Mit der Industriestrategie 2035 definiert die Bundesregierung zentrale Leitlinien für die Weiterentwicklung des Industriestandorts Österreich. Ziel ist eine sozial ausgewogene und ökologische Transformation der Industrie sowie mehr Planungs- und Investitionssicherheit für Unternehmen. Zentrales Element ist die erstmalige klare Definition von neun Schlüsseltechnologien und industriellen Stärkefeldern, in denen Österreich bereits über hohe Kompetenz verfügt oder entsprechendes Entwicklungspotenzial sieht.

Die Industrie erwirtschaftet rund ein Viertel der heimischen Bruttowertschöpfung und stellt mehr als 1,2 Millionen Arbeitsplätze direkt und indirekt. Gleichzeitig steht sie unter zunehmendem Kosten- und Transformationsdruck – insbesondere durch Energiepreise, internationale Lieferketten und steigende regulatorische Anforderungen.

Für den Zeitraum 2026 bis 2029 sind dafür insgesamt 2,6 Milliarden Euro vorgesehen. Gefördert werden unter anderem Künstliche Intelligenz und Dateninnovation, Mikroelektronik, fortgeschrittene Produktions- und Werkstofftechnologien, Quantentechnologie, Life Sciences, Energie- und Umwelttechnologien, Mobilitäts-, Luftfahrt- und Weltraumtechnologien.

Fachkräfte und Qualifizierung

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Strategie liegt auf Aus- und Weiterbildung. Gut qualifizierte Fachkräfte gelten als Voraussetzung für die Entwicklung und Anwendung der Schlüsseltechnologien. Vorgesehen sind Maßnahmen zur Weiterbildung von Beschäftigten in der Industrie sowie die Schaffung neuer Lehrberufe in den definierten Stärkefeldern. Ziel ist es, das Fachkräfteangebot qualitativ und quantitativ zu sichern und die Beschäftigten am technologischen Fortschritt teilhaben zu lassen.

Mobilität und Logistik

Im Bereich Mobilitätstechnologien setzt die Strategie auf die Stärkung des Bahnstandorts Österreich. Die Bahnindustrie erwirtschaftet laut Regierungsangaben eine Wertschöpfung von über drei Milliarden Euro bei einer Exportquote von 68 Prozent. Ab 1. Jänner 2027 soll eine Senkung der Energiekosten für Bahnstrom die Wettbewerbsfähigkeit des Güter- und Personenverkehrs auf der Schiene verbessern und die industrielle Logistikkette entlasten.
Darüber hinaus sieht die Industriestrategie den Aufbau einer Logistikstandortstrategie vor. Maßnahmen in den Bereichen Digitalisierung, Klimaschutz, Ausbildung, Innovation und Infrastruktur sollen die Branche stärken und den Wirtschaftsstandort langfristig absichern.

Kreislaufwirtschaft als wirtschaftlicher Hebel

Ein zentrales Element der Strategie ist der Übergang von linearen zu zirkulären Produktionsmodellen. Materialeffizienz, Recyclingfähigkeit und der Einsatz von Sekundärrohstoffen sollen systematisch gestärkt werden. Ziel ist es, Importabhängigkeiten zu reduzieren, Kosten zu stabilisieren und industrielle Resilienz zu erhöhen. Die Bundesregierung sieht in der Kreislaufwirtschaft ein erhebliches wirtschaftliches Potenzial, insbesondere für rohstoffintensive Branchen. Investitionen in Recyclingtechnologien, digitale Materialflüsse und neue Geschäftsmodelle sollen dazu beitragen, Wertschöpfung im Land zu halten und gleichzeitig Umweltauflagen wirtschaftlich umsetzbar zu machen.

Lebensmittelindustrie im Transformationsprozess

Auch die Lebensmittelindustrie wird im Kontext von Kreislaufwirtschaft und industrieller Transformation adressiert. Als einer der größten Verarbeitungssektoren steht sie vor Herausforderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Rohstoffverfügbarkeit über Energieeinsatz bis hin zu Verpackung und Logistik.

Die Strategie hebt insbesondere die Bedeutung effizienter Ressourcennutzung, reduzierter Lebensmittelverluste und nachhaltiger Verpackungslösungen hervor. Durch technologische Innovationen und industrielle Standards soll die Wettbewerbsfähigkeit der Branche gesichert und zugleich die ökologische Belastung gesenkt werden.

Standortpolitik und öffentliche Beschaffung

Flankierend setzt die Industriestrategie auf eine stärkere strategische Ausrichtung der öffentlichen Beschaffung. Das Leitprinzip „Made in Europe & Partner Countries“ soll dazu beitragen, industrielle Wertschöpfung in Europa zu halten und Investitionen in heimische Produktionskapazitäten zu unterstützen.

Die Bundesregierung verfolgt mit der Industriestrategie das Ziel, Innovationskraft, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung zu stärken und gleichzeitig Klimaziele voranzutreiben. Die Strategie ist als Orientierungsrahmen bis 2035 angelegt.