Selbst für die Verhältnisse Trumps ist es eine groteske Verdrehung, wenn er schreibt, es sei eine gefährliche Lage für die Sicherheit und das Überleben „unseres Planeten“, wenn acht NATO-Verbündete eine Handvoll Soldaten nach Grönland schicken – das wohlgemerkt zum Territorium der Allianz gehört.

Es stimmt auch nicht, dass sie das mit „unbekannter Absicht“ taten, wie er sagt. Die acht Länder, zu denen Deutschland gehörte, wollten zeigen, dass sie Trumps berechtigte Fragen nach der künftigen Sicherheit in der Arktis ernst nehmen; sie ändert sich durch Klimawandel und Multipolarität. Und sie wollten ihn davon überzeugen, dass der Westen sie besser gemeinsam beantwortet.

Dieser Versuch ist allerdings erst einmal kläglich gescheitert. Trumps Griff zur Zollkeule zeigt wieder, dass er einfach nicht in der Kategorie von Bündnissen denkt. Eine „regelbasierte“ Ordnung interessiert ihn nicht.

Gespräche wären besser

Dass der italienische Verteidigungsminister nicht unrecht hatte, als er die Entsendung als „Anfang eines Witzes“ verspottete, hat Berlin mit dem raschen Abzug der Bundeswehr nur bestätigt. Europa kann Grönland nicht gegen Russland oder China verteidigen, schon gar nicht gegen einen Übernahmeversuch Amerikas. Es wäre besser, das Gespräch mit Trump zu suchen, das hat schon in der Ukrainefrage manches verändert.

In diesem Fall können die Europäer sogar auf mehr Unterstützung im Kongress zählen, auch bei den Republikanern. Mit einer neuen Runde im Zollstreit schwächen sich Amerika und Europa nur gegenseitig, daran sollte man alle Politiker in Washington erinnern, die sich den Verstand noch nicht durch die MAGA-Großmannssucht haben vernebeln lassen.

Beherzigen muss man es aber auch in Brüssel. Die europäische Wirtschaft hat mehr zu verlieren als die amerikanische, wenn die mühsam erzielte Handelseinigung aus dem vergangenen Sommer scheitert. Und strategisch sollte man sich nichts vormachen: Die Arktis ist wichtig, aber noch wichtiger für Europas Sicherheit ist die Ostflanke.