Boot: Wer dieses Wort hört, denkt nicht direkt an niedrigschwellige oder kostengünstige Angebote, sondern eher an elitäres Vergnügen. Genau diesem Vorurteil aber will Petros Michelidakis, Direktor der Boot in Düsseldorf, das Wasser abgraben: „Wir wollen, dass Wassersport für alle zugänglich wird“, sagt der Mann mit der roten Brille bei der traditionellen Pressekonferenz – wenige Tage vor Beginn der weltgrößten Ausstellung für alles, das im kühlen Nass Bewegung und Begeisterung bringt.
Tatsächlich unternimmt die Messe Düsseldorf eine Menge, um nicht nur gut betuchte Bootkäufer in die Hallen zu locken, sondern auch möglichst viele Familien. Messe-Geschäftsführer Marius Berlemann, Vater von zwei Grundschulkindern, erinnert sich an sein erstes Mal auf der Boot – vor rund 30 Jahren: „Ich habe mir hier eine Taucherbrille gekauft und so einen Zugang zu diesem Sport bekommen.“ Um möglichst viele kindgerechte Eindrücke von der Ausstellung mit nach Hause zu nehmen, haben wir vier Tipps zusammengestellt.
Schon kleine Kinder können auf dem Messegelände großen Spaß haben. Von dem guten Dutzend Mitmach-Aktionen können wir aus eigener redaktioneller Erfahrung besonders Halle 14 empfehlen. Dort kann man ganz spontan per Kajak oder Kanu einen künstlichen Flusslauf entlang paddeln. Ausrüstung und Anweisung inklusive. Neu in diesem Jahr ist ein tägliches Rennen ab 16.30 Uhr: Drei Besucher können gegeneinander antreten, dafür braucht es eine Reservierung vor Ort oder online auf boot.de.
In Halle 15 können etwas ältere Kinder ganz ohne Mama und Papa das erste Mal per Segelboot in See stechen. Unter Aufsicht von Segeltrainern des Unterbacher Sees kann man ohne Voranmeldung eine kleine Jolle besteigen und das 25 Meter lange Becken erkunden – angetrieben von Windmaschinen.
Wer dann immer noch Energie hat, kommt im Hochseilgarten (Halle 14) oder an der Hüpfburg (Halle 13) auf seine Kosten. Weitere Wassersportarten zum Ausprobieren: Angeln (Halle 3), Stand-Up-Paddling (Halle 17), Tauchen und Mermaiding (Halle 12). Wer auf boot.de kein freies Zeitfenster mehr findet, sollte vormittags vor Ort sein – spontan buchbare Slots werden täglich freigehalten.
Polizist werden will fast jedes Kind irgendwann mal, nach einem Besuch der Boot-Messe womöglich mit Spezialisierung: In Halle 14 steht ein Streifenboot der Wasserschutzpolizei. Bei der Besichtigung gibt es auch Infos zur Polizeiarbeit bei Schiffsunfällen, Umweltdelikten und Rettungseinsätzen – beispielsweise wegen (mittlerweile illegalen) Schwimmens im Rhein.
Was tun, wenn Wasser ins Boot eindringt und das Schiff zu sinken droht? In Halle 15 können Kinder selbst Hand anlegen und ein Leck in einem Segelboot stopfen. Die Trainingsjacht „Meri Crash“ dient jungen Forschern und Entdeckern als Versuchsobjekt, um Probleme zu lösen und im kühlen Nass cool zu bleiben.
Halle 13 sollten sich alle anschauen, die einen Sommerurlaub am Wasser planen. Manche Reiseanbieter machen während der zehntägigen Messe ein Viertel ihres Jahresumsatzes, weil sich so viele Menschen vor Ort überzeugen lassen.
Dieses Jahr präsentiert sich erstmals Finnland als neue Wassersport-Destination – eine Gegend, die man nicht als Erste mit Bootstouren verbindet. „Aber die Länder an der Ostsee rücken bei uns immer stärker in den Fokus“, sagt Messe-Direktor Michelidakis. Auch Schweden, Estland, Litauen und Polen zeigen ihre wasserlandschaftlichen Vorzüge. Von Deutschland aus ist es nach Skandinavien oder ins Baltikum nicht weit. Und die Hochsommer sind milder als am Mittelmeer. Gut möglich, dass an Traumzielen wie dem finnischen Archipelago demnächst gecharterte Hausboote zu sehen sind, deren Kapitäne in Düsseldorf gebucht haben.
Bei aller Bodenständigkeit sollte bei einem Besuch der Boot das Bestaunen von Booten nicht zu kurz kommen. Schließlich gibt es mehr als 1000 Motor- und Segelboote auf dem Stockumer Messegelände, darunter zahlreiche Weltpremieren. In Halle 16 stehen die neuesten Modelle der drei großen Katamaran-Hersteller Bali, Excess und Lagoon. Große Augen und gute Fotomotive garantiert.
Wer Superlative liebt, wird in Halle 6 fündig: der Welt der Luxusjachten. Werften wie Prestige, Princess und Sanlorenzo, für deren Modellschau man normalerweise nach Monaco oder Saint-Tropez reisen muss, zeigen ihre Neuheiten mitten im Düsseldorfer Winter.
Die Trumpfkarte im diesjährigen Jacht-Quartett ist die Sanlorenzo SD90. Das 27 Meter lange Schiff wiegt so viel wie 50 SUVs und kostet um die zehn Millionen Euro – also in etwa 1000 Mal mehr als die günstigsten Boote auf der Messe. Bei allen Unterschieden gibt es eine Gemeinsamkeit: Auch Luxusjachten werden gerne von Familien genutzt.