Ein Mann hält seinen Einkaufsbeleg vor einem Warenregal in einem kleinen Lebensmittelgeschäft hoch.

Stand: 16.01.2026 10:09 Uhr

Die Preise für Lebensmittel sind seit 2020 um rund ein Drittel gestiegen. Trotzdem hat die Politik dem Thema lange wenig Beachtung geschenkt. Nun kam mit einem Vorschlag der SPD etwas Bewegung in die Sache.


Bianca Schwarz

Am Anfang steht bei der SPD die Selbsterkenntnis. In den vergangenen Monaten habe man vielleicht zu wenig darüber gesprochen, dass die Lebensmittelpreise die Haushalte stark belasten, sagt SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf bei einer Pressekonferenz. Die Sozialdemokraten würden das Thema jetzt zum Schwerpunkt ihrer Politik für dieses Jahr machen.

Damit reagiert eine von drei Regierungsparteien auf ein Problem, das viele Menschen in Deutschland seit Jahren belastet. Um 35 Prozent sind die Lebensmittelpreise seit 2020 laut Statistischem Bundesamt gestiegen. Dem Bundesverband Verbraucherzentrale liegen Zahlen aus repräsentativen Umfragen vor, wonach knapp zwei Drittel der Deutschen spürbar merken, dass die Lebensmittelpreise stark angezogen haben. Knapp die Hälfte der Menschen gibt an, sich beim Lebensmitteleinkauf deutlich einschränken zu müssen.

Das könnte auch Auswirkungen auf eine gesunde Ernährung haben, gibt die Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Ramona Pop, zu bedenken. Gesunde Ernährung dürfe aber keine Frage des Geldbeutels sein, sagt sie dem ARD-Hauptstadtstudio.

Der „Deutschlandkorb“ der SPD

Die SPD bringt nun einen Vorschlag ein, mit dem sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen möchte, den „Deutschlandkorb“. Die Idee: Grundnahrungsmittel aus Deutschland soll der Einzelhandel freiwillig günstiger anbieten. So könne man die Verbraucher entlasten und gleichzeitig die deutschen Erzeuger stärken, erläutert der SPD-Bundestagsabgeordnete Esra Limbacher.

Viel Beifall erntet die SPD dafür allerdings nicht. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer von der CSU erteilt der Idee des Koalitionspartners noch am selben Tag eine Absage. Er verweist auf die vergünstigten Wochenangebote von vielen Händlern, an denen Verbraucher sich orientieren könnten. Einen gesetzlich verordneten Warenkorb lehnt Rainer ab.

Auch Pop zeigt sich skeptisch. Zwar begrüßt sie grundsätzlich den Vorstoß, allerdings habe man in den letzten Jahren mit freiwilligen Selbstverpflichtungen des Einzelhandels keine guten Erfahrungen gemacht.

Ablehnung aus der Opposition

Bei den Oppositionsparteien trifft der SPD-Vorschlag ebenfalls auf wenig Gegenliebe. Die AfD lehnt ihn ab, der Bundestagsabgeordnete Peter Felser nennt ihn eine „Warenkorb-Schnapsidee“.

Die Linke hat selbst schon öfter über eine vergleichbare Idee nachgedacht, kommt aber am Ende zu einem anderen Schluss. Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner schlägt vor, alternativ die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel wie Obst, Gemüse, Brot und Hülsenfrüchte zu senken oder gleich ganz abzuschaffen. Die Krise sei so akut, dass eine Streichung der Mehrwertsteuer viel unkomplizierter und unbürokratischer sei, so Schwerdtner.

Was brächte eine Preisbeobachtungsstelle?

Auch die Grünen und der Verbraucherzentrale Bundesverband unterstützen die Senkung oder Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel. Und bei einer anderen Idee sind sie sich ebenfalls mit der Linkspartei einig: Sie wünschen sich eine staatliche Preisbeobachtungsstelle.

