Gelsenkirchen – Als sie sich stundenlang durch die Stahlbetonwände des Tresorraums bohrten, hatten sich die Panzerknacker schon lange einen geschickten Plan zurechtgelegt. Wie ausgeklügelt dieser war, zeigen jetzt neue Erkenntnisse über den Sparkassen-Coup.
BILD erfuhr: Um den Kernbohrer zu kühlen, legten die Täter einen Gartenschlauch über mehr als 20 Meter – zur Damentoilette! Hier zapften sie die Wasserleitung an. Schon ein Bohr-Experte sagte BILD nach dem Einbruch: „Anhand der Aufnahme, die die Polizei veröffentlicht hatte, müssen die Täter Kenntnis über Kernbohrungen haben und das auch schon mal gemacht haben.“ Und daher wussten sie auch, dass man den Bohrer kühlen muss.

Mit so einem Bohrer arbeiteten die Panzerknacker. Zum Kühlen des Diamantbohrers legten sie einen 20 Meter langen Schlauch in die Damentoilette, zapften so die Wasserleitung an
Foto: Privat
Hatten Diebe einen Komplizen?
Als allerdings am Samstagmorgen um 6.15 Uhr der Feueralarm losging und Feuerwehr und Wachdienst in die Bank gingen, war in dem Flur zwischen der Toilette und dem Archivraum kein Schlauch zu sehen. Offenbar wurden die Täter von einem Komplizen gewarnt und bauten alles blitzschnell ab.
Im Tresorraum entdeckten die Einsatzkräfte nichts Auffälliges – und gingen wieder. Dabei aktivierte der Wachschutz die Alarmanlage wieder.

Die Panzerknacker trugen auffällige Handschuhe. Einer der Täter hatte rote an
Foto: Polizei
Täter klebten Bewegungsmelder ab, versprühten Säure
Doch zu diesem Zeitpunkt hatten die Täter bereits alle Bewegungsmelder abgeklebt – es wurde nichts gemeldet. Um später Spuren zu verwischen, verteilten sie Säure im Tresorraum, entleerten in der Damentoilette einen Feuerlöscher. Im Tresorraum liegen über 500.000 Asservate, die jetzt akribisch gesichert und ausgewertet werden müssen.

Der andere trug grüne Handschuhe. Die Aufnahmen stammen aus der Überwachungskamera des Parkhauses, durch das sie in die Bank gelangten
Foto: Polizei
Wegen der Säure sind die Arbeitsbedingungen schwierig und können nur unter Schutzbedingungen für die Ermittler stattfinden. Die sichergestellten möglichen Beweisstücke werden dann zur Gerichtsmedizin nach Essen gebracht und dort auf DNA-Spuren untersucht.
Mehr zum ThemaPanzerknacker legten falsche Spuren
Und auch hier dachten die Täter mit. Unfassbar: Sie legten zudem absichtlich falsche Spuren! Vor allem viele Haare sollen sich in dem Tresor befinden. Möglicherweise die Abfälle eines Friseursalons.

Auf diese Sparkasse in Gelsenkirchen-Buer hatten es die Täter abgesehen
Foto: Justin Brosch / ANC-NEWS
In dem Tresor sieht man teilweise verbogene Türen der Schließfächer, die Täter müssen also unter großer Kraftanstrengung die Schlösser aufgebrochen haben. Die weggeworfenen Teile bedecken einen halben Meter hoch den Boden.
Bei dem Coup kurz nach Weihnachten 2025 knackten die Täter mehr als 3000 Schließfächer und haben mutmaßlich Beute im Wert von weit mehr als 100 Millionen Euro gemacht. Auch hier arbeiteten sie geschickt, ließen registrierte Wertgegenstände zurück – etwa Luxusuhren (Rolex, Breitling) und auch besonders auffälligen Schmuck mit Edelsteinen. Die Opfer erfahren wohl erst in Monaten, was weg ist.
Nach Sparkassen-Raub: Videos zeigen die Flucht der Täter
Quelle: Privat31.12.2025