Vergessener Stollen

Unter Tage: Warum Köln ein eigenes Bergwerk hat

Aktualisiert am 18.01.2026 – 11:46 UhrLesedauer: 3 Min.

Der Barbarastollen in Köln: Er wurde 1932 angelegt.Vergrößern des Bildes

Der Barbarastollen in Köln: Er wurde 1932 angelegt. (Quelle: Michael Kramer/Wikimedia Commons)

Mit dem Bergbau verbindet man in Nordrhein-Westfalen eher das Ruhrgebiet als Köln. Doch auch hier gibt es ein Bergwerk – und dessen Funktion ist deutschlandweit einzigartig.

Dieser Tag im Jahr 1984 muss ihnen wie die Szene eines Abenteuerfilms vorgekommen sein: Eigentlich wollten Mitarbeiter der Uni Köln nur die Kellerräume des Hauptgebäudes aufräumen. Doch als sie einen Schrank zur Seite schoben, entdeckten sie eine geheimnisvolle Eisentür. Nachfrage im gesamten Gebäude: niemand hatte einen Schlüssel oder wusste, was sich dahinter verbirgt.

Also brachen die Mitarbeiter die Tür auf. Was sie entdeckten, erregte Aufsehen: ein Mini- Bergwerk, nur 40 Meter lang, aber fachgerecht gebaut. Vollkommen vergessen und direkt unter der Aula.

Ob sich diese Zufallsentdeckung damals wirklich so zutrug? Dr. Andreas Freitäger ist Archivar an der Universität zu Köln und Autor des Buches „Der Barbarastollen unter der Universität zu Köln“. Er sagt:“Es wird so kolportiert, lässt sich aktenmäßig aber nicht belegen“. Ob wahr oder nicht – die kuriose Anekdote trägt ihren Teil zur Geschichte des Barbarastollens bei, dem wohl ungewöhnlichsten Bergwerk Deutschlands.

Öffnet man die schwere Eisentür und geht die Treppen nach unten, dann werden schnell die Decken niedrig, das Licht wird schummrig und die Luft leicht muffig. An den Wänden des Stollens sieht man die verschiedenen Abbaustufen des Gesteins. Kohlenstücke schimmern auf Schüttelrutschen. Auf dem Boden sind Schienen verlegt, ein Transportwagen für Schüttgut steht darauf. Überall findet sich altes, funktionsfähiges Werkzeug: Pressluftbohrer, Hämmer, Meißel und Schaufeln.

Dass der Stollen lediglich 40 Meter lang ist und nur zehn Meter unter der Erde liegt – andere Exemplare in Deutschland befinden sich in bis zu 2.000 Metern Tiefe – ist kein Zufall: Denn es handelt sich um ein Schaubergwerk, beauftragt vom Geologischen Institut der Uni Köln. „Der Barbarastollen wurde 1932 gebaut, als der Bau des heutigen Hauptgebäudes noch im Gange war“, erklärt Freitäger. Benannt wurde er nach der Schutzheiligen der Bergleute.

Ziel war es, Geologie-Studierenden den harten Arbeitsalltag der Kumpel so authentisch wie möglich zu vermitteln. „Der Querschlag zeigt einen realistischen Verkehrsweg in einem Steinkohlenbergwerk um 1930“, sagt Freitäger. „Hier werden die Bereiche manueller und maschinengestützter Abbau, Transport und Förderung anhand echter Werkzeuge dargestellt.“

Aber nicht nur die Werkzeuge, Transport- und Hilfsmittel des Bergbaus in den 1930er Jahren sind vorhanden. Es gibt auch einen Maschinenraum für die Steuerung der Fördermaschine und ein Telefon, mit dem die Kumpel im Stollen den Maschinisten anrufen konnten. An den Wänden des Schaubergwerks kleben sogar ein paar Zentimeter echte Steinkohle.