Die Lage im Iran ist weiterhin ernst. Vor allem Studenten und junge Menschen sind seit Ende Dezember auf die Straßen gegangen, um auf die katastrophale wirtschaftliche Situation aufmerksam zu machen und für die Achtung der Menschenrechte und Gerechtigkeit zu demonstrieren. Die iranische Regierung geht mit aller Härte gegen die Demonstranten vor. Es gab Tausende Verhaftungen, nach offiziellen Angaben sind über 2000 Menschen getötet worden – die Dunkelziffer dürfte laut Amnesty International deutlich höher liegen. Die in Wuppertal lebenden Iranerinnen und Iraner sorgen sich um ihre Angehörigen.
Hadi Mohammadi (39) hat erst kürzlich den „Teheran Supermarkt“ gemeinsam mit Zahra Abedini am Werth eröffnet. Seit 2018 leben sie in Deutschland. „Ich sorge mich nicht nur um meine Familie, sondern um alle Menschen dort“, erzählt er. Das Regime schaltete in der Nacht zum 9. Januar Telefonleitungen und das Internet ab. Eine zermürbende Zeit für Hadi Mohammadi und seine Familie. Anrufe gingen nicht durch, Nachrichten wurden nicht übermittelt. Erleichterung kam erst jetzt. „Ich habe heute Morgen endlich mit meinem Vater sprechen können, er konnte mich endlich anrufen“, berichtet er.
Nur er und seine Familie sind in Deutschland, alle anderen Geschwister, Verwandten und Angehörigen sind im Iran. Die Angst hält ihn wach. „Ich habe in den letzten fünf Nächten nicht mehr als vier Stunden geschlafen“, sagt er. „Meiner Familie geht es gut, aber es macht uns traurig, dass so viele Menschen gestorben sind. Und das sind auch unsere Brüder und Schwestern.“
Aus Solidarität mit den Menschen im Iran gab es gestern auch eine Kundgebung auf dem Johannes-Rau-Platz vor dem Rathaus. Die Organisatoren hatten einen kleinen Pavillon aufgebaut, Infomaterial verteilt und Passanten über die Lage im Land aufgeklärt. Laut Polizei seien in der Spitze 18 Teilnehmer dort gewesen. Die Kundgebung verlief friedlich.
Laut den Berichten seines Vaters seien zurzeit kaum noch Menschen auf der Straße, erzählt Mohammadi. „Die Menschen haben alle Angst“, sagt er. Darüber hinaus ginge es den Menschen auch wirtschaftlich nicht gut. „Die haben für ihre eigenen Kinder kein Essen. Die können die Miete für ihre Wohnungen nicht bezahlen.“ Wie es nun weitergeht, sei ungewiss. „Ich wünsche mir, dass sich die Situation ändert, aber ich mache mir keine Hoffnung.“
Hamid (Name geändert, er ist der Redaktion bekannt) ist Informatik-Student an der Bergischen Uni. Er berichtet von der Angst um seine Familie und Freunde in der Heimat, aber auch von der Wut und dem Stress, den die Ungewissheit auslöst. „Seit sieben Tagen herrscht ein Shutdown“, sagt er. „Wir wissen nicht, ob unsere Freunde noch am Leben sind.“ Erst vor zwei Tagen habe der 29-Jährige die Gelegenheit gehabt, für nicht einmal eine Minute mit seiner Familie zu telefonieren. Aber: Telefonate werden abgehört. Und nicht nur das: Es kursieren Falschinformationen, oftmals verbreitet durch das Regime selbst. „Wir versuchen, an verifizierte Informationen zu kommen, aber es gibt kaum verlässliche Quellen“. Die Abschaltung des Internets erschwert es, eine Übersicht über die Lage zu bekommen. Das Regime versuche mit Falschinformationen, die Stimmen des Widerstands verstummen zu lassen. Und dennoch und genau deshalb wollen Hamid und seine Mitstreiter an der Bergischen Uni auf die Lage im Iran aufmerksam machen.