Im Gögginger Alten Rathaus steht ein Wandel bevor. Spätestens im Lauf des ersten Quartals 2026 zieht die Stadtteilbücherei in den Neubau im Alten Milchhof um. Damit werden zentrale Räume frei – und es stellt sich die Frage, wie sie künftig genutzt werden sollen. Die Arbeitsgemeinschaft der Gögginger Vereine und Organisationen (Arge) hat im Auftrag der Stadt ein Nutzungskonzept erarbeitet. Ziel ist ein „Haus der Vereine“, das den wachsenden Raumbedarf im Stadtteil auffangen soll.
Der Anstoß dazu reicht mehrere Jahre zurück. „Die Stadt ist schon vor langer Zeit auf uns zugekommen und hat angeregt, im Zuge des Auszugs der Bücherei ein Haus der Vereine zu entwickeln“, sagt die Arge-Vorsitzende Petra Kleber. Damals sei allerdings noch offen gewesen, wann die Stadtteilbücherei tatsächlich ausziehen würde. Entsprechend habe sich der Prozess immer wieder verzögert. Mit dem nun feststehenden Zeitplan habe sich die Lage grundlegend geändert. „Jetzt ist das Thema akut geworden“, so Kleber.
Das Haus der Vereine in Göggingen wird dringend gebraucht
Die Arge habe zunächst den Bedarf abgefragt. Das Ergebnis sei eindeutig gewesen. „Die Bedarfe unserer Vereine sind tatsächlich richtig groß“, sagt Kleber. Viele Initiativen hätten keine eigenen Räume mehr oder könnten sich dauerhafte Mietverhältnisse nicht leisten. Genau hier setzt das Konzept an, das von einer Arbeitsgruppe aus Vertretern der Arge, des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) sowie Gögginger Vereinen erarbeitet wurde.
Der Kern des Modells unterscheidet sich bewusst von klassischen Vereinsheimen. „Wir wollen kein Haus, in dem sich jeder Verein dauerhaft einen Raum mietet“, sagt Kleber. Stattdessen ist eine flexible Nutzung vorgesehen. Räume sollen bei Bedarf angemietet werden können – für Vorstandssitzungen, kleinere Mitgliederversammlungen, Kurse oder Proben. „Im Grunde ist das wie eine Art Coworking-Modell für Vereine“, erklärt Kleber. Das sei nicht nur kostenschonend, sondern ermögliche auch eine deutlich effizientere Nutzung der vorhandenen Flächen.

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Das Alte Gögginger Rathaus hat viel Platz. Viele Gögginger Vereine würden dort gerne unterkommen.
Foto: Anna Kondratenko
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Das Alte Gögginger Rathaus hat viel Platz. Viele Gögginger Vereine würden dort gerne unterkommen.
Foto: Anna Kondratenko
Erste praktische Lösungen gibt es bereits im Bestand. Der ASB nutzt im Alten Rathaus Räume für seine Geschäftsstelle, den Mehrgenerationentreff und den Familienstützpunkt. Die DJK Göggingen hat innerhalb des Gebäudes umstrukturiert und andere Räume bezogen. „Das waren echte Win-win-Lösungen“, sagt Kleber. Diese Übergangsnutzungen gelten allerdings nur als kurzfristige Perspektive. Die eigentlichen Bibliotheksräume stehen erst nach dem Auszug der Bücherei zur Verfügung und müssten zunächst saniert werden.
Das Alte Rathaus muss wohl zunächst saniert werden
Mittelfristig rückt vor allem das erste Obergeschoss in den Fokus. Dort sieht Kleber erheblichen Handlungsbedarf. „Im Erdgeschoss macht mir der Brandschutz weniger Kopfzerbrechen, im ersten Stock sieht das ganz anders aus“, sagt sie. Hinzu kommt die fehlende Barrierefreiheit. Während das Erdgeschoss vergleichsweise gut zugänglich sei, stelle das Obergeschoss eine größere Hürde dar. Zwar seien funktionierende Fenster, Heizung und Sanitäranlagen vorhanden, doch insgesamt gehe es um deutlich mehr als kosmetische Maßnahmen. „Da reden wir nicht nur über Farbe und Pinsel“, so Kleber.
Auch organisatorisch sind noch viele Fragen offen. Derzeit laufen Mietverhältnisse und Nutzungen teilweise über die Arge. „Wir sehen es aber nicht als unsere Hauptaufgabe, dauerhaft Räume zu vermieten und zu verwalten“, sagt Kleber. Im Konzept ist daher vorgesehen, dass der ASB die Koordination übernimmt. „Der ASB ist vor Ort, könnte die Anmietung organisieren, sich um Schlüsselübergaben kümmern und auch Dinge wie Winterdienst übernehmen“, erklärt sie. Das wäre aus Sicht der Arge eine praktikable Lösung.
Unklar ist zudem, wie sich mögliche Sanierungen auf die Mietkosten auswirken. Vom Liegenschaftsamt habe es bereits Hinweise gegeben, dass sich auch die Mieten verändern könnten. „Was da kostenmäßig auf uns zukommt, wissen wir aktuell nicht“, sagt Kleber. Genau hier sieht sie nun die Stadt in der Verantwortung.
Arge in Göggingen: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“
Aus Sicht der Arge ist die Vorarbeit erledigt. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt Kleber. „Jetzt liegt der Ball bei der Stadt.“ Das Konzept sei den zuständigen Stellen und den Stadträten bekannt und zur Kenntnis genommen worden. Für Februar ist ein Treffen mit dem Wirtschaftsreferat und dem Liegenschaftsamt geplant. Dann soll geklärt werden, wie es weitergeht – und ob das Alte Rathaus in Göggingen künftig tatsächlich zu einem zentralen Ort für das Vereinsleben im Stadtteil und darüber hinaus in Augsburg werden kann.
Das bestätigt die Stadt. Zu Sanierungsbedarf, Brandschutz, Barrierefreiheit und einem möglichen Zeitplan lägen derzeit keine belastbaren Angaben vor. Diese Punkte seien Bestandteil der weiteren fachlichen Prüfungen und könnten erst nach einem finalen Nutzungskonzept und einem Grundsatzbeschluss des Stadtrats seriös bewertet werden. Auch eine Kostenermittlung sowie konkrete Aussagen zur Umsetzung seien erst in späteren Projektphasen möglich.
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