyffeler Publiziert: 15.01.2026, 14:08 Polizeisperrband vor der geschlossenen Sparkasse-Filiale im Stadtteil Buer, Gelsenkirchen, nach einem Einbruch in den Tresor.

Tatort des grossen Raubs: Die Filiale der Sparkasse in Gelsenkirchen ist noch immer geschlossen.

Foto: Martin Meissner (AP)

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Mehr als 3000 aufgebrochene Schliessfächer, möglicherweise über 100 Millionen Euro Beute: Die Zahlen zum Bankraub von Gelsenkirchen sind eindrücklich. Die Panzerknacker waren über die Festtage in die Filiale der Sparkasse eingebrochen und unerkannt entkommen. Seither läuft die Fahndung nach ihnen. Nun hat das deutsche Nachrichtenmagazin «Spiegel» den Ablauf der Tat rekonstruiert.

Der Weg in die Bank

Bereits früh war klar, dass die Täter in der Nacht vom 26. auf den 27. Dezember über ein Parkhaus gleich neben der Bank in die Filiale gelangt waren. Doch um von der Tiefgarage in die Bank zu kommen, mussten sie sich erst Zutritt zu einem Bereich des Parkhauses verschaffen, der nicht öffentlich ist. Für die Einfahrt ist eine spezielle Chipkarte notwendig. Woher die Täter diese hatten, ist unklar.

Von diesem Teil der Tiefgarage aus gingen sie durch ein Treppenhaus, in dem die Bewegungsmelder offenbar abgeklebt waren. In die Bank selbst gelangten die Täter dann mutmasslich durch eine Tür, die eigentlich nur von der Bank her geöffnet werden kann. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Türschloss manipuliert worden war und die Tür somit nicht mehr ganz schloss.

Einmal in der Bank, machten sich die Täter auf zum Archivzimmer gleich neben dem Tresorraum. Dort bohrten sie mutmasslich mit einem Diamantbohrer ein etwa 40 Zentimeter grosses Loch in die Wand.

Einbruch in den Tresorraum einer Sparkasse-Filiale in Gelsenkirchen mit einem grossen Loch in der Wand und verstreuten Wertgegenständen auf dem Boden.

Riesiges Chaos: Das Bild des verwüsteten Archivzimmers und des Lochs ging um die Welt.

Foto: Polizei Gelsenkirchen

Der erste Feueralarm

Am Samstag, 27. Dezember, kurz nach 6 Uhr, ging bei der Feuerwehr in Gelsenkirchen ein Alarm ein. Wahrscheinlich wurde er von den Einbrechern ausgelöst. Wo in der Bank sich diese zum Zeitpunkt des Alarms genau befanden, ist unklar. Die Feuerwehr jedenfalls ging davon aus, dass es in der Filiale brennt, und rückte aus.

20 Feuerwehrleute sowie mehrere Polizisten machten sich auf den Weg zur Sparkasse. Sie schauten sich im Gebäude um, sahen sogar in den Tresorraum. Sollten die Täter zu diesem Zeitpunkt das Loch bereits gebohrt haben, hätten die Feuerwehrleute es aber nicht sehen, schreibt der «Spiegel».

Da es keinen Rauch gab, gingen die Einsatzkräfte von einem Fehlalarm aus und zogen wieder ab. Das war um etwa 6.25 Uhr. Die Täter befanden sich da wahrscheinlich bereits im Archivzimmer. Etwas, das auch Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes nicht bemerkten, die wegen des Alarms vor Ort waren.

Der Aufbruch der Schliessfächer

Um 10.45 Uhr am Samstagmorgen knackten die Täter das erste Schliessfach auf. Das zeigen elektronische Aufzeichnungen aus dem Tresorraum. Videomaterial gibt es keines, die Videoüberwachung ist nur während der Öffnungszeiten aktiv. Die Einbrecher wussten dies wahrscheinlich. Sowieso schienen die Täter recht gut im Bilde gewesen zu sein. Sie kannten die Gegebenheiten vor Ort, die Wege, die Lage der einzelnen Räume.

Wie lange die Täter im Tresorraum wüteten, ist unklar. Jedenfalls hatten sie am Ende fast alle der über 3200 Schliessfächer aufgebrochen und grosse Beute gemacht. Erst hiess es, die Einbrecher hätten 30 Millionen Euro erbeutet. Nun gehen Ermittler davon aus, dass die Täter mit über 100 Millionen aus der Sparkasse flohen.

Der zweite Feueralarm

In der Nacht vom 27. auf den 28. Dezember liefen die Täter gemäss Zeugenaussagen mit grossen schwarzen Taschen durch das Parkhaus. Offenbar bezahlten sie gar noch das Parkticket, bevor sie sich aus dem Staub machten – in gestohlenen Autos und mit gefälschten Kennzeichen.

Überwachungsbild eines schwarzen Fahrzeugs beim Verlassen des Tatorts eines Bankraubs in Gelsenkirchen, Deutschland, 2025.

Gestohlenes Fahrzeug: Aufnahmen der Überwachungskameras im Parkhaus zeigen die mutmasslichen Einbrecher.

Foto: Polizei Gelsenkirchen

Erst am nächsten Tag, kurz vor 4 Uhr morgens am 29. Dezember, ging bei der Feuerwehr ein zweiter Alarm aus der Sparkasse ein. Wieder rückten die Einsatzkräfte aus. In der Filiale trafen sie auf das verwüstete Archivzimmer, ein Chaos im Tresorraum und Tausende aufgebrochene Schliessfächer. Die Täter waren zu dem Zeitpunkt bereits über alle Berge verschwunden.

Ermittlungen wie nach einem Terroranschlag

Die Ermittlungen zum Fall laufen seither auf Hochtouren. Es wird ein Aufwand wie nach einem Terroranschlag betrieben. 200 Beamte sind mit dem Fall beschäftigt. Rund 10’000 Stunden Videomaterial von Überwachungskameras in der Nähe des Tatorts werden gesichtet. Auch Handydaten aus der Umgebung der Sparkasse werden analysiert. Die Ermittlungen kommen aber nicht wirklich voran.

Kürzlich tauchten zwar am Dortmunder Hauptbahnhof Nummernschilder auf, die mutmasslich an den Fluchtautos montiert waren. Doch sowohl von den Autos als auch von den Einbrechern – die laut Ermittlern wohl zu sechst oder siebt am Werk waren – gibt es keine Spur.

Zurück bleiben wütende Kundinnen und Kunden, die von der Sparkasse Erklärungen verlangen. Die Filiale der Bank bleibt derweil geschlossen.

Der Bankraub von Gelsenkirchen

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Tatort des grossen Raubs: Die Filiale der Sparkasse in Gelsenkirchen ist noch immer geschlossen.

Foto: Martin Meissner (AP)

Riesiges Chaos: Das Bild des verwüsteten Archivzimmers und des Lochs ging um die Welt.

Foto: Polizei Gelsenkirchen

Gestohlenes Fahrzeug: Aufnahmen der Überwachungskameras im Parkhaus zeigen die mutmasslichen Einbrecher.

Foto: Polizei Gelsenkirchen