Der Streit um die Ollenhauerstraße in Reinickendorf dauert an. Nach wie vor sorgt die geplante Fällung von über 100 Straßenbäumen für Kritik. Eine neue Petition unterstreicht nun erneut den Widerstand der Anwohnerinnen und Anwohner.

Ollenhauerstraße Reinickendorf, Reinickes Hof

Straßenumbau ab Herbst 2026 geplant: Betroffen von den Planungen ist insbesondere der Abschnitt der Ollenhauerstraße rund um Reinickes Hof. / © Foto: Wikimedia Commons, Oliver Wolters, CC BY-SA 3.0

© Foto: Wikimedia Commons, Oliver Wolters, CC BY-SA 3.0
© Foto Titelbild: BUND Berlin / Uwe Bahr

 

In Reinickendorf sorgt der geplante Umbau der Ollenhauerstraße für anhaltende Auseinandersetzungen zwischen Anwohnern, Umweltschützern und dem Bezirksamt. Im Oktober 2026 sollen demnach 116 Straßenbäume entlang eines Abschnitts zwischen Reinickes Hof und der Kögelstraße gefällt werden – laut BUND könnten es sogar 131 sein –, um Platz für eine grundhafte Erneuerung der Straße zu schaffen. Ziel des Projekts ist, die stark beanspruchte Hauptverkehrsachse zu modernisieren und den Verkehr einschließlich Radverkehrsanlagen neu zu ordnen.

Seit einigen Tagen läuft nun eine Online‑Petition, die ein Moratorium der aktuellen Planungen fordert. Die Initiatoren verlangen, zunächst Alternativen zu prüfen, die den Erhalt gesunder Bäume ermöglichen und Aspekte wie Hitzeschutz, Regenwassermanagement und Radverkehrssicherheit stärker berücksichtigen. Zudem wird die Offenlegung eines unabhängigen Baumgutachtens gefordert sowie die Mitplanung einer späteren Straßenbahntrasse.

Auf Kosten der Bäume? infraVelo plant Ausbau für Radverkehr

Ein zentrales Element der Sanierungspläne ist der Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur. Im Rahmen der Umgestaltung soll ab dem ersten Quartal 2027 ein baulich getrennter Radweg entlang der Ollenhauerstraße entstehen, der über fast zwei Kilometer beidseitig Raum für den Radverkehr schafft und damit den bisherigen Zustand ohne durchgehende Radverkehrsanlagen ersetzen soll.

Diese Erweiterung ist Teil des Berliner Radvorrangnetzes und soll die Verbindung zwischen dem Kurt‑Schumacher‑Platz im Süden und dem nördlichen Abschnitt der Straße verbessern. Dass ausgerechnet für einen neuen Radweg Bäume weichen sollen, stößt jedoch auf Kritik: „Es kann nicht sein, dass hier Radfahrer gegen Umwelt (Bäume) ausgespielt werden soll.“ lautet ein Kommentar zur Petition.

Kahlschlag an der Ollenhauerstraße: Kritik aus der Bevölkerung klingt nicht ab

Unterzeichnende weisen darauf hin, dass Ersatzpflanzungen erst in Jahrzehnten einen vergleichbaren ökologischen Nutzen erreichen könnten. Sie sehen in den derzeitigen Planungen Prioritäten zu sehr beim Fahrzeugverkehr und beim Parken und zu wenig beim Klima‑ und Hitzeschutz für Fußgänger und Radfahrer. Darüber hinaus wird bemängelt, dass der Dialog mit der Anwohnerschaft und die Einbindung in die Planungsprozesse aus ihrer Sicht unzureichend gewesen sei.

Auch Umweltverbände hatten bereits im Herbst 2025 bemängelt, dass über 100 Bäume der Erneuerung der Straße zum Opfer fallen sollen. Vertreter des BUND argumentierten, dass ältere Baumbestände einen wichtigen Beitrag zur Stadtnatur und zum Mikroklima leisten und deshalb weitgehend erhalten bleiben sollten.

Reinickendorf: Bezirk verteidigt Planung und betont Ausgleichsmaßnahmen

Auf der anderen Seite betont das Bezirksamt Reinickendorf, dass die Maßnahme notwendig sei, um die Straße an die aktuellen Verkehrs‑ und Mobilitätsanforderungen anzupassen. Der heute vorhandene Zustand entspreche nicht mehr den Standards, und eine Neuordnung der Geh‑, Rad‑ und Fahrbahnen sei aus Sicht der Verwaltung geboten.

Zudem würden die entnommenen Bäume durch Neupflanzungen ersetzt; diese sollen – angepasst an die aktuellen klimatischen Bedingungen – an neuen Standorten entlang der Strecke gesetzt werden.

Zwischen Reinickes Hof und Kögelstraße: Erste Maßnahmen zur Neuordnung des Verkehrs ab Herbst 2026

Die Debatte zeigt, dass die Abwägung zwischen Verkehrsinfrastruktur, Grünflächen und Bürgerinteressen weiterhin kontrovers geführt wird. Während Initiativen und Verbände stärkere ökologische und soziale Gesichtspunkte in den Mittelpunkt stellen, hält der Bezirk an seinen technischen und verkehrlichen Prioritäten fest.

Ob die Petition Einfluss auf die Planungen haben wird und welche Änderungen gegebenenfalls noch in die Vorhaben einfließen, bleibt abzuwarten.

Quellen: infraVelo, BUND Berlin, Initiative Ollenhauerstraße / Openpetition, Bezirksamt Reinickendorf, Tagesspiegel