Dortmund – Ist das Opfer möglicherweise ein Täter?
Nach dem Tod eines 17-Jährigen in Castrop-Rauxel (NRW) hat die Polizei die festgenommene junge Frau (17) freigelassen. Nach einer erneuten Vernehmung gehen die Ermittler nunmehr davon aus, dass sie den Jugendlichen in Notwehr tötete.
Falsche Angaben aus Angst gemacht?
Zunächst hatte die Verdächtige nach BILD-Informationen erklärt, sie sei auf dem Weg zur Fahrschule hinterrücks überfallen worden, habe sich mit einer Scherbe gewehrt. Doch: Polizisten entdeckten den stark blutenden Castrop-Rauxler mehrere Hundert Meter entfernt von dem angeblichen Tatort. Außerdem handele es sich bei der Tatwaffe möglicherweise doch um ein Messer. Polizeisprecherin Ramona Hörst: „Die 17-Jährige hat eingeräumt, dass sie zunächst auch ihren Eltern gegenüber aus Angst vor diesen falsche Angaben gemacht habe.“

Kriminaltechniker sicherten stundenlang Spuren des Verbrechens
Foto: TV7news
Tatort hinter ehemaligem Jugendtreff
Tatsächlich kannten sich die beiden und hatten sich auf der Terrasse des leer stehenden „Christophorus-Heim“ (einem ehemaligen Jugendtreff) getroffen. Dort entdeckten Kriminaltechniker große Mengen an Blut.
„Bei dem Treffen sei es nach den weiteren Angaben der Beschuldigten zu einem sexuellen Übergriff des 17-Jährigen gekommen“, so Hörst weiter. Er habe versucht, sie zum Sex zu nötigen, obwohl sie ihm mehrfach zu verstehen gegeben habe, dass sie keinen will.

Der Tatort: Hier hatte sich der Jugendliche mit der Bekannten getroffen
Foto: Andreas Wegener
Nach ihren Aussagen hatte sie sich zunächst mit Händen und Pfefferspray zu wehren versucht, dann habe sie einen spitzen Gegenstand vom Boden gegriffen. Bei der Obduktion hatten Rechtsmediziner festgestellt, dass der Jugendliche an einem Stich in den Hals verblutete.
Ein Freund (16) des Verstorbenen kann sich den Übergriff nicht erklären: „Ich kann mir das nicht vorstellen. Er war ein herzensguter Mensch und ist jedem Stress aus dem Weg gegangen.“
Ermittlungen dauern an
Eine Tatwaffe wurde bislang nicht entdeckt. Polizisten hatten am Donnerstag die Spurensicherung noch ausgeweitet, Papierkörbe in der Umgebung durchsucht. Ein Spürhund verfolgte eine Spur vom Tatort bis in die City. Polizei und Staatsanwaltschaft erklärten, die Ermittlungen würden fortgesetzt.