Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) – Es ist ein enormer logistischer Aufwand für die Polizei: Ab Montag wollen die Beamten tausende Opfer des Sparkassen-Einbruchs vernehmen. Dafür mussten extra Büroräume angemietet werden.
Die Sparkassen-Filiale in Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) war über Weihnachten geschlossen. An den Feiertagen oder dem darauffolgenden Wochenende drangen Einbrecher in die Bank ein und knackten mehr als 3000 Schließfächer. Der Wert der Beute: mehr als 100 Mio. Euro. Der Coup wurde allerdings erst am 29. Dezember entdeckt.
Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Neue Hinweise erhofft sich die Polizei nun auch durch die Vernehmungen der Besitzer der geknackten Schließfächer. Am Montag sollen die Gespräche beginnen.

Die Einbrecher bohrten sich mit einem Spezialbohrer in den Tresorraum und hielten sich dort unbemerkt 46 Stunden auf
Foto: -/Polizei Gelsenkirchen/dpa
Dafür mieteten die Ermittler extra eigene Büroräume an und planten einen Zeitraum von mehreren Wochen ein: „Die sehr umfangreiche und nun beginnende Geschädigten-Vernehmung bedurfte einer umfangreichen logistischen Planung, die nun in die Umsetzung geht“, teilte die Polizei Gelsenkirchen mit.
Schließfachbesitzer sollen allein kommen
Die Behörde schaltete dafür extra eine Telefonhotline (Telefon: 0209/3651661), an der Geschädigte unter Angabe ihrer Schließfachnummer einen Termin vereinbaren können. Zum Gespräch sollen die Opfer alle Unterlagen, Dokumente und Beweise zum Inhalt mitbringen und „möglichst allein kommen“, lautet eine Bitte. Denn es gibt noch viele offene Fragen: Vor allem wollen die Kriminalisten wissen, wie es den Tätern gelang, alle Sicherheitssysteme zu überwinden, um sich direkt mit einem Spezialbohrer in den Tresorraum zu bohren. Am Ende knackten die Täter 90 Prozent der insgesamt 3250 Schließfächer.

Seit Donnerstag ist das Foyer der Sparkasse wieder geöffnet – unter Bewachung der Polizei
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Alle Opfer des Sparkassen-Coups werden gehört
„Jede und jeder Geschädigte wird die Chance erhalten, bei der Polizei Angaben zum Inhalt seines Schließfachs machen zu können. Diese Informationen fließen direkt in die Ermittlungen ein und können neue Ansätze zur Tatermittlung liefern“, betonte ein Polizeisprecher und appelliert bei allem „Verständnis für die außergewöhnliche Situation“ für die Betroffenen, nur mit Termin zu erscheinen.
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Sicher ist schon jetzt: Die Anwälte bringen sich bereits in Stellung und sollen schon mehr als 150 Mandanten vertreten. Sie sehen eine mögliche „Pflicht- und Sorgfaltsverletzung“ der Sparkasse und fragen unter anderem, wie sich die Einbrecher unbemerkt fast 46 Stunden in der Bank und im Tresorraum aufhalten konnten.
Wer weitere Hinweise zu dem Bank-Einbruch geben kann, meldet sich bitte bei der Polizei unter dieser Telefonnummer: 0209/3658112.