Ihre personifizierte Hoffnung tragen bei der Demonstration für einen Neubeginn im Iran viele Teilnehmer an diesem Samstag auf kleinen und großen Plakaten vor sich her. „King Reza Pahlavi“ skandieren Tausende Exil-Iraner auf ihrem Weg durch die City. Einige kommen aus dem benachbarten Ausland und aus anderen Bundesländern. Die meisten sind aber aus Nordrhein-Westfalen angereist.
So wie Sherwin Shabestari. 2018 hat der 45-Jährige seine Heimat Teheran in Richtung Deutschland verlassen. „Ich wollte, dass meine beiden Töchter in Freiheit aufwachsen, nicht mit dem Kopftuch in die Schule müssen und nicht jeden Tag die Propaganda eines rückwärtsgewandten und unterdrückerischen Regimes eingetrichtert bekommen.“ Dafür und für seine Landsleute, die jeden Tag unter der Gewalt der Mullahs leiden, geht er gerne auf die Straße. Und wie die meisten bei dieser Demo glaubt auch er, dass es zurzeit nur einen gibt, der einen stabilen und raschen Übergang zu mehr Freiheit und Wohlstand garantieren kann: Reza Pahlavi, Sohn des letzten Schahs von Persien.
Rund anderthalb Stunden ziehen die Demonstranten von der Friedrich-Ebert-Straße über Steinstraße und Königsallee in Richtung Schadowplatz, wo sich die Kundgebung gegen 17 Uhr auflöst. Auf rund 4000 Menschen schätzt die Polizei am späten Nachmittag die Teilnehmerzahl. Alles sei gut organisiert gewesen und friedlich verlaufen, stellt ein Polizeisprecher, der die Demo bis zu ihrem Ende begleitet hat, im Anschluss fest.
Mit Liedern und gemeinsam gerufenen politischen Botschaften machen sich die Exil-Iraner gegenseitig Mut auf eine bessere Zukunft. „Unsere Vorstellung ist, dass Pahlavi den Übergang leitet, dann soll das Volk in einem Referendum entscheiden, ob es eine konstitutionelle Monarchie will oder nicht“, erläutert Payram Bayat-Spitler die Zielrichtung der großen Kundgebung. Der 32-Jährige hat die Düsseldorfer Kundgebung mit vorbereitet. Dass nicht alle Iraner den inzwischen 65 Jahre alten Kronprinzen als den künftigen Führer des Landes sehen, weiß Bayat-Spitler, dessen Eltern in den 1980er Jahren vor der Herrschaft der Mullahs nach Deutschland flüchteten. „Aktuell gibt es aber auch in eher linken oder konservativ-liberalen Kreisen Sympathien für ihn“, glaubt der Mann, der zurzeit als pädagogische Ergänzungskraft arbeitet.
Enttäuscht zeigen sich an diesem Nachmittag viele, dass die „Hilfe“, die der US-Präsident angekündigt hatte und die die meisten als einen möglichen Militärschlag gedeutet hatten, bislang ausgeblieben ist. „Trump geht es, wie bei anderen Ländern auch, nicht um mehr Freiheit für die Menschen oder um die Demokratie, sondern um Geschäfte, Rohstoffe und Macht“, ist Shabestari überzeugt. Entmutigen kann das die Exil-Iraner aber nicht. Auch Bayat-Spitler ist sicher, dass die Tage des Regimes so oder so gezählt sind: „Unser Kampf wird auf allen denkbaren Ebenen weitergehen, bis das stark erschütterte Regime weg ist.“
Geduld brauchten während der Groß-Demonstration die Autofahrer, die zum Bummeln, Shoppen oder Ausgehen in die Stadt gekommen waren. Viele Parkhäuser zwischen Berliner Allee und Hauptbahnhof waren komplett dicht. Und bedingt durch die temporären Sperrungen von Steinstraße und Kö kamen es zu teils erheblichen Staus in der Stadtmitte, die auch die Heinrich-Heine-Allee zwischen Grabbeplatz und Theodor-Körner-Straße betrafen.