Handball SV Leonberg/Eltingen: Torhüterin sorgt für schreckliches Kopfkino bei den Wildcats Auge in Auge mit der starken Torhüterin Stefanie Ege vom SV Hohenacker-Neustadt: Lia Thines von den Wildcats. Foto: Andreas Gorr

Handball-Oberligist SV Leonberg/Eltingen feiert einen mühevollen 24:19-Sieg – dabei sorgt die Torhüterin des SV Hohenacker-Neustadt lange für ein schlimmes Nervenflattern.

Vielleicht fühlte sich Frank Gehrmann am Samstagabend wie ein Bauarbeiter, der mit dem Spaten bei 33 Grad ein tiefes Loch ausheben musste – nach getaner Arbeit brauchte der Mann erstmal ein paar ordentliche Schlucke gekühltes Getränk. „Das war ein echter Arbeitssieg“, sagte der Trainer der Handballerinnen des SV Leonberg/Eltingen nach dem äußerst mühevollen, aber absolut verdienten 24:19(11:7)-Erfolg über den SV Hohenacker-Neustadt.

Der Erfolgsexpress der Wildcats rollt weiter, seit dem 11. Oktober nach der Niederlage in Birkenau (23:25) haben die Leonbergerinnen lediglich beim TV Flein verloren (24:34) und damit in acht Partien sieben Siege gefeiert. Gegen den Ex-Club von Gehrmann aus dem Remstal war lediglich die Geschwindigkeit ein wenig gedrosselt.

Torhüterin Ege wie ein achtarmiger Dämon

Die Wildcats machten sich das Leben vor dem gegnerischen Tor viel zu häufig selbst schwer, was vor allem an der Frau mit der kurzen Hose und der Nummer „1“ auf dem Rücken des Gegner lag. Stefanie Ege war so etwas wie ein achtarmiger Dämon in Gestalt einer Torhüterin, vor dem Knie und Wurfarme der Wildcats immer wieder ins Schlottern kamen. „Die hat uns ganz schön nervös gemacht“, gab Rückraumspielerin Julia Wolf zu, „sie hat ein paar Bälle weggemacht und das war dann in unseren Köpfen drin.“

Überragende Frau zwischen den Pfosten: Maike Kilper legte mit ihren Paraden den Grundstein zum Sieg des SV Leonberg/Eltingen. Foto: Andreas Gorr

Die Zahl der freien Würfe am Kreis der Wildcats, die gegen die 37 Jahre alte Torfrau nicht den Weg ins Netz fanden, summierte sich in den zweistelligen Bereich; Gehrmann hatte zwölf bis 14 freie Fehlwürfe ausgemacht. Nach 1:10 Minuten hatten die Gastgeberinnen zwei Treffer erzielt, Tor Nummer drei folgte erst 10:01 Minuten später. Eine so kläglich Treffer-Durststrecke wiederholte sich in Hälfte zwei: Dem 13:8 durch Alina Ridder (32:59) folgte erst zähe 15 Minuten und fünf Sekunden später das Tor zum 14:13 erneut durch Ridder (48:18). „Wir hätten nach 20 Minuten mit acht Toren vorn liegen können“, sagte Coach Gehrmann, „aber die gegnerische Torhüterin hat mit der Zeit bei unseren Spielerinnen vor dem Wurf stets ein Kopfkino ausgelöst.“

Doch Ähnliches würden die Frauen des SV Hohenacker-Neustadt wahrscheinlich über Maike Kilper sagen. Die Frau zwischen den Leonberger Pfosten entschärfte in den 60 Spielminuten zahlreiche Würfe aus bester Position, sie parierte obendrein zwei Siebenmeter und so hielt sie ihre Mannschaft stets im Spiel, auch wenn die Trefferquote so tief sank wie die Flüssigkeitssäule eines Thermometers in der Antarktis. „Maike war überragend“, freute sich der Leonberger Handball-Chef Matthias Groß, und auch Julia Wolf war voll des Lobes für ihre Teamkollegin: „Maike war ein Mega-Rückhalt.“

Im Verbund mit der Torhüterin boten die Wildcats in der Defensive eine gute Leistung, es wurde konsequent zugepackt und Simona Schmaderer nahm nach der Pause die stets aggressive und gefährliche Denise Kindsvater (6 Tore) in persönliche Deckung. „Das war ein sehr intensives Duell mit ihr“, beschrieb Schmaderer die mitunter robusten Auseinandersetzungen. „Es war wie erwartet ein sehr unangenehmer Gegner“, sagte Alina Ridder, „aber wir haben uns nicht entmutigen lassen und trotz der Torhüterin haben wir schließlich die Nerven behalten.“

Musste bei den Auszeiten eindringliche Worte für seine Wildcats finden: Trainer Frank Gehrmann. Foto: Andreas Gorr

Erst als die Wildcats nach dem Tor zum 18:14 (53.), das Nika Baric mit einem sehenswerten Handball-Kabinettstückchen mit der Rückhand erzielt hatte, auf die Siegerstraße eingebogen waren, wechselte der SV Hohenacker-Neustadt die Torhüter-Dämonin aus und Clara Klimmeck agierte fortan für Stefanie Ege zwischen den Pfosten. Nach 60 Minuten stand ein schweißreicher Arbeitssieg für den SV Leonberg/Eltingen, der Spielerinnen und Funktionäre mehr Nerven gekostet hatte als nötig gewesen wäre. „Egal, wie ein Spiel läuft – man muss am Ende mindestens ein Tor mehr als der Gegner erzielt haben“, sagte Trainer Frank Gehrmann – und nahm einen kräftigen Schluck. SV Leonberg/Eltingen: Kilper, Gronwald; Ridder (6/1), Schmaderer (4), Klotz (3), Ulrich (3), Bergthold (2), Stimmler (2), Baric (1), Karwounopoulos (1), Lia Thines (1), Wolf (1), Berkemer, Conzelmann, Lily-Rose Thines.