Dort soll transparent gemacht werden, wenn Preise steigen, Packungsgrößen kleiner werden oder plötzlich billigere, aber gleichzeitig minderwertigere Zutaten benutzt werden. In anderen EU-Ländern wie Italien oder Frankreich gibt es bereits staatliche Preisbeobachtungsstellen.

„Die Preisbildung im Lebensmittelbereich ist eine Black Box“, meint Verbraucherzentrale-Vorständin Pop. Auch die Monopolkommission hat in einem Gutachten Ende 2025 festgestellt, dass der Lebensmittel-Einzelhandel in Deutschland in der Hand von nur vier großen Konzernen liegt, deren Marktmacht immer weiter zunimmt.

Die Supermarktketten Aldi, Edeka, Rewe und die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland beherrschen demnach rund 88 Prozent des Lebensmittelhandels. 1995 lag ihr Marktanteil noch bei 55 Prozent. Nur mit einer Preisbeobachtungsstelle könne man diese Marktmacht durchbrechen, argumentiert die Linke.

Auch wenn Linkspartei wie SPD die Lebensmittelpreise in diesem Jahr zu einem Schwerpunkt ihrer Politik machen wollen: Noch zeichnet sich keine Initiative im Bundestag ab. Für die meisten Menschen sind die Preise im Supermarkt schon länger ein Dauerthema. Bleibt abzuwarten, ob sich in einem Jahr mit fünf Landtagswahlen etwas daran ändert.

Niedrigere Inflation, aber höhere Preise – wie geht das?

Seit 2020 sind allein die Lebensmittelpreise um rund ein Drittel gestiegen – das war ein wesentlicher Grund für die hohen Inflationsraten von bis zu 7 Prozent in den vergangenen Jahren. Inzwischen liegt die Inflationsrate nur noch bei knapp 2 Prozent und damit in der Größenordnung, die die Europäische Zentralbank für angemessen hält. Nur: Das bedeutet, dass die Preise im Schnitt immer noch um fast 2 Prozent steigen und nicht, dass sie sinken.
Gleichzeitig hat fast jeder Verbraucher noch die Preise von vor fünf, sechs Jahren im Kopf – und hat daher das Gefühl, dass die Inflation weiterhin viel höher ist.

Manches wird teurer, anderes billiger – warum ist das so?
Dass Butter zuletzt billiger geworden ist, Schokolade aber immer teurer – das wissen die meisten Kunden aus den Käufen im Supermarkt. Diese Entwicklung lässt sich auch in langen Zahlenreihen des Statistischen Bundesamtes nachlesen.
Egal ob für Brot, Fisch, Kaffee oder Obst – für jeden Monat zeigt die Statistik, wie sich die Preise entwickeln. Kaffee zum Beispiel kostet wegen Ernteausfällen heute 40 Prozent mehr als 2020, Schokolade sogar gut 70 Prozent mehr – eine Entwicklung, die manchmal durch kleinere Packungsgrößen verdeckt wird. Es zeigt sich aber auch so manches Auf und Ab, zum Beispiel beim Preis von Sonnenblumenöl, der sich nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine verdoppelte und dann wieder nachgab. Der zwischenzeitliche Preisanstieg bei Molkereiprodukten hat dagegen für eine höhere Produktion gesorgt – mit der Folge, dass die Preise für Butter und Joghurt schon fast wieder auf dem Niveau von 2020 sind.

Höhere Preise – wie stark belastet das die Verbraucher?
Auf den ersten Blick bedeuten höhere Preise, dass man sich weniger leisten kann. Doch ob die Kaufkraft wirklich sinkt, das hängt von der Einkommensentwicklung ab. Vereinfacht lässt sich sagen: Steigt der Lohn stärker als die Preise, kann man sich mehr leisten, steigen die Preise dagegen schneller als der Lohn, weniger. Jahre mit so genannten Reallohnverlusten sind eigentlich sehr selten, doch 2022 war ein solches Jahr, mit seiner hohen Inflation von fast 7 Prozent, und das wirkt nach. Auch wenn es seitdem wieder Reallohngewinne gab. Von Hans-Joachim Vieweger, ARD-Hauptstadtstudio