Newsblog zu Protesten im Iran
Iran: US-Angriff auf Ajatollah Chamenei würde Krieg bedeuten
Aktualisiert am 18.01.2026 – 17:23 UhrLesedauer: 37 Min.
Ajatollah Ali Chamenei: Wird das iranische Staatsoberhaupt Ziel der USA? (Quelle: Vahid Salemi/dpa)
Iranische Ärzte berichten von Tausenden Toten. Der geistliche Führer des Iran kritisiert die Demonstranten scharf. Alle Entwicklungen im Newsblog.
Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian hat US-Präsident Donald Trump vor einem Angriff auf Ajatollah Ali Chamenei gewarnt. „Jedwede Aggression“, die gegen Chamenei gerichtet sei, würde zu einem „totalen Krieg“ führen, so Pezeshkian. Am Vortag hatte Trump einen Regierungswechsel im Iran gefordert.
Bei den Protesten im Iran sind nach Angaben eines Regierungsvertreters mindestens 5.000 Menschen getötet worden. Darunter seien etwa 500 Angehörige der Sicherheitskräfte, sagte er am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Er machte „Terroristen und bewaffnete Randalierer“ für die Tötung „unschuldiger Iraner“ verantwortlich. Die Proteste waren Ende Dezember ausgebrochen.
Der Vertreter, der anonym bleiben wollte, erklärte zudem, einige der heftigsten
Zusammenstöße und die höchste Zahl an Todesopfern habe es in den kurdischen Gebieten im Nordwesten des Iran gegeben. „Israel und bewaffnete Gruppen im Ausland“ hätten die Demonstranten unterstützt und ausgerüstet, sagte er weiter. Die
endgültige Zahl der Todesopfer werde voraussichtlich nicht mehr stark ansteigen. Die iranische Führung macht regelmäßig ausländische Gegner für Unruhen verantwortlich.
Die Zahl der Todesopfer bei den jüngsten Protesten im Iran ist nach einem Bericht deutlich höher als bislang bekannt. Laut Recherchen der britischen „The Sunday Times“ sollen mindestens 16.500 Menschen getötet worden sein. Offiziell hatte Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei zuletzt lediglich „mehrere Tausend“ Tote bestätigt.
Grundlage des Berichts ist ein internes Netzwerk von Ärzten im Land, die Verletzte behandeln und Daten aus Krankenhäusern und Notaufnahmen gesammelt haben. Demnach wurden zudem mehr als 300.000 Menschen verletzt, viele davon durch Schuss- und Splitterwunden. Besonders betroffen seien junge Menschen unter 30 Jahren. Augenkliniken berichten von tausenden schweren Augenverletzungen, teils mit dauerlicher Erblindung.
Die Ärzte sprechen von einer beispiellosen Gewaltwelle. Sicherheitskräfte hätten mit militärischen Waffen auf Demonstranten geschossen, häufig gezielt auf Kopf und Oberkörper. Zugleich habe ein umfassender Internet- und Kommunikationsausfall verhindert, dass Informationen nach außen drangen. Ein Mediziner bezeichnete das Vorgehen als „Tötungen im Schutz digitaler Dunkelheit“. Augenzeugen berichten von Scharfschützen, Massenbegräbnissen und davon, dass Leichen aus den Städten gebracht wurden, um Spuren zu verwischen. Angehörige müssten teils hohe Summen zahlen, um die Körper ihrer getöteten Familienmitglieder zu erhalten.
