Lenore Lötsch (links) und Torben Steenbuck sitzen auf einer Bühne

AUDIO: Kunstverbrechen-Hosts begeistern bei Live-Session in Bremen (4 Min)

Stand: 16.01.2026 11:36 Uhr

Was ist gefälscht, was echt? Mitraten und mitfiebern hieß es für begeisterte Fans in der Kunsthalle Bremen – bei der ausverkauften Live-Session des True Crime-Podcasts Kunstverbrechen mit den Hosts Lenore Lötsch und Torben Steenbuck.

von Joschka Brings

Am Donnerstagabend schlendern dutzende Menschen außerhalb der Öffnungszeiten durch die Bremer Kunsthalle. Und manch einer schaut sich – inspiriert von der aktuellen Staffel Kunstverbrechen – die ausgestellten Giacometti-Statuen besonders genau an: Würden sie hier eine Fälschung erkennen?

Der Fälscher Robert Driessen hat die langgezogenen Figuren mit den dünnen Gliedmaßen jahrelang unbemerkt gefälscht. Mehr als tausend Exemplare von Driessen wurden in Umlauf gebracht, bis der Schwindel aufflog. Letztendlich sind sich die Besucherinnen und Besucher einig: Fälschungen würden sie vermutlich nicht erkennen.

Älterer Mann vor düsteren Figuren, vorn rot-weißes Polizeiband.

Er ist einer der größten Fälscher der Neuzeit: Robert Driessen. Das Kunstverbrechen-Team trifft ihn zum Interview.

Wer erkennt die Fälschungen? Bilder-Quiz auf der Bühne

Nach einer Stunde in der Ausstellung geht es dann los: Die Kunstverbrechen-Hosts Lenore Lötsch und Torben Steenbuck haben ein zweistündiges Bühnenprogramm vorbereitet. Auch darin geht es um Fälschungen. Ob die 200 True Crime-Fans in der Kunsthalle für die den richtigen Blick hat, testen die beiden Hosts mit einem kleinen Bilder-Quiz.

Lenore Lötsch und Torben Steenbuck stehen vor einer Giacometti-Skulptur

Dem spektakulären Fall um Giacometti-Fälschungen haben sich Lenore Lötsch und Torben Steenbuck im Podcast Kunstverbrechen gewidmet.

Das Bremer Publikum liegt oft richtig. Und immerhin: In der Giacometti-Ausstellung hier in der Kunsthalle könne sie Fälschungen ausschließen, sagt Kuratorin Eva Fischer-Hausdorf auf der Bühne.

True Crime-Podcast als Türöffner für Museumsbesuch

Trotzdem lauscht das Publikum gebannt der Geschichte vom millionenschweren Giacometti-Betrug des Fälschers Driessen. Einer von drei Fällen, die die Kunstverbrechen-Hosts live nacherzählen. Mit Interview-Tönen aus dem Podcast und ganz vielen Bildern. Kunstverbrechen und Museum – das passt gut zusammen, findet Host Lenore: „Ich kann aus mehreren Mails zitieren, die wir bekommen haben, in denen Leute sagen: ‚Ich fremdle ein bisschen, in so ein Museum zu gehen. Ich habe ein bisschen Berührungsangst. Und ihr macht mit euren Geschichten, dass ich keine Angst habe, da rein zu gehen.‘ Insofern finde ich: Es ist toll, wenn wir Türöffner sind für Leute, die Lust haben ins Museum zu gehen.“

Auch wenn sich ihr eigener Blick im Museum schon verändert habe. „Es ist mittlerweile so, dass ich wirklich ins Museum gehe und eine totale Skepsis habe: Ist das alles echt? Das ist leider so ein bisschen Berufsrisiko, weil ich mich so viel mit Fälschungen beschäftigt habe“, gibt Lenore Lötsch zu.

er Direktor des Van Gogh Museums, Axel Rüger, und die niederländische Kulturministerin Jet Bussemaker betrachten am 21.03.2017 in Amsterdam (Niederlande) die einst gestohlenen und nun wieder aufgetauchten Gemälde «Zeegezicht bij Scheveningen» (Meeressicht bei Scheveningen, 1882) und «Het uitgaan van de Hervormde Kerk te Nuenen» (Die Kirche von Nuenen mit Kirchgängern, 1884/1885)

„Ich bin ein geborener Dieb“: Der Fall um gestohlene Van-Gogh-Gemälde bringt Host Torben Steenbuck in eine heikle Situation.

Fünf Staffeln True Crime aus der Kunstwelt

Seit mittlerweile fünf Staffeln erzählen Lenore und Torben in Kunstverbrechen True-Crime-Geschichten aus der Kunstwelt. Dabei treffen sie nicht nur Kommissare und Kunstdetektive, sondern auch Fälscher und Diebe. Wie den Einbrecher Oktave Durham, der 2002 ins Amsterdamer Van Gogh-Museum eingebrochen ist.

Seine Geschichte haben Lötsch und Steenbuck an diesem Abend in Bremen auch dabei – und verbinden sie mit einer interaktiven Anleitung: Einzelne überraschte Zuhörer finden unter ihren Stühlen in der Bremer Kunsthalle nützliche Utensilien für einen gelungenen Einbruch ins Museum, etwa ein Brecheisen.

Fan: „Ihr seid meine drei Fragezeichen“

Lenore Lötsch (Mitte) und Torben Steenbuck schauen eine Frau an, die vor ihnen steht

Auf Tuchfühlung mit den Podcast-Fans: Die Kunstverbrechen Hosts kommen in der Kunsthalle Bremen mit vielen Menschen ins Gespräch.

Ein spannender, ereignisreicher Abend – für das Publikum, aber auch für Host Lenore. „Es ist irre, was das für eine Wirkung hat. In der Toilette kam eine Frau zu mir und sagte: ‚Ihr seid meine drei Fragezeichen‘. Ich glaube, mehr wollte ich im Leben nie sein!“

Nach der Show geben sie und Torben noch Autogramme, posieren für Fotos, und lassen alte und neue Fans begeistert zurück. Viele sagen, dass sie vor allem die direkte Kombination aus der Giacometti-Ausstellung und dem Podcast über die Fälschungen angezogen hat. Und zwei Besucherinnen sind extra aus Düsseldorf angereist: „Wir finden das so cool, dass sie das jetzt live machen – da mussten wir einfach persönlich hin.“

Lenore Lötsch, Kunstkommissar René Allonge und Torben Steenbuck sitzen auf einer Bühne

Gestohlene van Goghs oder dubiose Kunstsammler: Lenore Lötsch und Torben Steenbuck bringen ihren True-Crime-Podcast live auf die Bühne.

Älterer Mann vor düsteren Figuren, vorn rot-weißes Polizeiband.

Gefälschte Skulpturen des Schweizers Alberto Giacometti? Der True Crime-Doku-Podcast Kunstverbrechen nimmt seine Hörer*innen mit auf Verbrecherjagd.

Ermittler sitzt an seinem Schreibtisch

Mit einer düsteren Serie über einen Hater im Netz, einer Doku mit neuem Material zu Riefenstahl und einer zu einem Kunstfälscher.

Alberto Giacometti arbeitet in seinem Atelier (1962) an einer Skulptur.

Im NDR True Crime Doku Podcast „Kunstverbrechen“ geht es um einen der größten Kunstfälscher-Skandale. Aber warum ist gerade Giacometti attraktiv?