Der Dresdner Kreuzchor hat aufregende Wochen hinter sich. Die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel sind immer mit zahlreichen Konzerten verbunden, doch dieses Mal sorgte ein KI-generiertes Fake-Album für zusätzliche Aufregung.
Kurz vor Weihnachten erschien unter dem Titel „Fröhliche Weihnacht“ ein vermeintlich neues Weihnachtsalbum des weltberühmten Knabenchors auf Streaming-Plattformen wie Spotify. Auch auf Youtube konnte das Album abgerufen werden. Doch der Kreuzchor hatte mit den eher popigen Titeln nichts zu tun – die Musik, wie auch das Album-Cover, das fälschlicherweise auch Mädchen im Knabenchor zeigt, wurden mit künstlicher Intelligenz generiert.
Kreuzchor Dresden geht juristisch gegen Fake vor
Für den Kreuzchor sei die Veröffentlichung zunächst ein Schock gewesen, wie Kreuzkantor Martin Lehmann erzählt. Der Kirchenmusiker sagte MDR KULTUR: „Wir ziehen natürlich einige Schlüsse draus. Wir sind gerade in der Phase zu ergründen, wer in der Lage war, das auf unseren Accounts hochzuladen und warum das so einfach geht.“
Natürlich ist uns ein Imageschaden entstanden.
Martin Lehmann, Kreuzkantor
Die Verantwortlichen des Chors behalten sich rechtliche Schritte vor. „Natürlich ist uns ein Imageschaden entstanden“, sagt Lehmann. Die Titel, die mittels künstlicher Intelligenz erstellt wurden, mit dem Dresdner Kreuzchor zu verbinden, sei bodenlos, so der Kreuzkantor. Er sei wirklich empört und betont: „Das, was man dort gehört hat, war ein Blechnapf an Unaussprechlichkeiten.“
Besserer Schutz vor KI in der Zukunft
Lehmann erhofft sich durch die eingeleiteten Aufklärungsschritte, „ein bisschen die klassische Musik aufrütteln, dass sich jeder fragt, bin ich schon so geschützt, dass niemand so leicht etwas unter dem Namen veröffentlichen kann.“
Denn ihn hätte überrascht, wie einfach die Fälschung möglich gewesen ist. „Ich hab bisher immer gedacht, am klassischen Musikmarkt oder am klassischen Musiker geht das Thema KI so ein bisschen vorbei. Und man erlebt genau das Gegenteil.“
Ich habe bisher gedacht, am klassische Musikmarkt geht das Thema KI vorbei.
Martin Lehmann, Kreuzkantor
Der Dresdner Kreuzchor will für die Zukunft bessere technische Schutzvorkehrungen treffen. Außerdem setzt Kreuzkantor Lehmann auf die musikalische Qualität. Wer ein Konzert des Kreuzchors erlebt habe, wisse wie er sich anhöre und könne unterscheiden, was original und was eine „dumme Fälschung“ sei. Für dieses Jahr hat der Chor auch ein echtes Weihnachtsalbum angekündigt, das wird allerdings erst im Dezember 2026 erscheinen.
Quellen: MDR KULTUR (Michael Ernst), redaktionelle Bearbeitung: lig