„Wann geht es los? Ist schon alles klar? Julia Kunz, Geschäftsführerin der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) Solingen, hörte am Donnerstag beim Rundgang um den Gebäudekomplex des alten Hauptbahnhofes im Südpark immer wieder diese Fragen. Etwa 120 Interessierte waren am Nachmittag zum Rundgang und zu einer anschließenden Vorstellung von Plänen über die Entwicklung des früheren Hauptbahnhofes in die alte Schalterhalle gekommen. Doch entschieden ist noch nichts, in Stein gemeißelt schon gar nicht. „Wir müssen noch gemeinsam ein bisschen Weg gehen“, sagt Julia Kunz mit Blick auf ein Investorentrio aus Solingen.

Bei der öffentlichen Veranstaltung in der früheren Schalterhalle des Bahnhofes stellten die potenziellen Investoren für das Gelände beziehungsweise des Gebäudekomplexes ihre Pläne vor: „Es liegt uns am Herzen, diesen historischen Ort neu zu beleben“, sagte Atilla Parlar. Der in Solingen geborene und aufgewachsene Immobilienentwickler will mit dem Gastronomen Mehmet Ates (Fasil) und dem Unternehmer Berkan Ugurlu das etwa ein Hektar große Areal des ehemaligen Hauptbahnhofes mit verschiedenen Bausteinen neu entwickeln und stellte es als „Leuchtturmprojekt für die Entwicklung der Solinger Innenstadt“ dar.

So ist die Gastronomie ein wichtiger Baustein des Konzeptes. Mittags soll es hier ein zeitgemäßes Angebot für Berufstätige und Gäste geben, „abends soll die Gastronomie eine niveauvolle Adresse für Menschen mit Sinn für Qualität und Atmosphäre“ sein. Ergänzt wird das gastronomische Angebot durch die Schalterhalle, in der Veranstaltungen wie Kleinkunstabende oder Vernissagen, aber auch Familienfeiern wie Hochzeiten über die Bühne gehen.

Die Fahrgastbrücke soll ebenso einbezogen werden, beispielsweise als Kreativmarkt mit kleinen Ständen für Gastronomie, Handwerk und Kunst. Auch Kinder und Jugendliche sollen nach den Vorstellungen des Investorentrios sichtbar mitgestalten können. Im angrenzenden Nebengebäude, nicht weit von der beliebten Korkenziehertrasse entfernt, soll ein Beherbergungsbetrieb Gäste aufnehmen. Wie viele Zimmer hier möglich sind, müssen die weiteren Pläne beziehungsweise Gespräche mit der Stadt und der SEG zeigen. Der Anbau bietet jedenfalls die Voraussetzungen für ein zusätzliches Staffelgeschoss. Ein Fahrradverleih in Kooperation mit einem lokalen Fahrradhändler ist ebenfalls vorgesehen.

Ein „saisonal wandelbarer Raum“ soll unter anderem in den beiden Außenbereichen des Bahnhofsgeländes entstehen. Eine Strandbar mit Liegestühlen, in der leichte Speisen gereicht werden, wäre denkbar, wie im Winter eine Eislaufbahn samt stimmungsvollen Weihnachtsmarkt, der bis zu den Güterhallen reichen kann. Eine ganzjährig bespielbare Boulebahn ist überdies vorgesehen. Gesetzt als Mieter ist die Bergische Universität mit dem Forum Produktdesign im ersten und zweiten Obergeschoss. „Wir wollen einen mittleren siebenstelligen Betrag in die Hand nehmen, um das Projekt nach vorne zu bringen“, kündigte Atilla Parlar an. Er geht davon aus, dass „im ersten beziehungsweise zweiten Quartal kommenden Jahres“ das Solinger Investorentrio Eigentümer des alten Bahnhofsgeländes sein könnte.

Das ist bislang noch die Stadt. Die war am Donnerstagabend ebenfalls mit Vertretern bei der öffentlichen Veranstaltung vor Ort. Und verteidigte eine Frage aus dem Publikum, warum es letztlich nur einen Bewerber/Investor gebe: „Wir haben ein sicheres und transparentes Verfahren zur Grundstücksvergabe gewählt. Es gab mehrere Interessenten, aber nur ein Bewerber hat ein Angebot abgegeben“, sagte der Dezernent für die Bereiche Planung, Bauen, Verkehr und Umwelt, Andreas Budde. „Wir wollen ein überzeugendes Gesamtkonzept, da ist der Kaufpreis nicht vorrangiges Kriterium“, ergänzte Budde. Er ist sicher: Mit dem Konzept von Atilla Parlar, Mehmet Ates und Berkan Ugurlu „setzen wir ein Zeichen für Qualität und Zukunftsfähigkeit“.