Es ist ein Hilfeschrei. Die Schausteller und Marktkaufleute fürchten, dass immer mehr Festplätze und Märkte verschwinden. Und fordern Hilfe von den Politikern.
Das Historische Volksfest in Stuttgart? Abgesagt! City-Flohmarkt im badischen Rheinfelden? Abgesagt! Kirschblütenfest in Marburg? Abgesagt! Frühjahrskirmes in Lage? Abgesagt! Pferdemarkt in Heilbronn? Um die Hälfte verkleinert und raus aus der Innenstadt! Überall in Deutschland können und wollen Kommunen und Vereine sich Feste und Märkte nicht mehr leisten. Meistens sind die Anforderungen an die Sicherheit zu hoch – und zu teuer.
Angst um die Existenz
„Für uns ist das eine existenzielle Bedrohung“, sagt Werner Burgmeier, der Präsident des Verbands der Schausteller und Kaufleute Baden Württemberg (LSM). Alle zwei Jahre treffen sich die Vertreter der 750 Betriebe, dieses Jahr im Maritim in Stuttgart. Zum Reden, zum Diskutieren und zum Kropf leeren, wenn am Samstag Vertreter des Landtags, Bürgermeister und Stadträte vorbei kommen.
Und sie werden einiges zu hören bekommen. Vieles hat sich angesammelt. Doch Lob gibt es auch, denn Baden-Württemberg war während der Pandemie besonders großzügig gegenüber den Schaustellern und Marktkaufleuten. Doch Corona wirkt nach. „Berufsverbot“, nennen sie es. Und viele Schausteller haben damals aufgehört. Sei es, weil sie ohnehin mit der Rente liebäugelten und nicht um des Durchhaltens willen weitermachen wollten. Sie es, weil sie in anderen Berufen unterkamen, mit 35-Stunden-Woche und regelmäßiger Bezahlung samt Rentenanspruch. Und die, die durchhielten, haben ihre Konten geplündert, die Rücklagen aufgelöst, oft auch das Geld genutzt, das als Altersvorsorge gedacht war.
Kosten steigen und steigen
Heißt, ein Polster gibt es nicht mehr. Deshalb sei es so fatal, dass allerorten die Kosten steigen, sagt Burgmeier. Energie, höhere Standgebühren, wie jetzt auch in Stuttgart, „wir können diese Kosten kaum weitergeben“, sagt er. 6 Euro fürs Kinderkarussell, da fährt niemand mehr. Doch gerade bei der Energieversorgung sei man ausgeliefert. „ Die Versorger haben ein Monopol auf den Festplätzen“, sagt Vizepräsident Timo Zöllner, „wir kommen nur einmal oder zweimal im Jahr, damit landen wir in der höchsten Preisstufe.“ Alleine für den Anschluss seines Breakdance ist er 600 Euro los.
Richtig hart treffe die Branche allerdings die Absage der Feste. „Die Kommunen können die nötigen Sicherheitskonzepte nicht mehr bezahlen“, sagt Burgmeier, „sie müssen umsetzen, was gefordert wird.“ Der Bund sei fein raus, lasse die Städte zahlen. „Das Gewaltmonopol liegt beim Stadt“, sagt er, „dann muss er es auch finanzieren und nicht anderen auflasten.“ Etwa den Schaustellern durch Umlegen der Sicherheitskosten.
Marktkaufleute müssen Lkw-Maut bezahlen
Erstaunlich findet man auch, dass Georgier und Moldawier zwar 90 Tage in der Landwirtschaft und der Gastronomie arbeiten dürfen, nicht aber auf Festplätzen. „Das hat man vergessen.“ Wie man auch bei der Maut-Regelung übersehen hat, dass es Marktkaufleute wie Volker Schönemann gibt. Wenn er mit seinen Siebentonner seine Kurzwaren und Wolle auf Märkte fährt, muss er neuerdings Maut bezahlen. Wenn er aus Blaufelden etwa nach Kirchheim/Teck fährt, kostet ihn das 50 Euro. Dann noch 100 Euro Standgebühr für einen Platz ohne Strom, und er muss schon eine Menge Wolle verkaufen, um was zu verdienen.
Schausteller müssen keine Maut bezahlen, für sie gibt es eine Ausnahme. Wie auch für Handwerker. Aber nicht für Marktkaufleute. Die hat man vergessen, als man die Maut ausgeweitet hat für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen. Was besonders absurd ist, weil die Märkte wieder wichtiger werden. Manche kleinen Gemeinden haben keine Einzelhandelsgeschäft mehr. „Da übernehmen wir die Nahversorgung“, sagt Schönemann, „die Leute warten auf uns.“ Wenn es so weitergeht, fürchtet der Verband, warten sie vielleicht in Zukunft vergebens.