Dabei ging es der AfD nicht nur um den eigenen Vorteil, sondern auch um Nachteile für ihre Konkurrenz: Kritik an der US-Regierung oder an der AfD von der konservativen CDU beispielsweise ventilierte man stark an die neuen Verbündeten in Übersee, um einen Keil zwischen Washington und Berlin zu treiben. „Petzen“ nannte das frank und frei die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch.
Selbst im pro-russischen Lager der Partei räumt man ein, dass es nie einen Verbündeten gegeben habe, der ihnen so große Vorteile verschafft hat. In das Verhältnis zu Russland beispielsweise habe man viel Kraft investiert – unterm Strich aber habe es der Partei wenig gebracht.
Nun ist es mit dem autoritär regierenden Trump jedoch wie mit der AfD selbst: Der US-Präsident goutiert Kritik nicht, mag sie auch noch so stichhaltig sein. Ob Weidel aber mit ihrem Statement die wachsenden Bande zwischen den beiden Parteien in Gefahr gebracht hat, wird sich noch zeigen müssen.
Eine kritische Stimme jedenfalls äußerte sich öffentlich: Der Vorsitzende der Republicans Overseas, George Weinberg, sagte der „Welt“, er halte Weidels Äußerungen für „einfach dumm“. Die AfD suche enge Beziehungen mit den Republikanern, nun stelle sie sich, „ohne zu überlegen“, gegen die US-Regierung. „Die haben sehr viel Porzellan zerschlagen, und wie die das reparieren wollen, das weiß ich nicht“, so Weinberg.
Weinberg ist keine relevante Stimme bei den Republikanern. Bei der AfD aber fürchtet manch einer offenbar, dass dies ein erster Fingerzeig dafür ist, wohin die Reise nun führen könnte. Der Verteidigungspolitiker Rüdiger Lucassen zumindest, der im Februar wieder zur Sicherheitskonferenz fahren darf, versuchte eilig, das Porzellan wieder zu kleben. Die AfD werbe für eine „interessengeleitete und realistische“ Außenpolitik, sagte Lucassen gerade dem Medium Pioneer. „Mit der Festnahme des venezolanischen Diktators setzen die USA diese um.“
Ob das überhaupt nötig ist? Gut möglich immerhin, dass die Republikaner in den USA gar nicht so genau zuhören, was die AfD zu sagen hat. Doch falls sie es tun, ist fraglich, ob und wie hoch die AfD weiterhin in ihrer Gunst steht.