Bielefeld. Ein Mikrofon, mehr braucht der Mann nicht. Alles andere fällt ihm förmlich vor die Füße. Der gebürtige Bielefelder mit marokkanischen Wurzeln, Abdelkarim, lebt seit nahezu 45 Jahren mit Vorurteilen und Ressentiments, mit Neid und Abneigung. Warum? Weil er so aussieht, wie er eben aussieht, wie einer, dem man mit Vorsicht begegnen muss, wie ein Bombenleger, ein Messerstecher, ein Terrorist aus dem Maghreb mit dickem Sprengstoffgürtel um die Hüften. Achtung, Satire! Mit diesen – und anderen – Klischees jongliert Abdelkarim abendfüllend.

Was ihm also so alles vor und auf die Füße fällt, hat also nichts mit den Gesetzen der Schwerkraft zu tun, viel mehr mit den ungeschriebenen Gesetzen gesellschaftlicher Ablehnung und Nichtakzeptanz gegenüber dem Fremdartigen, dem „anders Aussehenden“. Damit kokettiert der Kabarettist Abdelkarim augenzwinkernd und hintergründig seit nunmehr fast 20 Jahren als Comedian, seitdem er erstmals vor einem Mikrofon stand.

Der gesellschaftlichen „Nichtakzeptanz“ und Vorsicht, der er zeitlebens ausgesetzt ist, nutzt er scharfsinnig und pointiert, seinem Publikum – und damit der Gesellschaft – den Spiegel vorzuhalten. Das kann er sowohl poetisch und empathisch, das kann er aber auch knallhart und voll auf die Zwölf.

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Bielefelder Animateur im Bällebad der Intoleranz

Im kleinen Saal der Bielefelder Stadthalle stellte er sein Programm „Plan Z – jetzt will er´s wissen!“ vor und gibt sich dabei als „Optimismusbeauftragter“, als Animateur im Bällebad der Intoleranz. Vor seinem Auftritt war er ganz schön aufgeregt: „Hier sitzen so viele Freunde und Bekannte im Publikum“.

Seinem Bielefelder Publikum verrät er: „Ich wollte mal Fußballprofi werden – bis zur ersten Sportstunde in der Grundschule“, – zack! Schon war er wieder ausgegrenzt. Ein paar Dekaden später sieht er sich eher als „marokkanischer Friedrich Merz“. Oder war es Oliver Geißen? So oder so, es ist beruhigend!

Abdelkarim muss man einfach lieb haben – stattliche Statur, große Augen. Ein Blick in diese Augen genügt, um zu wissen: Der Kerl hat noch nie irgendwohin eine Bombe gelegt. Er ist eben der nette Nordafrika-Bielefelder aus der Nachbarschaft und das unterstreicht er: „Von Bielefeld geht keine Gefahr aus!“

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„Rassisten sind wie Teletubbies mit Haarausfall“

Er tut nach seinem Bekunden sogar etwas proaktiv für den Weltfrieden: „Beim letzten ESC hab’ ich für Israel angerufen“. So fabuliert er lustig und unterhaltsam zwei Stunden lang über Haie und übers Kochen, über seine Wahlheimat Duisburg, übers Gendern und über „Migrantenmenschen“, über Stieghorst und Babenhausen, über Reisegewohnheiten („Fliegen ist wie Zug fahren – nur mit Ankommen“) und auch über „Endgegner“: „Rassisten sind wie Teletubbies mit Haarausfall“. Einige davon gehören übrigens zu Gattung „Ponc“ – „Person of no colour“. Er selbst sieht sich hingegen als „alten weißen Mann gefangen im Körper eines Benachteiligten“.


Abdelkarim als "Erklärbär" gesellschaftlicher Unzulänglichkeiten. - © Oliver Krato

Abdelkarim als „Erklärbär“ gesellschaftlicher Unzulänglichkeiten.
| © Oliver Krato

Nach seinem Auftritt nimmt sich Abdelkarim viel Zeit für seine Gäste im Foyer der Stadthalle. Hier ein Selfie, hier einen kleinen Knuddler, dort ein freundliches Wort. Oder ein weniger freundliches, aber mit breitem Grinsen: „Wenn Du hier eine schlechte Kritik über den Abend schreibst, dann bist du ein Rassist“. Und das wollen wir doch nicht!

Wer sich den „Bielefelder mit Abschiebeoptik“ nicht entgehen lassen will, hat in unseren Breiten erneut die Gelegenheit am Donnerstag, 23. April, ab 20 Uhr in der Paderborner Paderhalle. Tickets hat natürlich die NW, auch online erhältlich unter www.nw.de/events.

Und noch ein Comedian aus der Stadt am Teuto: Ingo Oschmann, der Herzens-Bielefelder