1. Startseite
  2. Lokales
  3. Starnberg
  4. Pöcking

DruckenTeilen

Der geplante Neubau des „Forsthaus am See“ wirkt nicht wie ein Komplex, sondern wie viele kleine Hütten. Auch das gefiel der Jury des „Real Estate & Architecture Award“.Der geplante Neubau des „Forsthaus am See“ wirkt nicht wie ein Komplex, sondern wie viele kleine Hütten. Auch das gefiel der Jury des „Real Estate & Architecture Award“. © wsm architekten

Das Forsthaus am See gewinnt einen Architekturpreis. Doch Nachbarn haben Bedenken wegen der schmalen Zufahrtsstraße zum geplanten Hotel.

Feldafing – Wie lange es dauern wird, bis das „Forsthaus am See“ neu gebaut wird, ist unklar. Noch ist der vorhabenbezogene Bebauungsplan für das Filetgrundstück am Starnberger See bei Possenhofen in der Mache. Wann er fertig ist, ist unklar. Klar ist aber: Wenn der Entwurf des Pöckinger Büros WSM Architekten realisiert wird, dann wird das neue Hotel ein architektonischer Knaller. Gerade haben die Architekten Florian Wiesler und Tobias Schmidt für ihre Planungen wieder einen Preis erhalten: den „Real Estate & Architecture Award“. Und das nur aufgrund der Planungen und der Animationen, denn noch steht das alte Forsthaus am Seeufer.

Sieg in Kategorie Hotelbauten

Natürlich lebt der Ruf der Architektenbranche auch von Preisen, und das Büro WSM Architekten ist immer wieder unter den Gewinnern von Architektenpreisen. Dass dieses Mal ein noch nicht existierendes Projekt einen Preis bekommen hat, freut die Architekten, wie Florian Wiesler sagt. Das zeige ihm, dass sie mit ihrem Entwurf auf dem richtigen Weg seien. Bei dem Wettbewerb, den sie in der Kategorie „Hospitality Estates“ (Hotelbauten) gewonnen haben, sei der Entwurf in Gänze dargestellt worden. „Wir haben dargelegt, was wo sein wird, welche Nutzung, welches Gestaltungskonzept und welches unterstützende Design geplant ist“, erzählt Wiesler im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. „Wir haben das Forsthaus wie ein fertiges Projekt eingereicht.“

Mit Erfolg: Die Jury aus Branchenexperten, wie es auf der Internetseite realestatesawards.com heißt, lobt die Planung. „In zeitgenössischer Formensprache interpretieren die Pfahlbauhütten ,Lodges‘ eine abstrahierte Pfahlbausiedlung: Rhythmisch gestaffelte Baukörper winden sich den Hang hinauf, während eine Sockelzone aus begrünten Nagelfluh-Blöcken das Ensemble in die natürliche Moränenlandschaft integriert“, heißt es in der Bewertung des Entwurfs für das neue „Forsthaus am See“. „Eine feine Vertikalstruktur aus Holzlatten akzentuiert die moderne Holzbauweise und blendet den dahinterliegenden Hoteltrakt optisch aus.“

Dass der doch recht große Baukörper im sensiblen Bereich des Seeufers nicht zu stark in Erscheinung tritt, ist ein Hauptanliegen der Architekten. Deshalb haben sie neben den animierten Filmen, die seit Jahren auf Youtube das geplante Hotel zeigen, nun weitere fotorealistische Bilder generiert. Nicht mit künstlicher Intelligenz, wie Wiesler betont, sondern über viele Monate hinweg mithilfe eines Fachbüros programmiert, betrachtet, verändert und an den Sichtachsen gearbeitet. Die Fotos scheinen echt und sind doch im Rechner gebaut, wie Wiesler sagt.

Zu sehen ist der strukturierte Baukörper mit seinen vielen Dächern in dunklem Holz, mal im Abendrot, mal bei Nacht, mal am Tag. Eine Luftaufnahme des neuen Hotels ist dabei, die zeigt, wie sich das Ensemble neben dem Yachthafen Goetzke macht. „Diese Visualisierungen sind wichtig für uns“, sagt Wiesler. Weil sie den Architekten die Chance böten zu zeigen, wie das fertige Hotel wirke. „Man sieht es vom ganzen See aus – beziehungsweise man sieht es nicht, weil es in der Seitenmoräne liegt und dank der verwendeten Materialien versteckt ist“, sagt Wiesler. Damit sich der Bau möglichst gut einfügt, haben sie die Architektur an die Pfahlbauten der Roseninsel angelehnt und vermitteln den Eindruck von vielen Hütten und nicht einem großen Komplex.

Jury lobt die Unauffälligkeit

Auch die Jury des Architektenpreises lobt die Unauffälligkeit des Hotels. „Ein strenges, thematisch begründetes Materialkonzept lässt die Baumassen nahezu vor dem bewaldeten Hintergrund der Seitenmoräne verschwinden“, schreibt die Jury. „Dunkle Naturhölzer und Natursteine sorgen für eine robuste, langlebige Fassadenwirkung. Großzügige Glasflächen in den Pfahlbauhütten fluten das Innere mit Tageslicht und eröffnen weite Blickachsen auf den See, während begrünte Nagelfluh-Sockel und zurückhaltende Dachaufbauten das Volumen dezent in die Hangkulisse einfügen.“

Ein Bauvorhaben an einem so sensiblen Ort sorgt für viele Einwendungen im Bebauungsplanverfahren. Das weiß Wiesler, und das bestätigt die Pöckinger Bauamtsleiterin Mirjam Heuer, die den Plan von Behördenseite betreut. Am kommenden Montag ist der Bebauungsplan für das Hotel Thema im Bauausschuss in Pöcking (Beginn: 19 Uhr im Rathaus). „Vor allem die Nachbarn haben sich bei uns gemeldet“, sagt sie. Darunter sei auch die südliche Nachbarin, die Gemeinde Feldafing. Alle haben ähnliche Befürchtungen: dass die Königinstraße, die zum Hotel führt, zu schmal ist. „Deshalb wird überlegt, den Geltungsbereich des Bebauungsplanes um die Königinstraße bis zum oberen Parkplatz zu erweitern“, sagt Heuer.