Der Club „Chaplin“ in der Mannheimer Innenstadt hat am 31. Dezember seine letzte öffentliche Party gefeiert. Es wird nur noch eine Fasnachtsparty der Carnevalsgesellschaft Feuerio geben. Darüber berichtete zuerst der „Mannheimer Morgen“. Gestiegene Kosten und sinkende Gästezahlen seien die Gründe für das Aus. Das bestätigte der Clubinhaber Valon Imeri dem SWR. Weiteres wollte Imeri nicht hinzufügen.
Corona-Pandemie: Das Aus für das Nachtleben?
Den Club „Chaplin“ hatten Valon Imeri, Patrick Weisenburger und Christian Weisenburger 2017 gemeinsam eröffnet. Erst im vergangenen September haben die Weisenburger-Brüder ihre Anteile an Imeri verkauft, damit der Club wirtschaftlicher wird, so Patrick Weisenburger gegenüber dem SWR. Als mögliche Ursachen sieht er die Corona-Pandemie und die stetig steigenden Fixkosten wie etwa bei der Miete und beim Personal.
„Es findet ein Wandel statt und das ist keine schöne Entwicklung“
Patrick Weisenburger beobachtet außerdem einen Wandel im Ausgehverhalten von jungen Menschen. Der Eventmanager organisiert seit mehr als 20 Jahren Partys – unter anderem die „Schneckenhof-Partys“ der Universität Mannheim. „Die jungen Leute erzählen mir, dass sie lieber Daydrinking machen oder einen ‚healthy lifestyle‘ führen, statt verkatert im Bett zu liegen“, sagte der Mannheimer.
Der Gen Z hat keiner das Feiern beigebracht, und die Millennials haben sich zu sehr an Spieleabende gewöhnt.
Konkurrenz zwischen Bars und Clubs?
Eigentlich hätte DJ „Chico Chiquita“ bei der Silvesterparty 2025 im „Blue Tower“ und „Restaurant Lindbergh“ im Mannheimer Stadtteil Neuostheim auflegen sollen. Doch dazu kam es nicht: Hier öffneten am 27. Dezember die Türen zum letzten Mal. Seit 25 Jahren legt der DJ in Mannheim auf. Er hat das Ende von mehreren Mannheimer Clubs miterlebt – darunter: der „Koi Club“ (Schließung: Ende 2018) und der Club „Baton Rouge“ (Schließung: Mitte 2020). Überall lief am Ende derselbe „musikalische Einheitsbreit“, sagt der DJ.
Ging man vor 15 und 20 Jahren aus, um musikalisch überrascht oder vom DJ gut unterhalten zu werden, machen das heutzutage eher TikTok und Spotify.
Auch er beobachtet einen Wandel: Die Gen Z kenne das klassische „Club-Hopping“ nicht, also mehrere Clubs an einem Abend zu besuchen. Sie setzen nach Angaben des DJs eher auf Bars ohne Eintritt. „Bars sind der heiße Scheiß“, erzählt der DJ. „Ich würde mich aktuell auch nicht trauen, einen Club zu eröffnen, aber wenn, dann sollte man mit einem starken, nachvollziehbaren Konzept auf den Markt gehen“, so der DJ weiter.
Baden-Württemberg

Corona-Pandemie, Inflation und Co.
Clubsterben in BW: Gehen Studierende weniger feiern?
Erst Corona, dann die Inflation – die Clubszene in Baden-Württemberg hat es seit Jahren nicht leicht. Eine Theorie: Vor allem junge Menschen gehen seltener in Clubs.
Mannheims Nachtbürgermeister beobachtet angespannte Lage
Robert Gaa ist seit August 2020 Nachtbürgermeister in Mannheim. Er bestätigt, dass das Nachtleben es nicht leicht hat. Gaa führt auch die Inflationen, den Mindestlohn sowie das gesundheitsbewusste Ausgehverhalten der jungen Menschen nach der Corona-Pandemie als mögliche Gründe auf. Der Nachtbürgermeister beobachtet ebenfalls eine starke Konkurrenz zwischen Clubs und Bars.
Achtsamkeit statt Ausnahmezustand: Anderes Ausgehverhalten
Einer der ältesten Nachtclubs in Mannheim ist das „Tiffany“ in den Quadraten. Ihr Erfolgsrezept: Unter anderem ihr persönlicher und familiärer Kontakt zu ihren Gästen, so erzählen es die beiden Betreiber Max Dierschke und Milian Esselborn. Sie freuen sich über ein „konstantes Besucherniveau“, spüren aber auch, dass die aktuelle Wirtschaftslage besonders die Jugend trifft.
Früher hast du nur die Türen aufgemacht und die Leute kamen. […] Jetzt musst du dich den Trends anpassen und aktiv die Menschen zum Feiern bewegen.
Unter den Gästen seien „viele, die aus Karlsruhe oder von der Bergstraße kommen, wo es nichts mehr gibt“, so Dierschke. Die Mannheimer „Clubszene stirbt nicht aus, sondern fokussiert sich nur“. Damit meinen Esselborn und Dierschke, dass man als Betreiber reagieren und sich etwas einfallen lassen müsse, wenn heute bewusster, früher und „gesünder“ ausgegangen wird.