Benutzt man in Scherstetten besonders häufig Schneidewerkzeuge? Was hat der König mit Königsbrunn zu tun? Und wie tief sind die Gräben in Graben wirklich? Dr. Hans-Peter Eckart hat seine Doktorarbeit über Ortsnamen im Altlandkreis Augsburg geschrieben. In unserer Serie erklärt er, wie die Orte zu ihrem Namen gekommen sind. Heute wirft er einen Blick auf die Ortsnamen, die eine Geländeerhebung oder -vertiefung bezeichnen.

Das Verbreitungsgebiet der Schwabmünchner Allgemeinen wurde im Hochmittelalter in der Regel zu Fuß besiedelt. Menschen machten sich unter beschwerlichen Bedingungen auf den Weg, um sich an geeigneten Stellen niederzulassen. Sie schauten sich die Umgebung an. Teilweise benannten sie ihre Siedlungen nach dem Gelände, das sich in irgendeiner Weise vom Rest unterschied.

Bobingen ist deutlich älter als Straßberg

Zu diesen Ortsnamen gehören jene, die auf -berg oder -bergen enden. Wie beispielsweise Straßberg, das 1246 erstmals als „Strazperc“ belegt ist. In der Forschung herrscht Uneinigkeit darüber, ob der Ortsname als „Berg an der Straßlandschaft“ oder „Berg, über den eine Straße führt“ zu deuten ist. Ortskundige können sich den zweiten Teil des Ortsnamens zumindest leicht erklären: Straßberg liegt im Hügelrückengebiet und damit rund 30 Höhenmeter über dem älteren Bobingen.

Sind 30 Meter schon ein Berg? Das althochdeutsche „bërg“ bezeichnet eben nicht gleich eine große Anhöhe wie in den Alpen, sondern bedeutet einfach „Anhöhe, Bodenerhebung“. Interessant bei Straßberg: ursprünglich handelt es sich um einen Flurnamen, nach dem die 1266 urkundlich erstmals belegte Burg benannt wurde.

Was Hilpoldsberg mit einem Hiltpold zu tun hat

Auch Hilpoldsberg ist auf eine Geländeerhebung zurückzuführen. Der Ort ist nach dem Jahr 1146 erstmals als „Hiltiprandesberge“ belegt und ziemlich sicher als „Siedlung des Hiltiprand am Berg“ zu deuten. Mit einer Höhe von 597 Metern erhebt er sich etwa 30 Meter über Konradshofen. Ab dem 16. Jahrhundert wurde der Personenname „Hiltpolt“ als erster Teil des Ortsnamens eingedeutet. Erst 1379 ist Guggenberg erstmals urkundlich belegt. Die Siedlung liegt auf 595 Metern Höhe. Sprachwissenschaftlich ist die Herleitung nicht ganz klar, am wahrscheinlichsten ist der Ortsname als „Anhöhe zum Ausschauen“ zu deuten.

Hier ging Kaiser Maximilian mit Falken auf die Jagd

Bei Falkenberg, das 1415 als „Valkenberg“ erstmals belegt ist, ist die südlich von Langerringen gelegene Erhebung gemeint, die etwa 25 Meter weiter oben liegt. Sie diente offenbar im Spätmittelalter der Falkenjagd oder Falkenbeobachtung. Von Kaiser Maximilian (1493-1519) ist bekannt, dass er öfter im Gennacher Moos mit Falken jagte. Und das Hochstift Augsburg gestattete in den Jahren 1617 und 1618 Maximilian Fugger zu Kirchberg und Weißenhorn, bei Gennach ein Falkenlager zu errichten.

Wo sind die Gräben in Graben?

Das sprachliche Gegenstück zum Berg ist zwar das Tal. Aber was ist mit Graben? Die Gemeinde ist 1063 erstmals urkundlich als „Grabon“ belegt und als „zu/bei den Gräben“ zu deuten. Schwerer ist die Herleitung eines Sachbezugs. Ist damit das System von Be- und Entwässerungsgräben auf dem Gebiet des heutigen Gutshof Lechfeld gemeint? Dies liegt sehr weit vom Ortskern Grabens entfernt. Vermutlich zu weit. Oder ist der Ortsname auf den 350 Meter langen Wall mit Graben an der südlichen Gemeindegrenze gegen Untermeitingen gemeint?

Vielleicht bezieht sich Graben aber auch auf die römische Wasserleitung von Igling bis Augsburg, die direkt an Graben am Ortsrand der Hochterrasse vorbeiführte. Ebenfalls römischen Ursprungs ist die Via Claudia: Als sie längst mit Gras überwachsen war, ragte sie als Damm etwa einen Meter über die sie links und rechts davon rahmenden Straßengräben. Interessant, dass der Ort genau zwischen der römischen Wasserleitung und den Begleitgräben der Via Claudia liegt.

  • Hans-Peter Eckart

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  • 86399 Bobingen

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