Science comes to town
Wird 2026 die Sternstunde Kieler Wissenschaft? Zweifel sind angebracht
Wissenschaft soll 2026 mit der Initiative „Science comes to town“ überall in Kiel spürbar werden. Doch an dem Prestigeprojekt gibt es Zweifel. Ist das Wissenschaftsjahr innovativ – oder ein Jahr voller Wiederholungen?
Kiel. Die ganze Welt blickt 2026 auf die Wissenschaft in Kiel: Gemeinsam mit Brest und Split will die Landeshauptstadt als Austragungsort der Initiative „Science comes to town“ ein „Feuerwerk der Ideen“ zünden. Mit mehr als 1000 Veranstaltungen, 70 Partnereinrichtungen und einer Förderung in Höhe von sechs Millionen Euro wollen die drei Städte zeigen, wie sehr Forschung unser aller Leben betrifft. Große Worte, große Erwartungen. Doch ist das wirklich die Sternstunde der Wissenschaft in Kiel – oder nur ein neues Etikett für Altbekanntes?
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Ein Blick auf das Programm spricht eher für Letzteres: Viele der geplanten Aktionen von „Science comes to town“ sind nicht neu. Um genau zu sein: rund 165 der bislang 250 in Kiel angekündigten Veranstaltungen. Die „Night of the Profs“ oder die Ringvorlesungen an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) begeistern zum Beispiel seit vielen Jahren. Der größte Mehrwert liegt bisher vorwiegend in der Bündelung in einem gemeinsamen Kalender. Nach Aufbruch und Innovationsschub klingt das nicht.
Kiel sendet mit „Science comes to town“ Signal als relevanter Wissenschaftsstandort
Und doch wäre es zu kurz gegriffen, „Science comes to town“ als reine Marketingaktion abzutun. Ein Wissenschaftsjahr kann eine ganz andere Wirkung entfalten als einzelne Aktionstage. Es kann die verschiedenen Projekte in der Forschung erstmals in einem gemeinsamen Kontext sichtbar machen. So liegt der Fokus nicht nur wie sonst auf den Hochschulen und Exzellenzclustern, sondern ebenfalls auf den vielen Forschungsinstituten in der Landeshauptstadt.
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Abseits davon, ist das Projekt eine Auszeichnung für Kiel. Die Stadt gehört zu den ersten Austragungsorten überhaupt und sendet damit ein klares Signal nach Europa: Unser Wissenschaftsstandort ist relevant. Im Rahmen von „Science comes to town“ präsentieren im September Teams aus 40 Ländern bei den Eucys – der europäischen Ausgabe von „Jugend forscht“ – ihre Ideen auf dem CAU-Campus. Diese internationale Bühne kann dabei helfen, junge Talente auf Kiel aufmerksam zu machen und langfristig für den Standort zu gewinnen.
Nicht alle Veranstaltungen stehen schon fest: Die Landeshauptstadt Kiel und die Kiel-Region führen noch zahlreiche Gespräche. Genau darin liegt jetzt die eigentliche Chance. Wenn „Science comes to town“ mehr sein soll als ein Schaufensterprojekt, braucht es Formate, die Dialog ermöglichen. In Zeiten von Fake News und Wissenschaftsskepsis ist es wichtiger denn je, das Vertrauen in die Forschung zu stärken. Und zugleich ist es ein idealer Zeitpunkt, um inmitten der Führungskrise der CAU einen neuen Impuls in der Außenwirkung des Wissenschaftsstandorts Kiel zu setzen.
Ende 2026 muss sich die Region Kiel daran messen lassen, was sie aus „Science comes to town“ gemacht hat. Über den Erfolg entscheidet nicht die Anzahl an Veranstaltungen. Entscheidend ist, ob Wissenschaft zum Gesprächsthema wird – nicht nur auf Podien, sondern an Kieler Küchentischen.
KN