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Die USA verlieren seit acht Monaten in Folge internationale Besucher – obwohl weltweit wieder mehr gereist wird.
Der Rückgang trifft eine Branche mit großer wirtschaftlicher Wucht: Milliarden an Ausgaben aus dem Ausland fehlen, Jobs geraten unter Druck.
Handelskonflikte, Zölle und Stimmung gegen die USA bremsen Buchungen – und könnten 2026 für Tourismus-Hotspots zum Risiko werden.
Die USA verlieren als Reiseziel an Attraktivität. Und zwar nicht nur kurzzeitig, sondern inzwischen Monat für Monat. Im Dezember ist die Zahl der Besuche aus dem Ausland erneut gesunken. Es war bereits der achte Rückgang in Folge. Das geht aus Daten hervor, die Anfang dieses Monats vom National Travel and Tourism Office veröffentlicht wurden.
Auch der Blick auf das ganze Jahr 2025 zeigt, wie deutlich der Trend ist. Die USA verzeichneten weniger Touristen aus zehn der zwanzig wichtigsten Herkunftsländer. Darunter sind auch Indien, Deutschland und Südkorea. Für die Tourismusbranche ist das ein ernstes Problem. Denn: Die Auswirkungen treffen nicht nur Airlines und Hotels, sondern eine ganze Wirtschaftsmaschine. Laut dem Bericht unterstützte die Reise- und Tourismusindustrie im Jahr 2024 mehr als 15 Millionen Arbeitsplätze.
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Außerdem erzeugte sie eine Wirtschaftsleistung von rund 1,3 Billionen US-Dollar (etwa 1,2 Billionen Euro). Besonders wichtig ist dabei das Geld aus dem Ausland. Allein durch internationale Besucherinnen und Besucher kamen 181 Milliarden US-Dollar (etwa 167 Milliarden Euro) ins Land. Genau diese Einnahmen brechen nun zunehmend weg.
Wie sehr die Lage bereits spürbar ist, zeigt sich in klassischen Tourismus-Hochburgen wie Las Vegas. Dort kommt es wegen des Abschwungs zu weiteren Entlassungen. Viele Beschäftigte müssen sich neu orientieren. Und sie versuchen, schnell andere Wege zu finden, um über die Runden zu kommen.
So groß ist der Tourismus-Druck in den USA
Business Insider berichtete Anfang des Monats von einer Entwicklung, die das Ausmaß des Drucks deutlich macht: Entlassene Mitarbeitende aus Hotels und der Gastronomie sorgten dafür, dass die Zahl der Auditions für Tänzerinnen in einem Stripclub am Las Vegas Strip deutlich anstieg. Im Vergleich zu den sechs Monaten davor gab es dort 55 Prozent mehr Bewerbungen.
Dabei scheint es nicht so zu sein, dass Menschen plötzlich weniger reisen wollen. Der Wunsch nach Urlaub ist weiterhin da. Nur das Ziel hat sich für viele verändert. Internationale Touristinnen und Touristen meiden offenbar zunehmend die USA.
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Ein Beispiel liefert Australien. Dort zeigen neue Zahlen der nationalen Statistikbehörde, dass der internationale Reiseverkehr fast wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie ist. Er kehrte kurz vor den Lockdowns 2020 auf den alten Stand zurück.
Australierinnen und Australier sind im vergangenen Jahr häufiger in andere Länder gereist. Reisen nach Kanada stiegen um 4 Prozent. Besuche in Indien legten um 10 Prozent zu. Noch stärker war der Anstieg bei Reisen nach China und Japan, wo die Zahlen um 20 Prozent beziehungsweise 21 Prozent wuchsen. Nur bei den USA ging es in die andere Richtung. Dort wurden 3,2 Prozent weniger Reisen gebucht.
Auch Kanada zeigt ähnliche Entwicklungen. Weniger Kanadierinnen und Kanadier reisen in die USA. Stattdessen entscheiden sich viele für andere Ziele und fahren häufiger weiter nach Süden, etwa nach Mexiko. Das hatte Business Insider bereits im April berichtet.
Die Gründe hinter der Entwicklung
Warum genau das passiert, hat mehrere Gründe. Der Bericht nennt als Belastungsfaktoren unter anderem Handelskonflikte, Zollstreitigkeiten und eine allgemeine geopolitische Unsicherheit. Diese Stimmung hat mit dazu beigetragen, dass es Boykottaufrufe gegen US-Produkte gab. In einigen Fällen änderten Menschen deshalb sogar ihre Reisepläne.
Auch europäische Reiseunternehmen und Analysten verwiesen auf diese Entwicklung. Sie sprachen von einer tarifgetriebenen Gegenreaktion vieler Verbraucherinnen und Verbraucher. Außerdem sei in Teilen eine wachsende anti-amerikanische Stimmung spürbar gewesen. Beides habe vor allem zu Beginn des Jahres für schwächere Buchungen gesorgt. Später im Sommer habe es zwar wieder Anzeichen einer Erholung gegeben, aber die Unsicherheit blieb.
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Bislang wird der Einbruch teilweise dadurch abgefedert, dass die Menschen innerhalb der USA weiterhin reisen. Der US Travel Association zufolge sollte der Markt für Inlandsurlaubsreisen 2025 um 1,9 Prozent wachsen. Erwartet wurden Ausgaben von 895 Milliarden US-Dollar (etwa 825 Milliarden Euro). Doch das reicht nicht aus, um die Lücke dauerhaft zu schließen.
Denn wenn internationale Gäste weiter fernbleiben, wird das besonders für Orte gefährlich, die stark von Auslandsbesuchern leben. Dazu zählen bekannte Tourismusstädte genauso wie Nationalparks und andere Attraktionen, die auf internationale Kaufkraft angewiesen sind.
Für diese Regionen könnte der Druck in den kommenden Jahren weiter steigen. Und das ausgerechnet, während die USA auf eine Reihe bedeutender globaler Ereignisse zusteuern, die ab 2026 stattfinden sollen. Der Trend ist damit klar: Die USA sind nicht mehr automatisch das Reiseziel, das sie früher einmal waren.
Lest hier den Originalartikel auf Englisch bei Business Insider Deutschland.