Eine Luftaufnahme die die Zerstörung in Gaza-Stadt im Gazastreifen zeigt.

Stand: 16.01.2026 21:42 Uhr

In Kairo ist die palästinensische Übergangsverwaltung des Gazastreifens erstmals zusammengekommen. Sie will sich um den Wiederaufbau des zerstörten Küstenstreifen kümmern. Laut UN-Schätzung wird das etwa 50 Milliarden US-Dollar kosten.

Die neue Übergangsverwaltung für den Gazastreifen ist zu ihrer ersten Sitzung zusammengekommen. „Die Palästinenser haben sich auf dieses Komitee, seine Einrichtung und seine Arbeit, um sie zu retten, gefreut“, sagte der Chef des Komitees, Ali Schaath, nach dem Treffen in Kairo. Das Komitee soll das palästinensische Gebiet unter Überwachung durch die USA regieren. Der Gazastreifen ist knapp zwei Jahrzehnte lang von der militant-islamistischen Hamas regiert worden.

Die militant-islamistische Terrorgruppe Hamas und die palästinensische Autonomiebehörde hatten sich am Mittwoch auf die Zusammensetzung des Technokratengremiums geeinigt. Es besteht aus 15 Palästinensern, angeführt von Schaath.

Übergangsverwaltung soll Wiederaufbau leiten

Die US-Regierung hatte ebenfalls am Mittwoch den Beginn der zweiten Phase der Waffenruhe im Gazastreifen bekanntgegeben. Gemäß dem im vergangenen Jahr von US-Präsident Donald Trump vorgestellten Plan soll die Übergangsverwaltung von einem „Friedensrat“ überwacht und beaufsichtigt werden, den Trump nach eigenen Angaben selbst leiten wird.

Die Übergangsverwaltung soll für die alltäglichen Entscheidungen in dem Palästinensergebiet wie den Wiederaufbau zuständig sein. Der US-Plan sieht außerdem die Entsendung einer internationalen Stabilisierungstruppe vor.

Der ehemalige Vizeminister der Autonomiebehörde, Ali Schaath, leitet das Technokratengremium.

Millionen Tonnen Trümmer müssen beseitigt werden

In einem Interview mit ägyptischen Staatsmedien sagte Schaath, er wolle zunächst Infrastruktur und Wirtschaft wiederherstellen. Das dürfte Schaath zufolge knapp drei Jahre dauern. Vor allem die Schaffung neuen Wohnraums sei wichtig. Den Vertriebenen, die bisher „in vom Wind fortgerissenen Zelten“ ausharren müssten, könne so „ihre Würde zurückgegeben“ werden.

Aus einer Datenanalyse von ARD und BR geht hervor, dass in dem gut zweijährigen Krieg mit Israel etwa zwei Drittel aller Häuser im Gazastreifen beschädigt oder zerstört worden sind. In Städten wie Gaza-Stadt und Rafah sogar mehr.

Schaaths Aussage, er könne sich vorstellen, Trümmer mit Bulldozern ins Meer zu schieben, sorgte in Gaza und in Israel für Skepsis. Es gelte 68 Millionen Tonnen Trümmer zu beseitigen, so Schaath. Problematisch ist vor allem nicht explodierte Munition, die die Aufräumarbeiten erschwert.

Die Vereinten Nationen (UN) beziffern die Kosten des Wiederaufbaus auf etwa 50 Milliarden US-Dollar. Er könnte UN-Angaben zufolge bis zum Jahr 2040 dauern. Ein weiteres Problem ist die Entwaffnung der Hamas im Gazastreifen. Freiwillig will die Terrororganisation ihre Waffen nicht abgeben.

Waffenruhe immer wieder gestört

Israels Premier Benjamin Netanjahu äußerte sich nicht öffentlich zur zweiten Phase der Waffenruhe, soll sie aber als rein symbolisch bezeichnet haben. Noch immer ist eine tote Geisel im Gazastreifen. Damit ist aus israelischer Sicht eine wichtige Bedingung der ersten Phase nicht erfüllt.

Die seit dem 10. Oktober 2025 geltende Waffenruhe im Gazastreifen zwischen der Hamas und Israel ist fragil. Beide Seiten werfen sich immer wieder Verstöße gegen die Vereinbarung vor. Am Freitag erklärte die israelische Armee, sie habe den Gazastreifen als Reaktion auf einen „Verstoß“ gegen die Waffenruhe angegriffen. Die Angriffe hätten sich gegen „mehrere Terroristen“ gerichtet, darunter Kommandeure der Hamas und der Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad.

Am 7. Oktober 2023 hatten Hamas-Kämpfer und verbündete Milizen Israel überfallen und mehr als 1.200 Menschen getötet. Etwa 250 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

Mit Informationen von Bettina Meier, ARD-Studio Tel Aviv