Berlin – Sie kommen mit dem Flugzeug, attackieren die Opfer und tauchen ab, bevor die Polizei überhaupt ihre Identität klären konnte. Immer häufiger lassen kriminelle Banden in Berlin für Drohungen, Körperverletzung oder Schutzgelderpressungen Täter einfliegen.
„Dafür werden gezielt auch junge Männer im Ausland rekrutiert“, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel. „Sie reisen kurzfristig mit einem Touristenvisum ein und begehen dann hier Straftaten, für die sie Aufträge erhalten haben.“
Banden holen Täter aus dem Ausland
Nach Angaben der Polizeipräsidentin sprechen viele dieser Täter kaum Deutsch. Nach den Taten tauchen sie schnell wieder ab. „Die Auftraggeber sitzen entweder im Ausland und wollen so auf dem kriminellen Berliner Markt illegaler Geschäftspraktiken Raum gewinnen, oder die Aufträge werden von Teilen der hier ansässigen OK-Strukturen erteilt“, erläuterte Slowik Meisel.

Polizei im Oktober 2025 in Berlin-Kreuzberg. Hier wurden durch Schüsse zwei Männer verletzt
Foto: Anja Mia Neumann/dpa
Die Gewalt in der Stadt nimmt zu. Die Polizei beobachtet seit dem vergangenen Jahr immer häufiger brutale Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppen.
Mehr Gewalt im Berliner Drogenmilieu
„Wir haben verstärkt Schussabgaben festgestellt. Im Dezember auch den Wurf einer Handgranate nachts in ein Lokal als Drohung“, sagte Slowik Meisel. Hintergrund seien Revierkämpfe im Drogenhandel.
Hinzu kommen Schutzgeld-Erpressungen. Der Begriff verharmlost die Taten nach Ansicht der Polizeipräsidentin jedoch. Treffender sei die Bezeichnung „gewaltbetonte Bedrohung und Erpressung erfolgreicher Geschäftsleute“. Um Druck zu machen, werde auch mit Schüssen auf Gebäude gedroht.

Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel fordert eine Ausweitung der Überwachungsmöglichkeiten
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Polizei zeigt Präsenz und greift hart durch
Die Polizei reagiert mit Razzien und Festnahmen. „Wir sind dem mit starker Präsenz auf den Straßen und in Lokalitäten deutlich entgegengetreten. Wir arbeiten verdeckt und offen, regional, im Austausch mit anderen Bundesländern, aber auch international“, betonte Slowik Meisel.
Mehr zum ThemaForderung nach schärferen Überwachungsregeln
In diesem Zusammenhang fordert die Polizeipräsidentin eine Verschärfung des Paragrafen 100a. Er regelt Telefonüberwachung und Observation. Künftig solle schon der Besitz einer Waffe mehr Überwachungsmöglichkeiten erlauben. „Der Fund einer illegal geführten Schusswaffe deutet nach unseren Erfahrungen immer auf eine Zugehörigkeit zur Organisierten Kriminalität hin.“