Standdatum: 17. Januar 2026.

Autorinnen und Autoren:
Felix Krömer und
Verena Patel

Die neue Innensenatorin war bei buten-un-binnen-Moderator Felix Krömer zu Gast. Von Investitionen über Drohnenabwehr bis zum Verfassungsschutz gab es einiges zu besprechen.

Fast 19 Jahre lang hatte Ulrich Mäurer das Amt des Bremer Innensenators inne, er machte sich als „Roter Sheriff“ einen Namen. Dennoch sind viele innenpolitische Probleme noch nicht gelöst – und so kommt auf die neue Innensenatorin Eva Högl einiges zu.

Bremen gilt nach einer Studie als die kriminellste Großstadt Deutschlands. Der Hauptbahnhof ist für viele Menschen ein Angstort, die Polizei ist personell unterbesetzt und materiell schlecht ausgestattet. Eva Högl, die neue Innensenatorin, hat einen Haufen Arbeit abzuarbeiten, aber nur wenig Zeit. Denn schon im Jahr 2027 sind Bürgerschaftswahlen in Bremen.

1 Landesprogramm „Bremen resilient“

Was muss Bremen tun, um mit Bedrohungslagen umzugehen? Und wie kann jeder einzelne sich auf den Katastrophenfall vorbereiten? Warum Eva Högl das Programm „Bremen resilient“ für „vorbildlich“ hält und wo sie Bedrohungen auch für Bremen sieht, erklärt sie ab Minute 3:15.

Das Programm soll drei Jahre lang laufen (bis Ende 2028). Es sei wichtig, dass man sich für den Fall der Fälle wappne. Sie gibt aber auch Entwarnung: „Ich rechne nicht mit russischen Kampfjets über Bremen und Bremerhaven.“ Gerade in den Bereichen der hybriden Bedrohung und bei Cyberangriffen müsse man aufpassen, dass man die Bedrohung ernst genug nehmen und auch abwehren könne.

Das Programm sieht 60 Maßnahmen vor: neben verschiedenen Punkten zum Schutz der kritischen Infrastruktur auch die Einrichtung eines Büros, das Zuständigkeiten klärt und die Maßnahmen koordiniert – angesiedelt im Innenressort.

2 Sicherheit des Bremer Stromnetzes

Ab Minute 12:50 argumentiert die Innensenatorin, dass es in Bremen ein viel dezentraleres Netz gebe und die Hansestadt deutlich besser aufgestellt sei als Berlin, wo vor wenigen Tagen Teile der Stadt von der Stromversorgung abgeschnitten waren. Seit 2022 habe man viel investiert, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Högl führt gleichwohl aus, warum sie eine zu große Transparenz im Zusammenhang mit möglichen Angriffen aufs Stromnetz kritisch sieht.

3 Wie man selbst vorsorgen kann

„Auch die Bürgerinnen und Bürger sind aufgefordert, Vorsorge zu treffen, und das darf man auch nicht ins Lächerliche ziehen“, sagt Högl. Welche Punkte sie dabei für am wichtigsten hält, erklärt die Innensenatorin ab Minute 16:50. Ansonsten setzt sie auf Freiwilligkeit. Erste-Hilfe-Kurse in der Schule hält sie für sinnvoll, ebenso wie eine Plakatkampagne – aber ohne Alarmismus, sagt sie ab Minute 30:01.

4 Cyberangriffe

Laut Högl ist man in Deutschland deutlich besser vor Cyberangriffen geschützt als noch vor einigen Jahren. Das Thema werde nicht mehr belächelt, sondern ernst genommen. Gesetze seien verändert, Ressourcen umgelenkt worden. Warum sie schon früh vor bestimmten Anbietern und Techniken gewarnt hat, sagt sie ab Minute 22:04.

5 Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum von Bund und Ländern

In Bremen waren Ende 2025 Drohnen gesichtet worden, deswegen musste unter anderem der Flughafen zwischenzeitlich lahmgelegt werden. Ab 25:52 macht Högl deutlich, was dabei am wichtigsten ist und wie eine Zusammenarbeit in Norddeutschland mit Hamburg und Niedersachsen laufen sollte.

6 Mehr Personal für den Verfassungsschutz

„Der Verfassungsschutz muss aufgestockt werden“, stellt Högl im Gespräch mit Felix Krömer klar. Unter Ulrich Mäurer waren zuletzt Stellen abgebaut worden. Es gebe nun ein kleines, aber feines Team, lobt die neue Innensenatorin.

7 Bremerhaven als Marine-Stützpunkt

Wenn die Pläne zu einem Marinehafen realisiert würden, würde die Bundeswehr massiv in Bremerhaven stationiert sein, sagt Högl. Hier verwende sie aber bewusst viel den Konjunktiv, um zu unterstreichen, dass noch nichts sicher ist. Wie sich das auf eine Bedrohungslage auswirken könnte und welche Relevanz dem Hafen zukommt, sagt sie ab Minute 33:40.

8 Pläne bis zur Bürgerschaftswahl

Ab Minute 38:29 führt Högl aus, inwiefern sie an die Politik ihres Vorgängers anknüpfen will. Auf dem Plan steht: das Polizeigesetz erneuern, das Verfassungsschutzgesetz erneuern, ein neues Versammlungsfreiheitsgesetz auf den Weg bringen und beschließen.

Außerdem will sie sich um die Gelder aus dem Investitionspaket des Bundes kümmern: 27 Millionen Euro sollen der Polizei zugutekommen, sieben Millionen der Bremer Feuerwehr. Welche Bereiche besonders davon profitieren sollen und warum sie einen der Schwerpunkte in der Digitalisierung sieht, führt Högl ab Minute 56:44 aus. Sie hofft zudem auf eine Mehrheit in der Bürgerschaft für die Ausstattung der Bremer Polizei mit sogenannten Tasern.

9 Kriminalität in Bremen

Beim Hauptbahnhof habe sich schon vieles gebessert, meint Högl. Was schon erreicht ist, listet sie ab Minute 42:42 auf und erklärt ihre Haltung zur Videoüberwachung, insbesondere am Ziegenmarkt. Zu den Themen Waffenverbotszonen und Drogenszenen in den Stadtteilen sei sie noch in Gesprächen. Auch die mobile Wache am Hillmannplatz soll bleiben. Högl spricht sich gleich für mobile Wachen im Allgemeinen aus: „Ich bin ein totaler Fan von mobilen Wachen. […] Je mobiler, je präsenter, je flexibler, umso besser.“

Ab Minute 47:40 erklärt Högl, welche Linie sie beim Thema Abschiebungen halten will und warum es aus ihrer Sicht unseriös wäre, ein konsequentes Abschieben zu versprechen.

Angesprochen auf den Umgang mit der wachsenden Migration seit 2015 gesteht die Bremer Innensenatorin ein, die SPD habe das Thema unterschätzt. „Wir sind jetzt auch ein Stück weit selber schuld, dass wir AfD-Hochburgen haben in sozial benachteiligten Stadtteilen.“ Ab Minute 53:16 legt sie aber auch dar, warum sie findet, dass Bremen stolz sein könne, so viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufgenommen zu haben.

Quelle:
buten un binnen.

Dieses Thema im Programm:
butenunbinnen.de, „Wie wollen Sie Bremen sicher machen, Frau Högl?“, 17. Januar 2026, XX Uhr