Russland behauptet, seit Jahresbeginn rund 300 Quadratkilometer ukrainisches Gebiet erobert zu haben. Westliche Analysen widersprechen massiv: Das Institute for the Study of War (ISW) beziffert die tatsächlichen Geländegewinne auf nur 74 Quadratkilometer – und das zu extrem hohen Verlusten. Gleichzeitig kündigt Großbritannien neue Militärhilfe an: Die Kurzstreckenrakete „Nightfall“ soll der Ukraine strategische Vorteile verschaffen.

Generalstabschef Waleri Gerassimow verkündete russische Vorstöße «in fast alle Richtungen», vor allem rund um Sumy und Charkiw. Das ISW widerspricht der Darstellung scharf und nennt Gerassimows Angaben «absolut falsch». Die westliche Denkfabrik stützt sich auf Satellitenbilder und kommt zu einem deutlich anderen Ergebnis.

Die Analyse des ISW zeichnet ein ernüchterndes Bild der russischen Offensive: «Die russischen Geländegewinne waren marginal und beschränkten sich auf ein sehr langsames Vorankommen, da die russischen Streitkräfte auf verlustreiche Infanterieangriffe zurückgreifen mussten und nicht in der Lage waren, die mechanisierte Kampfführung auf dem Schlachtfeld wiederherzustellen.»

Verlustreiche Angriffstaktik

Das britische Verteidigungsministerium bestätigt die Einschätzung und berichtet von dramatisch gestiegenen russischen Verlusten. Im Dezember 2025 starben durchschnittlich 1.130 russische Soldaten pro Tag – etwa 100 mehr als im Vormonat. Die Behörde warnte Mitte Januar: «Russlands monatliche Opferzahlen sind im Zusammenhang mit den zunehmenden Vorstößen entlang der Frontlinie erneut gestiegen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Russland auch im Januar 2026 weiterhin hohe Opferzahlen zu beklagen haben wird, da die Angriffe abgesessener Infanterie an mehreren Fronten andauern.»

Als direkte Reaktion auf russische Eskalationen entwickelt Großbritannien die neue Rakete „Nightfall“ für die Ukraine. Das System hat eine Reichweite von 500 Kilometern und soll amerikanische ATACMS-Raketen ergänzen. Verteidigungsminister John Healey erklärte: «Die Nightfall-Raketen sollen von einer Vielzahl unterschiedlicher Fahrzeuge aus gestartet werden können, mehrere Raketen in kurzer Folge abfeuern und sich innerhalb weniger Minuten zurückziehen – so können ukrainische Streitkräfte wichtige militärische Ziele treffen, bevor russische Kräfte reagieren können.»