In Halle bangen rund 680 Mieter weiter um ihr Zuhause. Bei einem Bürgerdialog hat die Stadt am Donnerstagabend zum Fortbestand der Bevo-Immobilien im Wohngebiet Südpark informiert. Es drohe die Einstellung der Versorgung, man rate den Mietern daher, aktiv zu werden, sagte Oberbürgermeister Alexander Vogt (parteilos). Die Stadt selbst dürfe nicht in den Wohnungsmarkt eingreifen. Hintergrund ist die Zahlungsunfähigkeit des Immobilienunternehmens Bevo DE Alpha 2a GmbH, der über 1.000 Wohnungen in dem Wohngebiet gehören.
Laut Vogt ist eine Versorgungseinstellung für die Stadtwerke zwar das „letzte Mittel“. Dennoch müsse man damit rechnen, sollte sich an der aktuellen Lage nichts ändern. Ziel sei es, unter Nutzung aller rechtlichen und praktischen Möglichkeiten eine Lösung für die Betroffenen zu finden. Es sei Eigenverantwortung und Selbstfürsorge der Mieter gefordert, so Vogt. Auf dem Bürgerdialog wurde auch eine Liste mit Wohnungsunternehmen und Kontaktdaten verteilt.
Umzug für Mieter nicht leicht
„Warum können wir nicht die Betriebskosten an Sie überweisen?“, ruft eine Mieterin dem Geschäftsführer der Stadtwerke Halle, Matthias Lux, zu. Dies sei aufgrund der geglätteten Abschläge vor allem für Fernwärme keine Option, so Lux. Es gibt Zwischenrufe und Beschwerden. Einige Mieter können nicht verstehen, warum die Stadt nicht eingreifen kann. Andere erklären, warum sie gerne im Südpark wohnen bleiben möchten oder bisher noch keine andere Wohnung finden konnten.
Sie können doch jetzt nicht verlangen, dass die Leute ausziehen.
Christine Liebschwager
Anwohnerin
Eine von ihnen ist Christine Liebschwager. Seit 40 Jahren wohnen sie und ihr pflegebedürftiger Mann im Südpark. Die Suche nach einer anderen Wohnung sei in ihrem Alter anstrengend. Obwohl sie auch eine kleinere Wohnung in Betracht zögen, hätten sie bisher nichts gefunden, sagt Liebschwager. „Sie können doch jetzt nicht verlangen, dass die Leute ausziehen. Was passiert denn? Ich sage es ihnen ehrlich: Wir ziehen nicht aus!“, ruft sie während des Bürgerdialogs und erntet dafür eine Menge Beifall.
Finanzielle Reserven aufgebraucht
MDR-Informationen nach hatte zuletzt die BAG-Bank die Grundschuld für die Immobilien übernommen und die Instandhaltung sowie die Versorgung der Häuser seit dem 19. November vergangenen Jahres übergangsweise finanziert. Anfang Januar waren dann noch einmal Vermögenswerte aufgetaucht, die den Bewohnenden eine Gnadenfrist beschert hatten. Die Versorgung konnte zunächst bis Mitte Januar gesichert werden. Doch dem Anschein nach gehen auch diese finanziellen Reserven nun zu Ende.
Ohne weitere Zahlungen können sowohl die Reparaturen der sich häufenden Havarien, als auch die Versorgung der Häuser mit Wasser, Strom und Fernwärme nicht weiter finanziert werden. Den Bewohnerinnen und Bewohnern der Häuser, viele von ihnen Familien, droht demnach zeitnah eine unzumutbare Wohnsituation – auf unbestimmte Zeit.
Moravia interessiert an Bevo-Häusern
Laut MDR-Informationen hat die Moravia Immobilien GmbH im Herbst vergangenen Jahres ein Kaufangebot für das Bevo-Portfolio gemacht. Doch der Leerstand sei höher und der Sanierungsstand schlechter als erwartet gewesen, teilte Geschäftsführer Tillmann Mähren auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mit. Die Preisvorstellungen des Verkäufers habe man zuletzt als zu hoch betrachtet. Moravia sei jedoch weiterhin an den Objekten interessiert, so Mähren. Das Unternehmen besitzt bereits Immobilien im Südpark.