Stuttgart – Mit 60 Millionen verkauften Exemplaren zählt der Norweger Jo Nesbø (65) zu den weltweit erfolgreichsten Schriftstellern. Seine Werke werden in 51 Sprachen übersetzt und spielen größtenteils in Norwegen.

Sein bekanntester Ermittler Harry Hole erhält ab 26. März sogar eine eigene Serie bei Netflix. Mit „Minnesota“ hat er nun erstmals einen Krimi veröffentlicht, der in Amerika spielt. BILD traf den Autor vor seiner Lesung in Stuttgart zum Interview.

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Mit Bob Oz hat Nesbø einen Ermittler erschaffen, der seit dem Unfalltod seiner dreijährigen Tochter völlig am Boden zerstört ist. Seine Frau hat ihn verlassen, Freunde haben sich von ihm abgewandt. Oz stürzt sich komplett in die Arbeit und jagt einen Serienkiller, der Drogendealer und Waffenhändler umbringt.

Bisher spielten seine Thriller hauptsächlich im norwegischen Oslo. Warum suchte er sich nun ausgerechnet den US-Bundesstaat Minnesota aus? Nesbø zu BILD: „Mein Vater und meine Großeltern haben viele Jahre in Amerika gelebt. Dann kamen sie nach Norwegen zurück, aber mein Vater gab mir amerikanische Bücher von Mark Twain, die er als Kind gelesen hat.“

In „Minnesota“ ermittelt erstmals Bob Oz

In „Minnesota“ ermittelt erstmals Bob Oz

Foto: Ullstein Hardcover

Er sei also immer schon von amerikanischer Kultur beeinflusst gewesen, so der Schriftsteller weiter. „In den letzten 20 Jahren habe ich zusammengerechnet bestimmt ein Jahr in Amerika gelebt. Und ich habe wahrscheinlich mehr amerikanische Städte und Staaten besucht als der Durchschnittsamerikaner.“

Minnesota sei ein Staat mit vielen skandinavischen Immigranten. „Gerade eine Stadt wie Minneapolis fühlt sich für einen Norweger wie mich sehr vertraut an. Aber ich weiß, dass ich immer die Sichtweise eines Außenseiters haben werde, wenn ich über Minnesota schreibe.“

Jo Nesbø stellte sein neues Werk im Stuttgarter Renitenztheater vor und stellte sich den Fragen von Moderatorin Stefanie Wally

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Foto: Thomas Kielhorn

Jo Nesbø überrascht Gewalt in den USA nicht

Am 7. Januar wurde die US-Staatsbürgerin Renée Good (†37) in Minneapolis von einem ICE-Beamten in ihrem Auto erschossen. Dieser Vorfall löste eine landesweite Debatte über die Befugnisse der US-Bundesbehörden und den Einsatz tödlicher Gewalt aus.

Wie sehr hat ihn das brutale Vorgehen der ICE-Beamten überrascht? Nesbø: „Für mich persönlich ist das keine große Überraschung. Wenn man sich die USA historisch anschaut, ist das eine Gesellschaft, die durch Gewalt geformt wurde.“

BILD-Reporter Thomas Kielhorn (r.) traf Star-Autor Jo Nesbø in Stuttgart

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Foto: Fredrik von Erichsen/BILD

Der Autor weiter: „Ich denke, dass wir manchmal unterschätzen, in welchem Ausmaß Gewalt im täglichen Leben der USA vorhanden ist. Historisch war es immer so. Es ist auffällig, wie unterschiedlich Kanada und die USA sind. Es ist, als wäre man auf einem anderen Kontinent. Wie können zwei Nachbarn, die Kultur und Landwirtschaft teilen, so anders sein?“

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