- In Gelsenkirchen brachen Täter kurz nach Weihnachten in den Tresor einer Sparkasse ein.
- Mit einem professionellen Kernbohrer öffneten sie fast alle von über 3000 Schliessfächern.
- Um Spuren zu verwischen, setzten die Einbrecher Säure ein und legten bewusst falsche Haar-Spuren aus,.
- Die mutmassliche Beute soll weit über 100 Millionen Euro betragen.
Nach dem spektakulären Einbruch in eine Sparkasse in Gelsenkirchen werden immer mehr Details bekannt, wie die «Bild»-Zeitung berichtet. Die Täter bohrten sich mit einem professionellen Kernbohrer durch den Archivraum in den Tresor und öffneten dort fast alle Schliessfächer.
Um den Diamantbohrer zu kühlen, zapften sie über einen mehr als 20 Meter langen Gartenschlauch Wasser aus der Damentoilette ab – gemäss Experten deutet dies auf ein Fachwissen hin. Als am frühen Morgen ein Feueralarm auslöste, war der Schlauch jedoch verschwunden. Ermittler vermuten, dass ein Komplize die Täter warnte.
Ermittlungen deutlich erschwert
Im Tresorraum hatten die Einbrecher zuvor Bewegungsmelder abgeklebt. Um Spuren zu verwischen, verteilten sie Säure und entleerten einen Feuerlöscher. Die Ermittlungen sind dadurch erschwert und müssen unter Schutzbedingungen erfolgen.
Besonders auffällig: Die Täter legten offenbar bewusst falsche Spuren. Im Tresorraum fanden sich zahlreiche Haare, möglicherweise aus einem Friseursalon, um Ermittler in die Irre zu führen.
- Zugang zur Tiefgarage: In den Tagen vor dem Raub liess sich das Tor zur Tiefgarage plötzlich nicht mehr mit dem Zugangs-Chip öffnen. Die Mietenden mussten sich bei der Parkhauszentrale per Gegensprechanlage anmelden, damit das Tor aufgedrückt werden konnte. Die Ermittelnden vermuten, dass das Tor manipuliert wurde. Eine Kameraüberwachung gibt es dort nicht.
Die Stahltür: Um in die Bank zu gelangen, musste die Täterschaft eine Stahltür überwinden. Offenbar wurde diese zuvor von innen manipuliert. Da sie nur einen Knauf hat, lässt sie sich von aussen nicht mit einem Schlüssel öffnen, und auch ein Code-Feld gibt es nicht.
Die letzte Tür: Eine dritte Tür lässt sich nur mit einem Schlüssel öffnen. Sie wurde gemäss dem Ermittlerteam ohne Alarmauslösung geöffnet. Wie genau, ist noch unklar.
Der Archivraum: Die Bohrmaschine wurde genau an der richtigen Wand angesetzt, um in den Tresorraum zu gelangen. Es handelte sich um eine Wand im Archivraum. Möglicherweise wurde zuvor auch in einem Schliessfach ein Tracker platziert, der nach dem Einbruch wieder mitgenommen wurde.
Die Schliessfächer: Gemäss den Ermittelnden ist auffällig, dass kaum leere Fächer geknackt und keine Wertgegenstände entwendet wurden, die mittels einer Registrierung identifiziert werden könnten (z. B. Luxusuhren). Auch besonders auffälliger Schmuck mit Edelsteinen soll die Bande nicht mitgehen lassen haben.
Beim Coup kurz nach Weihnachten knackten die Täter über 3000 Schliessfächer. Die mutmassliche Beute soll weit über 100 Millionen Euro betragen. Registrierte oder leicht identifizierbare Wertgegenstände liessen sie zurück.
Bisher gibt es keine Hinweise auf die Identität der Einbrecher. Vor einigen Tagen wurden in einem Abfalleimer beim Dortmunder Bahnhof die verwendeten, geklauten Kontrollschilder entdeckt.
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Daniela Wyler (wy), Jahrgang 1978, arbeitet seit 2023 für 20 Minuten im Newsdesk als Nachtschicht vom Ausland aus.
