Kiel. Wer gern essen geht, hat diese Situation wohl schon erlebt: Der Abend im Restaurant beginnt wie gewohnt. Der Laden ist voll, es wird gegessen und getrunken. Am Ende hätte man Lust, noch ein wenig zu verweilen. Doch wie auf ein geheimes Zeichen hin, leert sich der Gastraum. Existiert womöglich eine Sperrstunde, von der man nichts wusste?
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Auf die Frage, ob es in Kiel einen Trend gibt, nach dem die Lokale früher schließen, entgegnet Daniel Viehoff: „Tatsächlich schließen wir heute deutlich früher als in unseren Anfangsjahren.“ Er ist der langjährige Leiter des im Jahr 2027 eröffneten Restaurants Mamajun im Jägersberg. „Früher haben die Leute hier oft einen langen Abend verbracht“, berichtet Viehoff. „Heute vergeben wir viele Tische zweimal.“
Nach Küchenschluss zahlt der Wirt nicht selten drauf
Dementsprechend geht im 2017 eröffneten Mamajun mittlerweile auch schon mal gegen 22 Uhr das Licht aus. Dies sei jedoch weniger ein bewusster Entschluss als eine Reaktion auf das veränderte Gästeverhalten. „Das hat sich seit Corona so entwickelt“, berichtet Viehoff. Nach der Pandemie habe das Sitzfleisch der Gäste spürbar abgenommen. Über den Grund dafür kann er nur spekulieren: „Vielleicht war es die Entwöhnung.“
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Man könnte meinen, dass dies für die Gastronomen im Land ein Grund zur Betrübnis sei. Das ist es jedoch nur bedingt. Denn: Gäste, die länger bleiben, seien noch kein Gewinn, sagt Viehoff. Nach Küchenschluss müssten die Gäste sehr viel trinken, damit sich der Personaleinsatz lohne. Da dies nicht mehr so oft der Fall sei, passten die früheren Schließungszeiten gar nicht so schlecht.
Die Gäste haben ihr Budget. Da wird dann auf das zweite Glas Wein oder das Dessert verzichtet.
Lutz Frank
Vizepräsident des Gastroverbandes Dehoga SH
Lutz Frank, Inhaber des Restaurants am Ihlsee in Bad Segeberg, sieht den Grund für die kürzeren Öffnungszeiten nicht nur beim Gast. „Auch viele Gastronomen haben nach den Pandemiejahren ihre Öffnungszeiten verkürzt, weil sie nicht mehr so viel Personal hatten“, sagt Frank, der auch Vizepräsident des Dehoga-Landesverbands Schleswig-Holstein sowie Vorsitzender der Fachgruppe Gastronomie ist. Viele hätten es dabei belassen, als sich die Lage wieder besserte. „Die Gastronomen haben während der Pandemie gemerkt, dass es auch ein Leben neben der Arbeit gibt“, so Frank. „Das möchten sie zum Teil auch nicht mehr missen.“
Zugleich bestätigt Frank die Tendenz bei den Gästen, sich kürzer in Restaurants aufzuhalten. „Die Kosten allgemein sind hoch, und die Gäste haben ihr Budget. Da wird dann auf das zweite Glas Wein oder das Dessert verzichtet.“ Dementsprechend kürzer dauere ihr Besuch.
Wirtschaftlichkeit schlägt lange Nächte
Auch Vasko Sierks vom Bärenkrug in Molfsee bestätigt den Trend zu früheren Schließungen. „Bevor ich im vergangenen Jahr nach Molfsee zurückgekommen bin, habe ich auf Gut Immenhof in Malente gearbeitet“, berichtet der 26-Jährige. „Hier wie da gehen die Gäste am Abend tendenziell früher.“
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Sierks repräsentiert die fünfte Generation seiner Familie, die den Bärenkrug führt. Früher habe im Landgasthof oft bis in die Abendstunden hinein Betrieb geherrscht. „Heute schließt unsere Küche um 21 Uhr.“ Die meisten Tische seien entweder direkt zur Öffnung um 17 Uhr oder um 19 Uhr reserviert.
Sierks sieht diese Entwicklung nicht grundsätzlich negativ. „Als Gastronomen müssen wir mit der Zeit gehen.“ Wenn die Gäste nicht mehr so lange blieben, müsse man sich anpassen und wirtschaftlich denken. „Früher hatten wir im Bärenkrug auch einen Mittagstisch“, sagt Sierks. „Als dieser sich nicht mehr gelohnt hat, haben wir ihn abgeschafft.“

Auch Sierks betont die Bedeutung des Personals, und zwar nicht nur in Bezug auf die Kosten, sondern auch in Bezug auf dessen Zufriedenheit. „Wir haben heute mehrere Ruhetage und machen regelmäßig Betriebsferien, damit unsere Mitarbeitenden ihre Freizeit gut planen können.“ Dass ihre Schichten heute nicht mehr bis tief in die Nacht gehen, passt dazu gut.
Donato Tripaldi kennt die Situation der Gastronomie sowohl auf dem Land als auch in der Stadt. Er betreibt in Laboe die italienischen Restaurants Casa Tripaldi und Casa al Mare sowie in Kiel das Casa al Porto. „Während der Winterzeit geht das Geschäft bei uns bis etwa 21 Uhr und in Kiel bis gegen 22 Uhr“, berichtet Tripaldi.
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Die Zeiten, in denen die Gäste nach dem Essen noch eine Flasche Wein bestellt haben, seien vorbei. Dementsprechend ist Tripaldi auch nicht unglücklich über den früheren Zapfenstreich: „Wenn die Leute im Restaurant sitzen und nichts verzehren, ist es auch nicht gut.“
KN